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„Wir möchten keine Almosen“

Sami und Samar Abu-Ata verkaufen im Dom geschnitzte Krippen aus Olivenholz und helfen damit christlichen Familien in Palästina zu überleben. Foto: T.A.

Hoffen auf Frieden in Bethlehem – Palästinensische Krippenschnitzer verkaufen Krippen im Dom.

Von Marion Korth, 03.12.2014.

Braunschweig. Was sollen sie sagen, auf die Frage, wie die Situation in ihrer Heimat, Palästina, ist? „Wir leben dort. Aber in diesem Sommer war es schlimm.“ Der Gaza-Krieg erreichte auch Sami Abu-Ata und seine Frau Samar. Nur zwei Kilometer entfernt schlugen Raketen ein. Nun sind sie wieder hier, verkaufen geschnitzte Krippen im Dom.

Die wirtschaftliche Lage in Palästina ist verheerend, die Touristen bleiben Bethlehem in Zeiten voller Unruhe oder gar Krieg fern. „Die Arbeitslosigkeit liegt bei 26 Prozent. Die jungen Menschen machen eine Ausbildung und wissen nicht, was sie danach tun sollen“, sagt Sami Abu-Ata. Ob ihre sechs Enkel in dem Land ihre Zukunft finden werden, weiß er nicht. Noch vor 40 Jahren machten die christlichen Familien acht Prozent der Bevölkerung aus, jetzt nicht einmal mehr ein Prozent.
Die Möglichkeit, im Dom die traditionelle Schnitzkunst der christlichen Familien zum Verkauf anbieten zu können, schätzen sie hoch ein. „Wir möchten keine Almosen und hier können wir unsere Produkte verkaufen.“ Für zehn Euro kann man schon eine Krippenfigur erwerben. „Für zehn Euro kann eine ganze Familie einen Tag leben und hat drei Mahlzeiten“, erläutert Sami Abu-Ata.
Das polierte Olivenholz glänzt, jede Arbeit ist ein Einzelstück, trägt eine andere Maserung: die heilige Familie, die Hirten, Schafe, Kühe, Esel. Die Weihnachtsgeschichte ist auch eine Geschichte voller Trost und Hoffnung – an Frieden irgendwann. Im Gottesdienst am zweiten Adventssonntag (Beginn 10 Uhr) soll Sami Abu-Ata ein Licht für Bethlehem, ein Licht der Hoffnung entzünden und den Menschen hier erzählen, was Überleben für seine und die anderen christlichen Familien in Palästina bedeutet.
Sind es 19 Jahre oder doch schon 20? Die beiden wissen selbst nicht genau, wie viele Jahre sie immer bis kurz vor Weihnachten Gäste im Dom sind. Aber das Ehepaar kommt gern, fast wie alte Bekannte werden sie von manchen herzlich begrüßt. Über die Jahre haben sie eine enge Verbindung zum früheren Domprediger Joachim Hempel geknüpft, seine Nachfolgerin Cornelia Götz haben sie aber ebenfalls in ihr Herz geschlossen: „She is really nice, so nett“, sagen sie.
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