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Zum Camper muss man geboren sein

Platzwart Peter Kepp in seinem Element, er mäht den Rasen.
 
Spartanisch ausgestattet, aber ausreichend, wenn man Urlaub machen will. Ein solches Leben auf Dauer muss man aber wollen.

Nach ein paar Wochen auf den Spuren der Camper zieht die NH nun ein Fazit.

Von Erik Beyen, 07.07.2017.

Mariental. Es ist bewiesen: Zum Camper wird man nicht, man ist als Camper geboren. Stellt sich nur die Frage: Welche Art Camper steckt in Dir? Die NH hat sich ein paar Wochen lang auf die Spuren der Camper begeben. Fazit: durchwachsen, denn den Camper gibt es nicht, ganz im Gegenteil. Aber bitte, lesen Sie selbst.

Unser Domizil auf Zeit war ein alter Mietwohnwagen gleich neben dem Vereinsheim. Ausgestattet mit den wichtigsten Dingen des Lebens, aber eben ohne Toilette, Waschbecken oder eigene Wasserversorgung. Letztere befindet sich hinter dem Wohnwagen unter freiem Himmel, Toiletten im Sanitärtrakt, Waschmaschine und Abwasch ebenfalls. Es gibt Menschen, die damit absolut zufrieden sind, aber nach einer gewissen Zeit freut man sich doch über die eigene Toilette, die eigene Dusche und eine Waschmaschine, in der nur die eigene Wäsche gereinigt wird. Dennoch: Wir haben uns bewusst für ein etwas spartanisches Leben entschieden, zu dem immerhin ein Fernseher, ein Kühlschrank, Drei-Flammen-Kocher und andere Komfortelemente gehören.

Es waren die menschlichen Begegnungen, die die Zeit auf dem Campingplatz in Mariental geprägt haben. Auf einige hätten wir gern verzichtet, etwa auf den Besuch eines vermeintlichen Reporters eben unserer Zeitung gleich zu Beginn dieser Camper-Serie. Tatsächlich war der Herr, er stammt aus Mariental, zu Gast bei einem Dauercamper-Paar, der Ruhe einforderte, wo gar keine Ruhe einzufordern war. Auf seine angekündigte Reportage über das Miteinander auf einem Campingplatz warten wir noch heute. Diese Begegnung hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, war sie doch an Verlogenheit auf menschlicher Ebene nicht zu überbieten.

Uns sind viele Menschen begegnet, so auch Mitglieder des Camping-Clubs Elm-Lappwald e.V., der auf dem Platz in Mariental sein Vereinsheim unterhält. Camper, bemerkt der Vorsitzende Jürgen Müller, seien eins mit der Natur. Eine Aussage, die einzelne Mitglieder seines Clubs mitunter ad absurdum führen, wenn sie auf akurat geschnittene Hecken und Rasenflächen bestehen.

Auch die folgende Aussage über das Ziel des Clubs gilt offenbar nicht grundsätzlich, nämlich die Förderung der Kameradschaft. Die elitäre Außenwirkung und gewonnene persönliche Eindrücke widersprechen diesem.

Camper spiegeln unsere Gesellschaft. Da sind jene, die ihr kleines Stück grünes Camperglück auf drei Milimeter geschnitten halten und ihr kleines Reich wie ein Puppenhaus pflegen. Da ist der Aussteiger, der uns auf dem Platz in Räbke begegnet ist, der die Freiheit des Campens liebt. Da ist die Köchin, die sich mangels passender Wohnung einen Wohnwagen mit Vorzelt auf einem Campingplatz zugelegt hat. Und da sind Reisecamper, immer auf Achse, ihre Auszeit auf Rädern genießend und die Welt erkundend. Auf dem Platz in Mariental haben sich viele Menschen aus Berlin das geschaffen, was in der Großstadt unmöglich ist: ein eigenes Reich mit grünem Garten. Fakt ist: Die Gruppe der Dauercamper überaltert, denn der Trend geht hin zur modernen Mobilität.

Und zuletzt sind da die ganz persönlichen Begegnungen, etwa die mit dem Platzwart Peter Kepp. Ein einfacher Mensch mit harter Schale, frecher Berliner Schnauze aber einem unglaublich großen und weichen Herzen. Für Menschen, die es dort hinein schaffen, würde er alles tun. Und das gilt auch für seinen Kollegen Dieter Melcher.
Unser Fazit: Wie im Leben allgemein gilt auch auf einem Campingplatz: Ein Mindestmaß an Regeln des menschlichen Miteinanders müsste eigentlich für eine glückliche und friedliche Zeit reichen. Campen? Gerne wieder. Auf Dauer: Dafür muss man wohl geboren sein, und alle Unwegsamkeiten drumherum ausschalten können. Dann gehört man auch dazu.
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