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„Wir möchten, dass das aufgeklärt wird“

„Wir versuchen damit zu leben und wir möchten, dass das aufgeklärt wird“, sagte die Mutter des toten 17-Jährigen in der Pressekonferenz am Donnerstag, zu der sie mit ihrem Mann gekommen war. Von dem Schritt in die Öffentlichkeit erhoffen die Eltern sich einen weiteren Hinweis oder dass der Unfallfahrer sich meldet. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de
 
Dirk Bosse von der Polizeiinspektion Braunschweig setzt auf die Öffentlichkeit, um den tragischen Unfall doch noch aufklären zu können. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Die Eltern des 17-Jährigen, der auf der Broitzemer Straße angefahren worden ist und später starb, gehen bewusst den Schritt in die Öffentlichkeit.

Von Marion Korth, 20.12.2014.

Braunschweig. „Dass wir nicht wissen, was geschehen ist, das macht es für uns noch schwerer.“ Die Frau, die das sagt, ist Toms Mutter. Der 17-Jährige ist unter rätselhaften Umständen nach einem Unfall in den frühen Morgenstunden des 4. November gestorben. Mit ihrem Mann nahm sie am Donnerstag an einer Pressekonferenz der Polizei teil.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse sollten gesammelt auf den Tisch kommen. Eltern und Polizisten hoffen noch immer auf den einen entscheidenden Hinweis, der die Kette schließt und alle Einzelheiten in einen logischen Zusammenhang rückt. Die von der Polizei dafür ausgesetzte Belohnung in Höhe von 3000 Euro ist von den an der Büchnerstraße ansässigen Unternehmen auf 5500 Euro erhöht worden.
Es ist zugleich viel und wenig, was zeitweise bis zu 20 Beamte akribisch zusammengetragen und was Gerichtsmedizin und Spurensicherung herausgefunden haben, und doch kann Dirk Bosse von der Polizeidirektion Braunschweig bislang eigentlich nur sagen, wie es sich nicht abgespielt haben kann.
Bosse: „Einen Sprung schließen wir aus.“ Auch die auf Unser38 geäußerte Vermutung, dass der 17-Jährige als Lkw-Surfer von der „Graffiti-Brücke“ zunächst auf einen Lastwagen gesprungen und erst dann auf die Broitzemer Straße gestürzt ist, komme nicht infrage. „Die Verletzungsmuster passen nicht.“ Der Jugendliche sei seitlich von einem Fahrzeug erfasst worden, und trug Verletzungen allein im Oberkörperbereich davon. „Der Unfall ist nicht absichtlich oder fahrlässig herbeigeführt worden“, betont Bosse.
Warum Hemd, T-Shirt und Jacke ausgezogen waren, der Jugendliche nur halb bekleidet auf der Straße lag, können die Ermittler nicht sagen. Die Kleidungsstücke seien um den Kopf des 17-Jährigen herum gefunden worden. Hat jemand versucht, ihm zu helfen? Bosse: „Wir wissen nicht, ob es einen Hilfeversuch gab oder er sich selbst ausgezogen hat.“ Trotz der Schwere der Verletzungen hat das Opfer sich noch bewegt und wäre eine kurze Zeit lang dazu grundsätzlich in der Lage gewesen. Nur warum hätte er sich ausziehen sollen?
Eine wirkliche Rettung habe es für den 17-Jährigen nicht mehr gegeben. „Selbst wenn ärztliche Hilfe direkt zum Unfallzeitpunkt vor Ort gewesen wäre, hätte er wohl nicht überlebt“, sagte Ermittlungsleiter Winfried Kessler.
Zwischen 3.58 und 4.05 Uhr soll sich der Unfall ereignet haben. Durch Zeugenaussagen ließ sich der Zeitraum so genau eingrenzen. Waren es etwa die Täter, die sich nach einem Einbruchsversuch in einem nahen Möbelmarkt auf der Flucht befanden? Auch das sei denkbar. Der Einbruchsalarm dort war um 3.58 Uhr ausgelöst worden, um 4.07 Uhr war der Notruf eingegangen, weil jemand den Jugendlichen reglos auf der Straße entdeckt hatte.
An der Kleidung des Jungen wurden Lackspuren in Rot und Grün gefunden. Zu wenig, um auf einen bestimmten Fahrzeughersteller oder Wagentyp schließen zu können, aber genug, es dem vermutlichen Unfallwagen – sollte er denn gefunden werden – eindeutig zuzuordnen. Dabei könnte es sich um einen Transporter oder Lkw handeln, „aber auch ein großer Pkw oder Geländewagen kommen infrage“, sagte Bosse.
Es gibt noch viele weitere Einzelheiten: Das abgestellte rote Rennrad des 17-Jährigen mit abgesprungener Kette, sein Handy, das zehn Meter weiter im Gras gefunden worden war, ein Klassenkamerad, der sich nicht mehr erinnern kann, wann und wo genau er sich von dem 17-Jährigen getrennt hat. Er habe einen „Filmriss“, habe er den Polizisten gesagt. Alkohol kann der Grund dafür sein oder auch ein Trauma, weil er vielleicht doch auch am Unfallort gewesen ist. Die Ermittler wissen es einfach nicht.
Vor ihnen liegt ein riesiger Berg Arbeit: Die Polizei hat eine Liste von circa 2000 Personen, die sich in dem fraglichen Zeitraum in der Nähe aufgehalten haben. Diese Zahl hätte sich ergeben, nachdem unter anderem Handydaten ausgewertet worden seien. Diese Menschen seien keine Verdächtigen, aber auch sie müssen im Zweifelsfall noch befragt werden. Bosse geht davon aus, dass das mehrere Monate dauern kann.
Theoretisch ist es möglich, dass der Fahrer von dem Unfall nichts mitbekommen hat, besonders dann nicht, wenn es sich bei dem Fahrzeug doch um einen großen Lastwagen gehandelt hat. Aber mittlerweile muss er erfahren haben, was auf der Broitzemer Straße passiert ist. „Dieser Unfall ist das Thema bei den Firmen in der Büchnerstraße“, sagte Bosse. Solche Nachrichten würden sich sofort verbreiten.
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