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„Wir wünschen uns mehr Präsenz der Polizei“

Brain-Klub-Betreiber Ulrich Schwanke äußert sich zu der Polizei-Razzia.

Von Falk-Martin Drescher, 15.01.2014.
Braunschweig. Nicht nur die Polizei, auch Ulrich Schwanke zieht ein Fazit aus der Razzia am vergangenen Wochenende. Der Betreiber des Brain Klubs spricht über die Großaktion und die Konsequenzen daraus für das Braunschweiger Nachtleben.

? Für wie verhältnismäßig halten Sie die Razzia vom Wochenende?

! Dazu kann ich wenig sagen, da ich die Ergebnisse nicht kenne. Ich halte die Anzahl von Leuten, gegen die Verfahren eingeleitet wurden – rund zehn Prozent – für relativ normal. Ich glaube, dass man auf dem Weihnachtsmarkt eine ähnliche Quote erreichen würde. Vor allem finde ich aber, dass dies wenig zielführend ist. Von den Straftaten, die es angeblich im Brain Klub gibt, wusste ich bisher überhaupt nichts. Verdacht auf Verabreichung von K.-o.-Tropfen und ähnliche Dinge, davon habe ich noch nie etwas gehört. Die Polizei hat uns darauf nicht angesprochen, ich habe keine E-Mails von Gästen bekommen, ich kenne diese Vorfälle alle nicht. Ich bezweifle, dass sie sich belegen lassen. Wenn jetzt die ganzen Taschendiebstähle, Gewaltdelikte und anderen Straftaten im Umfeld des Clubs, das übrigens auch das Umfeld von zehn anderen Läden ist, aufhören – dann finde ich alles gut. Dann hat die Polizeiarbeit sehr gut geklappt. Wenn die aber nicht aufhören, und alles so weitergeht, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, was die Aktion sollte.

? Was hätten Sie als sinnvoller empfunden?

! Die Polizei hätte uns nach dem Motto ansprechen müssen: „Hallo, liebe Brain GmbH, wir haben festgestellt, dass es in einem Ihrer Objekte Probleme mit Betäubungsmittelhandel und -konsum geben könnte.“ Dann hätte man darauf eingehen können. In den vergangenen 20 Jahren hat die Polizei immer wieder angefragt und von uns immer Auskunft erhalten. Wir waren in jeglicher Beziehung immer kooperativ. Ich glaube, dass wenn man da beispielsweise eine stille Beobachtung gemacht hätte, dann hätte man sicherlich auch die richtigen Täter erwischen können. Ob man die angeblichen Drogenhändler mit so einer Krawallaktion erwischt, das wage ich zu bezweifeln. Aber das kann eigentlich nur die Polizei beurteilen, weil die wissen, was sie gefunden haben. Auf jeden Fall fehlt mir in dieser Hinsicht die Kommunikation mit der Polizei.

? Was wünschen Sie sich allgemein hinsichtlich der polizeilichen Aktivitäten im Partyviertel?

! Grundsätzlich finde ich es gut – auch mit dieser Aktion – dass sich die Polizei dazu entschließt, wieder etwas zu tun. Denn das haben wir die letzten zehn Jahre bitter vermisst. Da spreche ich für alle Gastronomen. Ich möchte, dass sie auf der Meile und in der Umgebung mehr Präsenz zeigen, dass dort zwei oder vier Streifenbeamte die ganze Nacht unterwegs sind. Denn wenn postuliert wird, dass das Brain oder die Gegend ein Gefahrenherd sei, ein Brennpunkt für Kriminalität, dann erwarte ich, dass die Polizei Flagge zeigt. Und zwar dauerhaft. Nicht mit 140 Beamten in einer Nacht in einem Laden. Frauen würden bestimmt nicht auf eine rüde Art von irgendwelchen Männergruppen angesprochen werden, wie es jetzt zum Teil nachts passiert, wenn dort die ganze Zeit Polizisten patrouillieren würden. Dazu hat die Polizei entweder nicht das personaltechnische Potenzial, oder sie wollen es nicht. Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass wir uns seit zehn Jahren über diese Kokainkügelchen-Händler beschweren, die im Viertel an allen Ecken stehen. Daran hat sich nichts geändert. So gesehen kann man auch sagen, dass die Präsenz der Polizei auf der Partymeile in den letzten zehn Jahren dürftig war.

? Was ziehen Sie aus der Razzia für Ihren Diskobetrieb für Konsequenzen?

! Wir haben einen weiteren Türsteher gebucht, der auf den oberen Bereich des Clubs achtet, wo es den Gerüchten zufolge sodom- und gomorramäßig sein muss. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, was ich noch tun soll. Ich werde zukünftig häufiger einen Blick um die Ecke werfen, und wenn ich dort die drogenverkaufenden Typen sehe, rufe ich die Polizei. Natürlich als Privatmensch und nicht als Vertreter des Brain Klubs – sonst wird es mir nachher noch zum Nachteil ausgelegt. Dann bin ich mal gespannt, was passiert.
Wir haben ausschließlich ein Interesse an einer sicheren Partymeile. Wo man nicht in Gefahr ist, Schläge ins Gesicht zu bekommen oder von irgendwelchen Dealern angequatscht zu werden. Das ist unser Interesse als Gastronom und auch unserer Kollegen auf der Meile. Unser Fazit zu der Aktion ist auf jeden Fall: Auf der Straße muss mehr aufgepasst werden. Wenn die Leute in unserem Laden Drogen dabei hatten, dann muss das irgendwo hergekommen sein. Die Typen an der Ecke fallen allerdings nicht in den Zuständigkeitsbereich des Brain Klubs, sondern den der Polizei.
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