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„Wir hätten nie gedacht, mal in den Westen reisen zu können“

Géza Gál, Leiter der TU-Bigband, kam mitten im Kalten Krieg nach Braunschweig

Von Jens Radulovic

Braunschweig. Nach Deutschland kam er des Geldes wegen, nach Braunschweig zog ihn die Liebe: Géza Gál blickt auf ein bewegtes Leben zurück, bei dem der Zufall des Öfteren die entscheidenden Weichen stellte. Und das, rückblickend betrachtet, zu seinem Vorteil.

In die Rubrik „ausländische Mitbürger“ passt der 1955 im ungarischen Pásztó geborene und in Apc aufgewachsene Gál eigentlich nicht. Der seit 29 Jahren in Deutschland lebende Musiker hat seit einem Jahr die doppelte Staatsbürgerschaft und ist besser in die Gesellschaft integriert als viele Deutsche. Sein musikalisches Talent war ihm dabei eine große Hilfe.
Die musikalische Laufbahn war für Gál nicht so selbstverständlich, wie seine Vita vermuten ließe: „In der zweiten oder dritten Klasse wäre ich gerne Profifußballer bei Real Madrid oder Ingenieur geworden, weil ein Ingenieur in unserem Dorf wohnte, der wegen seines akademischen Grades von allen Bewohnern respektiert wurde.“
In der sehr musikalisch geprägten Familie war es schließlich seine Mutter, die ihn zur Musik brachte. Er ging mit 14 an ein Musikgymnasium nach Budapest und studierte dort anschließend an der Franz-Liszt-Musikhochschule und am Bela-Bartok-Jazzkonservatorium.
„Als uns ein Professor sagte, wir müssten uns unbedingt einmal einen Saal mit besonderer Akustik in Salzburg ansehen, haben alle Studenten gelacht. Wir hätten nie gedacht, mal in den Westen reisen zu können.“
Ein Anruf brachte Gál nach Deutschland: Ein Orchester, das ein Engagement in Deutschland erhalten sollte, brauchte kurzfristig einen Trompeter. Gál: „Ich hatte mir zwar schon vorher einmal überlegt, zum Geldverdienen nach Deutschland zu gehen, aber das waren Träumereien.“ Aus den Träumereien wurde plötzlich Realität, und er wurde als Devisenbringer für sein Land mitten im Kalten Krieg in den Westen gelassen.
„In ein Warenhaus zu gehen und zu gucken war für mich, wie im Paradies zu sein“, erinnert sich Gál an die ersten Eindrücke von Deutschland.
Als Musiker wurde er von den Deutschen sehr wohlwollend aufgenommen. „Ich kam als Gast und bin mit jedem Jahr heimischer geworden. Nach vier Jahren überlegte ich dann: ‚Wo bin ich eigentlich zu Hause?‘“
1985 kam schließlich nach einem Konzert im Harz eine junge Frau namens Barbara auf ihn zu, um über seine Musik zu diskutieren – der Beginn einer langanhaltenden Liebe.
Als sie einen Studienplatz in Braunschweig erhielt, zog es auch Gál in die Löwenstadt.
Spätestens mit der Geburt seiner Söhne David (1992) und Aron (1995) war für Gál die Entscheidung für Deutschland als Heimat gefallen.
Heute zieht es den Leiter der Bigband der TU nur noch für Urlaube ins Ausland. Sein Lebensmittelpunkt ist längst Braunschweig geworden.
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