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Wohnen, Verkehr, Flüchtlinge – und VW

Der Oberbürgermeister und seine Stadt: Klaus Mohrs auf dem Rathausdach in Wolfsburg. Foto: obi

Klaus Mohrs (SPD) ist seit 2012 Oberbürgermeister von Wolfsburg – In unserer Serie „Stadtrundgang“ spricht er über sich und „seine Wolfsburger“.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23.12.2015. Wolfsburg. „Ich habe gelernt, es sehr gern zu machen“, sagt Klaus Mohrs über den „öffentlichen“ Teil seines Lebens. Das ist gut, sonst hätte der Oberbürgermeister ein Problem: Denn „seine Wolfsburger“ sind durchaus zutraulich. Wenn „ihr OB“ auf dem Markt einkauft, gibt es gute Ratschläge für den ersten Mann im Rathaus, er hört von persönlichen Schicksalen und Problemen, aber es wird ihm auch mal auf die Schulter gekopft: „Gut gemacht“, raunt ihm dann ein Passant anerkennend zu.

„Wir fahren auf Sicht“

Das sind die schönen Momente im Alltag des Oberbürgermeisters. Die sind zurzeit eher rar. Denn das Thema „Volkswagen“ überstrahlt und überdeckt im Moment fast alles. „Meine Kontakte in den Konzern sind sehr eng und sehr gut“, betont Mohrs, aber dennoch: Es ist völlig ungewiss, was der Abgasskandal am Ende bedeuten wird. Für das Werk, für die Stadt, für das Land...
„Wir fahren auf Sicht“, ist auch im Wolfsburger Rathaus die einzige Möglichkeit, so gut es geht in eine ungewisse Zukunft zu planen. „Mir ist es völlig schleierhaft, wie es überhaupt zu dieser Manipulation kommen konnte“, sagt der OB.

Den Haushalt der Stadt stellte Mohrs in der jüngsten Ratssitzung vor, Gewerbesteuereinbrüche in Höhe von 136 Millionen Euro werden erwartet. Höhere Steuern und Gebühren für die Bürger sind im Gespräch. Und Kredite für Investitionen. Denn die Stadt hat Themen vor der Hand, die nicht warten können: Wohnen, Verkehr, Flüchtlinge. Das sind die Schlagworte, um die sich – neben VW – fast alles in Wolfsburg dreht. „In den vergangenen Jahren sind in Wolfsburg 15 000 Stellen geschaffen worden“, erzählt Mohrs. Die Stadt platzt aus allen Nähten, Wolfsburgs Wohnungsmarkt ist de facto dicht, 75 000 Pendler schieben sich Tag für Tag durch die Stadt.

Und dazu das Thema „Flüchtlinge“, das auch in Wolfsburg eine zentrale Rolle einnimmt. „Die Untersützung ist enorm“, lobt der Oberbürgermeister seine Wolfsburger, „sie bewähren sich als gute Demokraten, gehen anständig mit den fremden Menschen um.“ Selbst die Sportvereine zeigten sich verständnisvoll. Obwohl bereits vier große Hallen belegt sind.

„Es wird natürlich nicht nur gejubelt“, fügt Mohrs an, es gebe durchaus kritische Fragen. Die er und sein Verwaltungsteam allerdings nur unzulänglich beantworten können, „denn wir wissen einfach nicht, wie viele Menschen uns noch zugewiesen werden“, erklärt er die Schwierigkeiten der Planung. Rund 2500 Flüchtlinge leben zurzeit in Wolfsburg, 1300 kamen allein in diesem Jahr.
„Wir haben ein Wohnungsbauprogramm aufgelegt“, erklärt der Oberbürgermeister, „das ist wichtig für das Klima in unserer Stadt“, ist er überzeugt. Günstige Wohnungen in ausreichender Menge will er anbieten können. „Wohnungen für alle“, betont er. Auch, aber eben nicht nur für Flüchtlinge. „Wir müssten sehr schnell bauen, aber es gibt kaum etwas Komplizierteres in Deutschland als das Baurecht“, spricht er sein Dilemma an.

Über den Städtetag verschafft er den Städten und Kommunen, gemeinsam mit seinen „Oberbürgermeister-Kollegen“ Gehör bei der Bundesregierung. Es geht um die Finanzierung für die Unterbringung der Flüchtlinge, aber auch um politische Forderungen. „Dass beispielsweise die Registrierung der Neuankommenden nicht besser klappt, ist ein staatliches Versagen“, klagt er.

Der innere Kreis

Entscheidungen trifft der Oberbürgermeister nach Beratungen in einem sehr kleinen Kreis. „Fünf enge Vertraute“, hat er, dazu noch – je nach Thema – 20 bis 30 Experten, mit denen er im Rathaus alle Themen durchsprechen kann. „Absolut vertraulich, da geht nichts raus“, ist er sichtlich stolz auf seine Mannschaft.

Klaus Mohrs lässt „die Zügel gern locker“, beschreibt er seinen Führungsstil. „Wir besprechen uns, dann lass ich laufen – ich habe vollstes Vertrauen.“ Das hat sich für ihn bewährt. Über Jahre ist der Diplom-Pädagoge als Jugendpfleger, Dezernent und Stadtrat in die Rolle des Oberbürgermeisters regelrecht hineingewachsen, Mohrs kennt Verwaltung aus dem Effeff. Jetzt, an der Spitze, sei er mitunter ungeduldig, räumt er ein, denn häufig dringen die Themen erst bis zu ihm „wenn es brennt.“ Zum Glück kann er sich auch und gerade in brenzligen Situationen auf seine Erfahrung verlassen – und auf sein Team.

Zu Serie

Frauen, Männer, Kinder – Menschen aus Braunschweig, oder Menschen, die uns in Braunschweig interessieren, möchten wir von einer anderen Seite vorstellen.

Deshalb bitten wir sie zu einem Stadtrundgang. In dieser vierten Folge waren wir mit Klaus Mohrs unterwegs, der Oberbürgermeister von Wolfsburg spricht über sich, aktuelle Themen und über seine Stadt.
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