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„Wir passen in keine Schublade“

Standort gesucht: Roman und Mirjam von Dobbeler mussten ihre Zirkusschule aufgeben

. Von Birgit Leute, 06.04.2011

Braunschweig. Noch passt ihr Traum auf ein DIN-A-4-Blatt. Doch irgendwann möchten Roman und Mirjam von Dobbeler einen festen Standort für ihr Zirkuszelt, ihre Zirkusschule. Einen Versuch hat das Ehepaar bereits gemacht – er ist gescheitert.

Die Ordner für Anfragen und Anträge füllen in dem kleinen Arbeitszimmer inzwischen ganze Regale. „Vor lauter Verwaltungsschreiben komme ich gar nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit“, seufzt Roman von Dobbeler.
Seine eigentliche Arbeit – das ist im Moment ein mobiler Zirkus, mit dem er und seine Frau Mirjam an Schulen und Kindergärten in der Region gastieren, dort Projektwochen anbieten. Die Nachfrage ist riesig, sechs Grundschulen haben die Dobbelers und ihr rotes Zelt bis zum Sommer fest gebucht, auch aus Nordrhein-Westfalen gibt es Anfragen.
Der 38-Jährige könnte zufrieden sein, doch die Idee, mit der die Dobbelers vor fünf Jahren in Braunschweig gestartet sind, war eine ganz andere. „Unser Plan war eine feste Zirkusschule für Kinder und Jugendliche“, erläutert der dunkelhaarige Künstler, der eine Ausbildung zum Diplom-Sozialpädagogen hat. Eine Zirkusschule, wie es sie bereits in Städten wie Köln oder Hannover gibt, „mit regelmäßigen Kursen in Akrobatik, Seiltanz, Jonglage“, ordnet Dobbeler ein.
Für vier Jahre hatte sich der Traum erfüllt: Der Zirkus Dobbelino hatte – wenn auch kein Zelt – so doch ein festes Quartier in drei Klassenräumen in Gliesmarode. Dann gingen die Vereinsbeiträge zurück, „die Miete wurde unbezahlbar“, so Dobbeler. Ende 2010 musste die Schule schließen.
„Die Kinderbetreuung hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Es gibt mehr Ganztagsschulen, die die Jugendlichen auch am Nachmittag betreuen.
Das merken Vereine wie wir“, sagt der gebürtige Solinger. Anfragen auf Unterstützung durch die Stadt verliefen bisher im Sande, „wir passen einfach in keine Schublade“, nennt Dobbeler das Problem.
Ein Zirkus ist kein klassischer Sportverein, kein Träger der Jugendförderung, keine Kultureinrichtung. Er ist von allem ein bisschen und damit nicht genug. Dobbeler: „Wir bekommen keine Halle, weil wir keine Sportart anbieten, keine Projektförderung weil wir langfristig arbeiten.“ Das Problem sei ein speziell deutsches. In Frankreich, sagt er, seien Zirkusse als Kunstform und Jugendeinrichtung durchaus anerkannt.
Ihre Hoffnung setzt das Ehepaar auf eine geplante EU-Richtlinie, die Artistik als eigenständige Kunstform anerkennt und den Titel „Zirkuspädagoge“ schützt. Bis dahin wird es allerdings noch dauern, die Leittragenden, bedauert Mirjam von Dobbeler, seien die rund 60 Jugendlichen, die nun keinen Ort mehr zum Trainieren haben. „Der mobilen Zirkus, den wir im Moment betreiben, ist gut. Doch unser Traum wäre ein fester Standort für ein Zelt“, wünscht sie sich. Und spinnt den Faden schon weiter: „Man könnte einen Veranstaltungsort daraus machen, Varietéabende für Erwachsene anbieten“ – wenn, ja wenn sich ein Sponsor fände.
Informationen zum Zirkus Dobbelino sind im Internet unter www.dobbelino.de zu finden.
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