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Zu viele Sitzungen abgerechnet

Frühere Nordzucker-Aufsichtsräte angeklagt.

Von Marion Korth, 12.10.2011

Braunschweig. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigener Mitteilung Anklage gegen zwei ehemalige Verantwortliche des Aufsichtsrates der Nordzucker AG erhoben.

Die Wirtschaftskammer des Landgerichts muss nun prüfen, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird. Den beiden 58 und 64 Jahre alten Angeschuldigten wird jeweils ein besonders schwerer Fall der Untreue zum Nachteil der Nordzucker AG in der Zeit von Dezember 2005 bis Juli 2009 zur Last gelegt. Ein Aktionär hatte Strafanzeige gestellt.
Ihnen wird vorgeworfen, als Verantwortliche des jeweiligen Aufsichtsrates Sitzungsgelder entgegen der Satzung abgerechnet zu haben. Außerdem hätten sie darauf hingewirkt, dass andere Aufsichtsratsmitglieder ebenfalls Sitzungstage falsch abrechnen. Dadurch sollen sie einen Schaden in Höhe von insgesamt 122 850 Euro € verursacht haben. Die Angeschuldigten seien nicht geständig, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Geyer. Die Vorgänge an sich seien unstrittig, aber: „Die Angeschuldigten sehen da strafrechtlich nichts Verwerfliches dran, sie haben das gemacht wie alle zuvor.“
Die Satzung der Nordzucker AG sah in den Jahren 2001 bis 2009 neben einer festen und einer variablen Vergütung sowie der Erstattung von Auslagen ein Sitzungsgeld vor. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben die beiden Angeschuldigten sowie mindestens 20 weitere Aufsichtsratsmitglieder in ihren Abrechnungen eine Vielzahl weiterer Termine angegeben, bei denen es sich nicht um Sitzungen gehandelt habe. Dabei sei es beispielsweise um Gespräche mit Vorständen der Nordzucker AG, Anreisetage vor Sitzungen, Teilnahme an der Grünen Woche und Teilnahme an einer Grundsteinlegung gegangen.
Da die bislang nicht vorbestraften Angeschuldigten laut Anklage gewerbsmäßig – also dauerhaft und in gewissem Umfang – gehandelt und einen großen Vermögensschaden verursacht haben sollen, droht ihnen jeweils eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wegen besonders schwerer Untreue. Die Nordzucker AG stellt fest: „Die falsche Abrechnungspraxis stellt sich für das Unternehmen als Systemfehler dar, der bis in die Gründerjahre der Nordzucker AG zurückgeht.“ Den Vorwurf des Vorsatzes mache sich das Unternehmen nicht zu eigen.
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