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„Wir schenken Kindern Liebe und Geborgenheit“

Sabine Kraus (2.v.r.) arbeitete mehrere Jahre für ein Internat in Thailand und unterstützte dort die „Ärmsten der Armen“: Kinder, die durch den Tsunami 2004 ihre Eltern und ihr Zuhause verloren.
 
Dank Sabine Kraus hat der junge Waise Tiger (2.v.r.) eine Pflegefamilie gefunden. Mit seinem neuen „Bruder“ Jan-Philipp versteht er sich prima. Fotos: Sabine Kraus /oh

Die Braunschweigerin Sabine Kraus unterstützt ein Internat in Thailand und übernahm das Sorgerecht für einen Waisenjungen.

Von Katja Buhlmann, 20.09.2014.
Braunschweig. Die gebürtige Braunschweigerin Sabine Kraus (53) unterstützte drei Jahre lang vor Ort das gemeinnützige Internat Yaowawit in Thailand für die Ärmsten der Armen. Jetzt übernahm sie gemeinsam mit ihrer Familie in Deutschland das Sorgerecht für den 14-jährigen Yaowawit-Schüler Tiger.

Vorsichtig trägt Tiger zwei Teller mit Reis und balanciert sie geschickt zum Esstisch. „Das hast du toll gemacht“, lobt Sabine Kraus den 14-Jährigen auf Englisch. Er strahlt voller Stolz, sagt: „Später möchte ich ja auch mal Hotelmanager werden.“
Tiger hat ein trauriges Schicksal: Seine thailändische Mutter lernte er nie kennen, wuchs beim deutschen Vater in Phuket auf. Als der jedoch vor sechs Jahren starb, stand Tiger völlig allein da. So kam er ins Internat Yaowawit in Kapong, Thailand. Sabine Kraus, die damals die Schule leitete, schloss ihn gleich ins Herz. „Wir haben eine enge Bindung zueinander.“ Anfangs habe Tiger viel geweint und nicht gesprochen, erinnert sich die gebürtige Braunschweigerin. Aber mittlerweile sei er richtig aufgeblüht.
Wenn Sabine Kraus über das Internat in Thailand, ihre Arbeit dort spricht, dann sprudeln die Worte voller Leidenschaft aus ihr heraus. Kinder, die bei der Tsunami-Katastrophe 2004 ihre Eltern oder ihr Zuhause verloren haben oder aus schwierigen Verhältnissen kommen und deshalb nicht bei ihren Familien bleiben können, „diese Kinder, die Ärmsten der Armen, finden hier in Yaowawit ein neues Zuhause und die Chance auf eine glückliche Zukunft. Es ist wunderbar zu sehen, welche Fortschritte sie machen. Hier weißt du immer, wofür du arbeitest.“
Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Englisch, Mathematik, Thai, sondern auch die organische Landwirtschaft. „Die Schüler lernen, ihre Begabungen zu nutzen, um der Armut zu entkommen. Das Internat betreibt eine eigene Farm und eine kleine Lodge“, erläutert Sabine Kraus. Aber wie ist die heute 53-Jährige überhaupt am anderen Ende der Welt, mitten im schwül-heißen Dschungel gelandet?
Suche nach dem Sinn
Als die Marketing-Fachfrau drei Jahre beruflich in der Türkei war, „begann ich zu ahnen, dass mir Deutschland auf Dauer zu klein sein könnte“. Sabine Kraus nahm sich eine Auszeit, bereiste die Welt, wurde in Indien Patin von vier Kindern. Und mit diesem Schritt spürte sie, dass sie etwas Neues machen wollte. Etwas, das mit Sinnhaftigkeit, Erfüllung zu tun hat, mit dem Wunsch, etwas geben zu können. Obwohl sie in ihrem Job gut verdiente und erfolgreich war, stellte sie fest: „Ich brenne nicht mehr so für meine Aufgaben wie früher.“
Sie kündigte. Ein Jahr vor ihrem 50. Geburtstag. Ohne genau zu wissen, wohin ihr Weg sie führen würde. Sie bewegte die Sehnsucht, Kindern dabei zu helfen, groß, klug und stark zu werden, um später mal ein selbstbestimmtes, besseres Leben führen zu können. Schließlich brachte der Zufall sie mit Philipp Graf von Hardenberg zusammen, der das Internat nach der Tsunami-Katastrophe 2004 gegründet hatte. „Ich war begeistert von seinem Projekt!“ Dreieinhalb Jahre blieb sie vor Ort. Ein Leben in Einfachheit, für wenig Gehalt. „Aber das, was wirklich zählt, hatte ich in Thailand in Hülle und Fülle“, betont Sabine Kraus. Achtsamkeit, Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit zum Beispiel.
Sie kümmerte sich um Spenden und das Marketing, betreute die Öffentlichkeitsarbeit, entwickelte die Organisation. „Jetzt ist das Internat finanziell stabil und das lokale Management-Team gut ausgebildet. Yaowawit benötigt meine Unterstützung vor Ort nicht mehr. Natürlich unterstütze ich die Schule weiterhin von Deutschland aus.“
Tiger fand neues Zuhause
Aber sie ist nicht allein hier – sondern mit dem 14-jährigen Tiger. „Gemeinsam mit meiner Familie habe ich das Sorgerecht für ihn übernommen“, erläutert Sabine Kraus. Nun lebt Tiger in der Familie ihres Bruders zur Pflege. „Denn Tiger hat eine Familie gesucht. Er braucht Menschen, die ihn lieben. Und die hat er nun.“ Eine Mutter, die sich rührend um ihn kümmert, einen Vater, der ihn führt und einen Bruder: „Mein Neffe Jan-Philipp ist auch 14 Jahre alt. Die beiden verstehen sich toll“, freut sich Sabine Kraus, die mit Tiger auch schon bei ihrer Mutter in Braunschweig war.
Jetzt lernt er fleißig die deutsche Sprache, besucht die Gemeinschaftsschule, in die auch Jan-Philipp geht. Sabine Kraus: „Ich begleite ihn dabei, sich bei uns in Deutschland zu integrieren. Er fühlt sich sehr wohl hier.“ Heimweh nach Thailand habe der Junge bisher nicht verspürt, sagt sie. Und wenn Tiger sie anstrahlt, dann weiß Sabine Kraus: „Ich mache genau das, was ich gesucht habe und was mich glücklich macht. Es fühlt sich einfach alles richtig an.“
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