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Ziemlich beste Freunde – und normal wie Conchita Wurst

Maic Uthschinski (links) und Sandro Jürgens zu Besuch bei der NB. Foto: Obi-Preuß
 
Maic Uthschinski (links) und Sandro Jäger im vergangenen Jahr als Fußballspieler...

Maic Uthschinski und Sandro Jürgens gehören sie 15 Jahren mit ihren aufwendigen Kostümen zu den Highlights der CSD-Parade.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 29.07.2017.

Braunschweig. „Die schönsten Männer sind schwul“ – heißt es gern unter Frauen. Und ganz ehrlich? Bei diesen beiden stimmt das Klischee. Der smarte Bankkaufmann und der drahtige Gärtner sind Hingucker. Sandro und Maic sind längst kein Paar mehr, aber noch immer ziemlich beste Freunde.

Besonders jetzt, beim Sommerlochfestival. Seit 15 Jahren gehören sie zum schillernden Kern der Abschlussparade, die heute ab 13 Uhr durch die Innenstadt zieht. Sandro und Maic in diesem Jahr als Bauarbeiter.
„Es geht uns vor allem um den Spaß“, sagt Sandro Jürgens, der sein Geld als Banker verdient. „Aber“, fügt er an, „wir haben auch eine Botschaft. Und die heißt: „Ich bin normal.“

Und da kommt die Idee für das Bauarbeiterkostüm ins Spiel. „Vergangenes Jahr haben wir uns als Fußballer verkleidet“, erzählt Maic, der Gärtner ist handwerklich geschickt, er stellt alle Kostüme selbst her. Polizisten und Piloten waren darunter, gern Figuren aus „Männerwelten.“

„Der CSD will Mut geben“, erklärt Sandro. „Outen“ bedeutet nicht, dass man ungefragt von seiner Sexualität erzählen muss oder soll, „gerade im Berufsleben hat das ja nichts zu suchen“, betont er. Allerdings: „Je länger du mit anderen Menschen zusammenarbeitest, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwie auffällt, dass du anders bist.“ Und da sei es gut, wenn man stark genug ist, auf mögliche Fragen entspannt und ehrlich antworten zu können.

Das braucht Zeit, der Anfang sei fast immer schwierig. „Ich wollte es zunächst nicht wahrhaben“, blickt Sandro zurück. Mit ungefähr 14 Jahren sei ihm aufgefallen, dass „irgendetwas anders ist“, zwei Jahre lang hatte er versucht, seine Homosexualität zu verdrängen. „Das größte Problem liegt bei einem selbst“, ist sich der 40-Jährige sicher. „Als es dann raus war, war es gar nicht mehr schlimm. Am meisten Angst hatte ich vor der Reaktion meines Opas, aber der alte Mann hat ganz cool reagiert“, freut sich Sandro noch immer. Für den heute 50-jährigen Maic war es etwas schwerer. Er hatte sich erst mit 30 – nach dem Tod des Vaters – zu seinem Schwulsein bekennen können. „Mein Vater hätte es nicht verstanden“ ist Maic sicher. „Ich war als Kind weicher als die anderen Jungs, sensibler, ich wollte lieber zum Turnen als zum Fußballspielen“, weiß er noch genau. Beide erinnern sich an Situationen in der Schulzeit, in denen sie verlacht oder verhöhnt wurden: „Mobbing würde man das heute nennen“, fügen sie ernst hinzu. Das wurde besser mit den Jahren. Auch und vor allem durch mehr Öffentlichkeit, da sind sie sich sicher. „Die mediale Welt puscht ja inzwischen geradezu Themen wie Transgender“, stellen sie fest. „Kultfiguren wie die Grand-Prix-Gewinnerin Conchita Wurst oder die Dragqueen Tatjana Taft sind doch inzwischen ganz normal.“

Wozu dann also noch der ganze Zirkus? „Weil es immer noch wichtig ist, die Gesellschaft zu sensibilisieren“, erklären die beiden, die „Ehe für alle“ sei ein Beispiel, „es hat gut 15 Jahre gedauert, bis das Gesetz jetzt endlich in Kraft getreten ist.“
Dazu gelte es auch Solidarität mit Menschen in anderen Ländern zu üben, die für ihr Anderssein mitunter drastisch bestraft werden. Außerdem gebe es zahlreiche „Dauerbrenner-Themen“, die sowieso für alle Menschen gleich wichtig sind: „Allein die Steigerungszahlen bei Hepatitis machen jede Aufklärungsarbeit nötig.“
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1 Kommentar
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Ralf Kumbartzky aus Rüningen | 01.08.2017 | 03:57  
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