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Zeuge: „Ich dachte, sie sei kinderlieb“

Landgericht: Prozess um „Waller Babymord“ mit Zeugenbefragung fortgesetzt.

Braunschweig (jen). 06.11.11

Immer noch scheint das Verhalten der im Prozess um den sogenannten „Waller Babymord“ wegen Tötung ihrer zwei Säuglinge angeklagten Mutter unergründlich. Daran hat auch der dritte Verhandlungstag vor dem Landgericht nichts geändert.

Eine Tatsache wird allerdings immer deutlicher. Selbst Menschen aus der nächsten Umgebung wussten offenbar so gut wie nichts über die 36-Jährige.
„Erst gab es nichts Besonderes. Aber irgendwann kam es mir vor, als baue sie eine Fassade auf“, umschrieb ein Zeuge seine Eindrücke von der Beschuldigten. Dabei war die Frau schon als 18-Jährige zu ihm nach Braunschweig gezogen. Sie habe ihm zunächst erzählt, sie sei in München aufgewachsen und arbeite bei einem Amt, berichtete der 44-Jährige. Die Eltern und die Familie der jungen Frau habe er während ihrer fünfjährigen Beziehung nie gesehen.
Gesprochen habe man in dieser Zeit unter anderem über die gemeinsame Zukunft, sagte der Zeuge weiter. „Wie waren verlobt, und ich dachte, sie sei kinderlieb. Sie hat auch gesagt, wenn sie einmal Kinder wolle, dann von mir“, erklärte der Mann.
Völlig anders klang das, was ein weiterer Zeuge über die Angeklagte erzählte. Der Mann, mit dem die Frau 2006 eine Affäre begonnen hatte, hielt sie für eine weit gereiste Wissenschaftlerin. Er habe ihr auch geglaubt, dass ihr Ex-Freund steinreich sei. Dass die Beschuldigte zu jener Zeit auch eine Beziehung mit einem verheirateten Mann hatte, habe er nicht gewusst.
Die 36-Jährige hat laut eigenem Geständnis 2005 ein Kind in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und gleich nach der Geburt getötet. Die Leiche des Säuglings hatte sie am Waller See vergraben. Erst sechs Jahre nach der Tat wurde die Frau als Mutter des toten Babys ermittelt.
Nach ihrer Festnahme führte sie die Polizisten zu einem Müllcontainer, in den sie kurz zuvor den Leichnam ihres zweiten Neugeborenen versteckt hatte. Das Mädchen war angeblich bei der Geburt in der Badewanne ertrunken.
Wichtig für das Gericht dürfte der nächste Prozesstag sein. Dann soll ein psychiatrischer Sachverständiger über die Angeklagte aussagen.
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