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„Wundersame“ Wundheilung

Die Wissenschaftler Dr. Andreas Helmke (l.) und Professor Dr. Wolfgang Viöl (r.) vom Anwendungszentrum für Plasma und Photonik des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik in Braunschweig sowie Dr. Dirk Wandke (M.), Geschäftsführer des Medizintechnikunternehmens Cinogy GmbH, erhielten den mit 10 000 Euro dotierten diesjährigen Technologietransferpreis der IHK. Sie demonstrieren hier die Anwendung des Verfahrens zur Wundheilung. Foto: Verena Meier

Braunschweiger Wissenschaftler entwickelten weltweit einmaliges Verfahren.

Von Martina Jurk

Braunschweig, 27.11.2015. Dass Forschungsergebnisse in Archive und damit für immer ad acta gelegt werden – dafür liefern Braunschweiger Wissenschaftler den Gegenbeweis. Professor Dr. Wolfgang Viöl, Dr. Andreas Helmke und Dr. Dirk Wandke erhielten jetzt den Technologietransferpreis der IHK Braunschweig. Sie entwickelten ein Verfahren, das die Wundheilung fördert und Keime reduziert mittels eines gewebeverträglichen physikalischen Plasmas – weltweit einmalig.

Was 2002 mit der Entwicklung von Labormustern begann, mündete vier Jahre später in die Gründung eines technologienehmenden Unternehmens – eine Ausgründung aus einer Forschungsgemeinschaft. Das Unternehmen produziert das Gerät.„Nach dem Meilenstein in der plasmamedizinischen Forschung überführten die Ausgezeichneten ihre theoretischen und Experimentalergebnisse in eine Unternehmung, die sich den harten Bedingungen des Wettbewerbs stellt“, lobte Jury-Vorsitzender Professor Werner Gramm.

Hauterkrankungen nehmen zu. Neurodermitis, Schuppenflechte oder chronische Wunden gelten inzwischen als Volkskrankheiten. Das handliche Gerät mit dem Namen „PlasmaDerm“, mit dem kaltes Plasma direkt auf der Haut erzeugt wird, beschleunigt die Wundheilung deutlich. Es klingt wie ein Wunder oder wie Science-Fiction: „Nach typischerweise 16 Anwendungen von jeweils 90 Sekunden ist der Heilungsprozess signifikant angestoßen“, sagte der Plasmaphysiker Wolfgang Viöl. Circa 150 Geräte seien in Kliniken und Arztpraxen im Einsatz. Das Gerät wurde Anfang 2013 zugelassen. Auch mit dem Klinikum Braunschweig werden Gespräche über den Einsatz des Gerätes geführt.

Und so funktioniert die Anwendung: Eine auswechselbare Elektrode, entnommen aus einer sterilen Einmalverpackung, wird auf ein Handgerät gesteckt. Die Elektrode wird 90 Sekunden lang auf die zu behandelnde Hautfläche aufgelegt, zwei- bis dreimal wöchentlich über drei Wochen. In Tests konnte nachgewiesen werden, dass es keine Hautschädigungen gibt. Mehr als 400 Behandlungen sind bis jetzt durchgeführt worden.

„Momentan wird das Verfahren für die chronische Wundheilung angewandt. Die schnellere Heilung von OP-Wunden ist auf jeden Fall ein Thema für die Zukunft“, blickte Dr. Dirk Wandke voraus. Für das Medizintechnikunternehmen Cinogy GmbH mit Sitz in Duderstadt, dessen Geschäftsführer er ist, sei das ein großes Potenzial.

Einsatz:
Eingesetzt wird das Verfahren derzeit bei:
- diabetischem Fußsyndrom
- Ulzerationen (Entwicklung eines Geschwürs aus einem nicht heilenden Haut- oder Schleimhautepitheldefekt)
- Dekubitus (lokale Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, auch Druckgeschwür genannt)
- schlecht heilenden Wunden
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