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Zu Besuch ... im Hauptbahnhof: „Wir müssen täglich Lust auf mehr machen“

en Bahnhof zu Füßen: Seit 2009 ist Marco Schlott Bahnhofsmanager in Braunschweig. Er erweckte anlässlich der EXPO den Messebahnhof Hannover-Laatzen zu Leben. Foto: Susanne Hübner

Marco Schlott ist seit 2009 Leiter des Bahnhofsmanagements und hat sein „Haus“ Schritt für Schritt aufgemöbelt.

Von Birgit Leute, 06.06.2017.

Braunschweig. Fast 260 Mal am Tag quietscht und ruckt es unter seinem Bürofenster. Genauso oft kündigt eine künstliche Computerstimme den gerade eingefahrenen Zug an. Marco Schlott ist Manager des Hauptbahnhofs Braunschweig und wer sich mit ihm unterhält, merkt schon nach fünf Minuten: Orte, an denen jeden Tag der Bär steppt, sind seine Leidenschaft.

„Wissen Sie, dass 86 Prozent der Menschen bei dem Wort ’Eisenbahn‘ gar nicht zuerst an Loks, sondern an den Bahnhof denken?“, weiß Schlott um die Bedeutung „seines Hauses“.
Kein Wunder, dass mit der Auflösung der Deutschen Bundesbahn Mitte der 90er Jahre und deren Überführung in fünf Aktiengesellschaften auch noch einmal die Rolle des Bahnhofs überdacht wurde.

Marco Schlott – eleganter schwarzer Anzug, weißes Hemd – ist Sinnbild dafür, dass Bahnhöfe heute wie Unternehmen geführt werden und Aushängeschilder eines „Mobilitätsanbieters“ sind, der immer noch mit dem Auto konkurriert.
„Wir müssen 365 Tage im Jahr dafür sorgen, dass sich der Kunde wohlfühlt“, lautet Schlotts Credo, das er täglich an sein Team weitergibt.
„Drei-S-Konzept“ heißt das im Fachjargon der Bahn – Sauberkeit, Service, Sicherheit.

Herr über 117 Bahnhöfe

Der Bahnhofschef ist nicht nur „Herr“ über die „Helfer mit den roten Mützen“, die Fahrgäste an der Info und auf den Bahnsteigen betreuen. Er ist auch zuständig für die Inspektoren, die die Gebäude auf Mängel hin kontrollieren sowie für die Mitarbeiter von der Ansage. Vor allem aber ist Schlott ein Netzwerker. „Von Braunschweig aus betreuen wir 117 Bahnhöfe von Lüneburg bis Kassel. Jeder Umbau, jeder Neubau findet in enger Abstimmung mit Kommunen und Verkehrsverbunden statt, damit nicht an den Kunden vorbeigeplant wird“, sagt Schlott.
Seit seinem Amtsantritt 2009 hat der Mann mit dem Turbo auch dafür gesorgt, dass der Hauptbahnhof in Braunschweig eine Schönheitskur erhielt. Bis heute wurden rund 15 Millionen Euro in die Erneuerung der Bahnsteige, in Aufzüge und in Automatiktüren am Nordausgang investiert. Noch einmal fünf Millionen Euro sind für die Modernisierung der Unterführung und des Südausgangs verplant. Der 46-Jährige hat auch gleich noch ein Pilotprojekt an Land gezogen: Braunschweig ist bundesweit der erste Bahnhof mit USB-Anschlüssen im Aufenthaltsbereich.
Und: Er baut das eher nüchterne Gebäude mit Ausstellungen, Konzerten oder auch mal einem Beach-Volleyball-Turnier so ganz nebenbei zu einer Kunst-und Kulturmeile um. „Wir müssen Lust auf mehr machen“, ist sein Ehrgeiz.

Kein Nine-to-Five-Job

Das klingt nicht nach einem Job von Nine-to-Five. „Nein“, sagt der Bahnhofschef, der sich mit Laufen fit hält, lachend. „Mein Handy ist Tag und Nacht auf Rufbereitschaft – nicht immer zur Begeisterung meiner Familie“, gesteht Schlott.
Doch: Ob Wasserrohrbuch, Unwetter oder Streik – die Kunden und die Sicherheit gehen immer vor. Und wenn Not am Mann ist, setzt sich Schlott eben auch mal selbst die rote Mütze auf und steht an der Info. „Ich habe auf dem Bahnsteig angefangen und weiß, was von meinen Mitarbeitern an Einsatz verlangt wird“, sagt Schlott.
Bei einem Streikdienst schenkte ihm eine Kundin eine Tafel Schokolade. Als Dank. „Sehen Sie – das ist es. Wir müssen immer wieder überraschen, Freude erzeugen – dann kommen die Leute wieder.“
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