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„Wir heben heute den Finger“

Trotz des kühlen und unbeständigen Wetters war der Braunschweiger Selbsthilfetag auf dem Kohlmarkt am Samstag gut besucht. Fotos: Ammerpohl

12. Braunschweiger Selbsthilfetag auf dem Kohlmarkt – Mehr als 30 Vereine stellten sich vor.

Von Birgit Leute, 20.06.2015.

Braunschweig. Lothar Goyer schämt sich nicht, über seine Probleme in seine Vergangenheit zu Reden. „Ich bin Mitglied im Alconetverein. Seit 16 Jahren bin ich ‚trocken“, sagt der Sprecher des Braunschweiger Selbsthilfegruppenrates.

Gemeinsam mit Kibis, der Kontaktstelle für Selbsthilfe, veranstaltet seine Einrichtung bereits zum zwölften Mal den Selbsthilfetag in der Innenstadt.
35 Vereine nutzen am Samstag trotz des unbeständigen Wetters die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit auf dem Kohlmarkt vorzustellen. Dazu zählten die Anonymen Alkoholiger, die Rheuma-Liga Niedersachsen, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter, die Selbsthilfegruppe für Essgestörte oder ein Zusammenschluss der Stotternden Braunschweig.

„Die Selbsthilfegruppen spiegeln die gesellschaftliche Entwicklung wider“, ordnet Ines Kampen von Kibis ein. Mehr und mehr gerieten auch psychische Erkrankungen in den Mittelpunkt. „Das heißt nicht, dass die Zahl der Betroffenen sprunghaft wächst. Aber es zeigt, dass es ein Thema ist, das die Menschen bereit sind, Hilfe zu suchen“, sagt Kampen.

Heidi Bitterberg vom Verein zur Förderung körperbehinderter Kinder (Köki) ist bereits seit 24 Jahren beim Selbsthilfetag dabei. „Wir verkaufen ein schweres Thema“, sagt sie über ihre Initiative. Aber sie weiß auch: Die Probleme von Eltern mit einem körperbehinderten Kind, die vielen durchwachten Nächte, Sorgen und Nöte – das können nur Eltern verstehen, die in der gleichen Lage sind. „Es ist wichtig, dass wir uns hier präsentieren. Den nach jedem Selbsthilfetag haben wir wieder ein neues Mitglied, das auf diesem Wege erfahren hat, dass es uns gibt.“

Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Schirmherr der Veranstaltung, lobte am Samstag das große ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder und zeichnete einige aus. Ein Grußwort überbrachte auch die neue Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke.

„Wir heben heute den Finger“, fasste Norbert Wiedemann, der in das Kostüm des Selbsthilfeclowns geschlüpft war, den Tag zusammen.
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