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Zukunft im Zeichen des Löwen

Von den Urwaldgärten, in denen der Friedenskakao wächst, war Uwe Meier begeistert. Dort gedeihen Süßkartoffel, Ananas, Kakao, Kautschuk und Banane in buntem Durcheinander. Foto: oh

Entwicklungshilfe zum Anbeißen: Der Braunschweiger Schokoladenlöwe ist ein Stück Hoffnung.

Von Marion Korth, 23.11.2016.

Braunschweig. „Friedensmission“ erfüllt. Dr. Uwe Meier, wir hatten über ihn im Oktober berichtet, ist wohlbehalten aus Kolumbien zurückgekehrt. Das Projekt „Cacao de Paz“ (Friedenskakao) ist auf einem guten Weg und der Braunschweiger Löwe als Schokoladenhohlfigur aus den erlesenen Bohnen im Handel.

Meier ist erleichtert. Die Reise in unruhigen Zeiten (als Meier seine Reise antrat, war gerade das Friedensabkommen zwischen Guerilla und Regierung geplatzt, das den Schlussstrich unter 52 Jahre Bürgerkrieg in Kolumbien ziehen sollte) steckt dem Biologen noch ein bisschen in den Knochen. „Bei 35 Grad stundenlang zu Fuß, auf dem Maultier oder Motorrad durch den Urwald, das ist kein Spaß“, sagt er. Aber die Anstrengungen haben sich gelohnt: „In den Urwaldgärten dort sah ich eine solche Fülle und Vielfalt an Flora und Fauna – mehr als ich erwartet habe“, schwärmt er. „Von mir hätten die Bauern dort sofort ein Biosiegel bekommen“, sagt Meier, der als Agrarwissenschaftler früher die Standards für die Vergabe solcher Siegel mit entwickelt hat. Die Kooperative will sich um eine Anerkennung bemühen, was Meier aber eher für Geldverschwendung hält, auch ohne Siegel hat er gesehen, wie die genau 67 Kleinbauern ihren Kakao anbauen. Umweltfreundlicher geht es eigentlich nicht, meint er.

Die Kakaobohnen für den Braunschweiger Löwen sind in jeder Beziehung etwas Besonderes nicht nur, weil sie in Urwaldgärten und nicht in Plantagen wachsen: „Sie schmecken anders, irgendwie fruchtig“, beschreibt Meier es.
Einige Bauern haben dem Kokaanbau und damit dem Drogengeschäft noch nicht gänzlich abgeschworen, aber Meier hofft, dass die Zeit für sie arbeitet. Die Bauern seien schon jetzt mehr als zufrieden, weil sie für den Friedenskakao sehr gut bezahlt werden. Die Schokoladenmanufaktur, die im Odenwald den Schokoladenlöwen herstellt, zahlt mehr als das Doppelte des Weltmarktpreises nämlich 5000 Dollar je Tonne an die Kooperative, darüber hinaus fällt der Zwischenhandel weg, der sonst auch noch mitverdiente. Ein bisschen skeptisch ist er, ob der Kakaonachschub dauerhaft gesichert ist. „67 Bauern sind nicht viele, da reicht eine Missernte …“ Aber das sei das geringste Problem.

Den 67 Familien tief im Urwald Verdienst und Zukunftsperspektive zu geben, ist das Ziel des Friedenskakaoprojekts. 13 Euro für den 150 Gramm schweren Vollmilchschokoladenlöwen („38 Prozent Kakaoanteil wegen der Postleitzahl.“) ist nicht billig, „aber jedes Gramm Schokolade ist mit einem Mehrwert aufgeladen“, sagt Meier. Für ihn ist Fairtrade kein Lippenbekenntnis, sondern Verpflichtung zum Handeln. Die Menschen, die er in Kolumbien getroffen hat, schauen voller Hoffnung in die Zukunft, wünschen sich ein Ende der Gewalt. Mittlerweile steht das Friedensabkommen, die Aussichten sind nach bangen Wochen gar nicht so schlecht. Dafür sorgt nicht zuletzt der Löwe …
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