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Eben noch Trockenzeit, morgen nasse Füße

Idylle an der Schunter, die derzeit extrem wenig Wasser führt, so wenig wie sonst nur im Sommer. Starke Niederschläge wie im Mai 2013 verändern die Situation schnell. Fotos (2): Korth
 
Als Anlieger kennt Hennig Brandes die Sprunghaftigkeit der Schunter.

Viele Maßnahmen, ein Ziel: Wasserverband Mittlere Oker arbeitet im Auftrag der Stadt an Vorstudie für Hochwasserschutzkonzept.

Von Marion Korth, 13.04.2014.

Braunschweig. Die Schunter ist zahm, das Wasser steht nicht einmal kniehoch. Aber der Fluss kann auch anders, vor knapp einem Jahr hieß es hier „Land unter“. Der Wasserverband Mittlere Oker arbeitet im Auftrag der Stadt aus gutem Grund an einer Vorstudie zum Hochwasserschutzkonzept.

„Man hat den Eindruck, dass Jahrhunderthochwasser jetzt alle paar Jahre auftauchen, dafür müssen wir uns rüsten“, sagt Verbandsvorsteher Hennig Brandes. 2002 war bislang das Rekordjahr, 2013 hätte es werden können. „Wir hatten Glück, sind gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen, weil die 60 bis 80 Millimeter Regen, die angekündigt worden waren, doch nicht gefallen sind“, erinnert sich Brandes. Hochwasserschutz ist kompliziert, jedes Hochwasser anders. Die vorhandenen Rechenmodelle mit den tatsächlichen Ereignissen abzugleichen, war eine Aufgabe im Vorfeld. Je exakter die Berechnung ist, desto genauer die Vorhersage. Und das erleichtert wiederum die Vorbereitung der Feuerwehr und der Anlieger.
Ganz verschiedene Aspekte werden unter die Lupe genommen: Wie groß ist das Hochwasserrisiko an den großen Flüssen Oker, Schunter, Wabe und Mittelriede? Wie wirken sich kleinräumige Wetterereignisse wie ein Starkregen aus? Was passiert, wenn die Böden nass sind und der Grundwasserspiegel hoch steht, also kaum Wasser versickern kann? Was bringt der Klimawandel an Herausforderungen mit sich? Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben wird schon jetzt 50 Zentimeter über den höchsten Wasserstand hinausgerechnet, um für Extremfälle gewappnet zu sein. Gerade die Schunter neigt dazu, schnell anzusteigen und auszuufern. Warum das so ist, und was dagegen zu tun ist, wird derzeit untersucht.
Am Ende dieses Jahres werden die vorhandenen Daten ausgewertet, die Analyse abgeschlossen sein und eine Liste geordnet nach Wirksamkeit und Kosten-Nutzen-Verhältnis mit Vorschlägen für Gegenmaßnahmen wie Schutzdämme vorliegen. Auch Rückstauventile oder der Einbau von Pumpen könnte Sinn machen, um das Kanalnetz zu ertüchtigen, sagt Wasserverbandsgeschäftsführer Claus Wilske. Ein Baustein wird auf jeden Fall die gezielte Information und Beratung der Anlieger werden, damit die bessere Vorsorge für ihren privaten Hochwasserschutz treffen können.
Viel wurde schon getan: Das Pumpwerk Inselwall schützt die Innenstadt vor Überflutungen, Wehre wurden erneuert, Wälle gebaut. Manche der zusätzlichen Maßnahmen werden relativ schnell zu verwirklichen sein, andere brauchen Zeit. Hochwasser macht an Stadt- und Kreisgrenzen nicht Halt, deshalb seien erste Gespräche mit den Vertretern der umliegenden Kreise geführt worden, um auch dort Rückhaltemöglichkeiten auszuloten. Immerhin habe das Land Fördermittel für den Hochwasserschutz in Aussicht gestellt, sagt Brandes. „Jeder Zentimeter, den wir von der Hochwasserspitze wegbekommen, ist ein Erfolg.“
Die Überschwemmungswiesen an der Schunter sind in diesen Tagen grün und trocken. Aus der Oker fließen aktuell nur zwei Kubikmeter Wasser je Sekunde ab. „So wenig wie sonst nur im Sommer“, sagt Wilske. Kein Schnee im Harz, seit Wochen kein nennenswerter Niederschlag – das sind die Gründe für die Trockenzeit. Aber die kann, das zeigte sich im vergangenen Jahr – auch ganz schnell vorbei sein.
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1 Kommentar
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Wilfried Schäfer aus Hondelage | 13.04.2014 | 12:15  
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