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Zerreißprobe zwischen Autocrash und Giftwolke

Mitglieder des ABC-Zuges bringen einen Arbeiter aus der Gefahrenzone. Fotos: Nizar Fahem
 
So finden die Einsatzkräfte die Situation vor. Ein Auto ist in den Zug verkeilt, das andere liegt auf der Seite daneben.

Die Freiwilligen Feuerwehren aus Braunschweig und Wolfenbüttel üben zum ersten Mal gemeinsam den Ernstfall.

Von Andreas Konrad, 18.10.2017.

Wolfenbüttel. Das Drehbuch entbehrt nicht vieler Elemente, die aus einem Actionfilm stammen könnten: Zwei Pkw liefern sich ein illegales Straßenrennen und verunglücken an einem Bahnübergang. Durch den Unfall reißt ein Kesselwagen des beteiligten Gefahrgutgüterzuges ab und verliert in der Folge Stoffe, die in der Nähe eines Tanklagers explodieren.

Durch die Explosion schlägt der Gefahrgutkessel Leck und kommt kurze Zeit später zum Stehen. Diese Situation fanden am Samstag Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren aus Braunschweig und Wolfenbüttel vor. Nur, dass es für sie kein Film war, sondern eine ernste Übung.

9.35 Uhr auf dem Gelände der Firma Imperial in Wolfenbüttel, die unter anderem Logistik für Gefahrgutstoffen anbietet. Alarm. Auf dem Firmengelände kam es zum Zusammenstoß zwischen einem Zug und zwei Autos. Schon wenige Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort. Um das Alarmierungsrisiko zu minimieren, hätten sich die Kameraden bereits auf ihren Fahrzeugen eingefunden, erklärt Jens Lehmann, Stadtpressewart der Feuerwehr Braunschweig. Mehr, als dass sie zu einer Übung ausrücken würden, wissen sie indes nicht.

Insgesamt vier Personen gilt es aus den Autowracks zu befreien. Immer wieder hört man Hilferufe der Unfallopfer, man schaut in blutverschmierte Gesichter. Alles nur geschminkt, schließlich soll die Situation möglichst authentisch wirken. Souverän reden die Rettungskräfte auf die Hilfesuchenden ein, beruhigen sie, während andere Kameraden – nachdem beide Autos in ihrer Lage stabilisiert worden waren – bereits beginnen, die Frontscheiben der Fahrzeuge aufzusägen. „Die Rettung soll für die Unfallopfer so schonend wie möglich erfolgen“, erklärt Lehmann, das heißt, alles bleibt zunächst, wie es vorgefunden wird. „Die Ausnahme ist ausbrechendes Feuer, dann muss es einfach nur schnell gehen.“ Und so befreien die Helfer alle vier Personen sehr bedacht und unter Einsatz vieler Werkzeuge aus ihren Fahrzeugen. Einsatz geglückt.
Wenige Meter weiter das Gleis entlang steigt Rauch auf. In der Nähe eines Freilagers brennt es. Das Hydrantennetz der Firma ist zu klein, um den Brand wirkungsvoll zu bekämpfen. Also bauen die Kameraden zunächst ein Hydroschild auf, um das Freilager zu schützen. Feine Wassertropfen rieseln zwischen Lager und Feuer hinab und bilden so einen Hitzeschild. Derweil machen sich zwei Teams auf den Weg, mehr Wasser zu besorgen. Das eine Team – der Wasserförderzug – versucht von der Oker eine 1,7 Kilometer lange Leitung zum Brandort zu errichten, das andere – der Wassertransportzug – fährt mit fünf Fahrzeugen im Kreisverkehr zwischen Pumpwagen und externer Entnahmestelle – so kommen pro Runde 12 000 Liter Wasser an die Gefahrenstelle. Und das müssen sie eine ganze Weile, denn der Wasserförderzug steckt im Okerschlamm fest. Das Fahrzeug, das den riesigen Schlauch nach hinten auswerfen soll, kommt nicht mehr weiter. So ist das bei einer Übung, es geht mal etwas schief, das große Ganze funktioniert aber.

Wieder ein paar Meter weiter. Wirre Rufe. Zwei Arbeiter werden vom ABC-Zug in eine Schutzzone geführt. Die Kameraden tragen dicke Gummianzüge, darunter Atemschutz. So ausgerüstet bleiben ihnen 25 Minuten Einsatzzeit, bevor sie abgelöst werden. Die Arbeiter müssen sich in ein Becken stellen und werden bis auf die Haut abgewaschen – sie sind schwer kontaminiert. Derweil platzieren andere Kameraden eine Wanne unter dem Loch im Kesselwagen. Ein Gefahrgutzeichen verrät, dass Ammoniak ausläuft, es qualmt überall. Mit Zurrgurten und einem Plastikkissen dichten die Feuerwehrleute das Leck provisorisch ab.

Es war die erste gemeinsame Übung der Freiwilligen Feuerwehren aus Braunschweig und Wolfenbüttel. 90 Mitglieder der Feuerwehr Wolfenbüttel, 70 aus Braunschweig sowie weitere 50 anderer Einheiten (Leitung, Übungsdarstellung, Verpflegung) nahmen daran teil. Am Ende eine Demonstration der Leistungsfähigkeit. Filmreif eben.
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