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„Wir haben Weihnachten um die 40 Grad, und hier liegt Schnee“

Die Praktikantinnen Deborah Rebel (links) uns Sofia Richter (rechts) in der Redaktion der Neuen Braunschweiger, wo sie an diesem Text arbeiten. Foto: Korth

Deborah und Sofia sind aus Brasilien zu uns gekommen und erzählen etwas von ihrer Heimat.

Von Sofia Richter und Deborah Rebel, 06.12.2016.

Braunschweig. Achim Hartmann-Kretschmer, er war Lehrer in Braunschweig und unterrichtet heute an der deutschen Schule in Rio de Janeiro, hatte den Kontakt hergestellt. Seither kommen (fast) jedes Jahr Schülerinnen aus Brasilien kurz vor Weihnachten für eine Woche in die Redaktion. In diesem Jahr absolvieren Deborah Rebel und Sofia Richter ein Praktikum bei der nB. Wir haben einige Fragen an sie gestellt.

?Könnt Ihr etwas über Euch selbst erzählen?


!Ich heiße Sofia, bin 16 Jahre alt, bin in Rio de Janeiro geboren und gehe dort zur Escola Alemã Corcovado (Deutsche Schule Corcovado).


! Ich bin Deborah, bin 15 Jahre alt und gehe auch zur Deutschen Schule Corcovado seit dem Kindergarten.


? Eure Nachnamen hören sich sehr deutsch an, kommen Eure Vorfahren von hier?


!Sofia: Mein Urgroßvater, Ludwig Richter, war Deutscher und hat als Beruf Geigen hergestellt. Er kam wegen des Krieges mit seiner Familie nach Brasilien.


!Deborah: Mein Vater, Klaus Rebel, ist in Erding (Bayern) geboren und als 16-Jähriger mit seinem Bruder nach Rio gezogen, um Medizin zu studieren. Hier in Deutschland hatten sie kurz nach dem Krieg wenig Möglichkeiten.


?Was mögt Ihr in Rio besonders?


!In Rio ist es immer schön, warm und sonnig. Die Stadt strömt einfach Freude aus, und wir mögen diese positive Atmosphäre. Außerdem ist es dort nie langweilig, denn man kann immer etwas anderes machen (Strand, Kino, Museum …), und die Leute lächeln immer und sind freundlich.


?Was mögt Ihr in Braunschweig besonders?


!Das typische deutsche Essen schmeckt sehr gut, und wir würden uns wünschen, es gäbe so einen süßen Weihnachtsmarkt in Rio. Die Architektur und Organisation der Stadt gefällt uns besonders, und alle Leute sind hier wirklich nett.


?Welche Unterschiede habt Ihr zwischen Rio und Braunschweig festgestellt?


!Die Temperaturen sind natürlich unterschiedlich. Während wir in Rio Weihnachten bei Temperaturen um die 40 Grad feiern, wird hier mit Schnee gefeiert.
Da Braunschweig eine ältere Stadt ist, fallen die Unterschiede in der Architektur der Hochhäuser und Monumente auf. Die Stadt ist außerdem deutlich organisierter als Rio; die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren beispielsweise besser. Beide Städte beeindrucken uns sicherlich positiv.


?Wie funktioniert das Schulsystem bei Euch?


!Wegen der Staatsschulden funktionieren die staatlichen Schulen leider nicht so gut wie die Privatschulen. Das schränkt natürlich die Möglichkeiten für die ein, die sich eine Privatschule nicht leisten können. Die Deutsche Schule Corcovado ist privat, und – wegen des deutschen Einflusses – in vielen Aspekten ganz ähnlich wie die Schulen in Deutschland. Die Noten werden zum Beispiel von 1 bis 6 eingeteilt und einige Fächer werden auf Deutsch gelehrt. Die Schule ist in zwei Zweige geteilt: Den
C-Zweig, in dem nur wenige Fächer auf Deutsch gelehrt werden, außerdem können am Ende der zwölften Klasse nur der „ENEM“ und „vestibular“ (brasilianische Schlussprüfungen, die den Eintritt in den Universitäten ermöglichen) gemacht werden. Und dann der R-Zweig, in dem alle Fächer parallel auf Deutsch und Portugiesisch unterrichtet werden. Dabei haben die Schüler auch die Pflicht, das Abitur und „ENEM“/„vestibular“ zu machen, so dass sie später in Deutschland oder Brasilien studieren können.


?Wie habt Ihr die Olympiade empfunden? Habt Ihr irgendwelche Spiele gesehen? Hat sich die Stadt sehr verändert?


!Die Olympischen Spiele sind viel besser gelaufen, als man erwartet hat. Die Events waren alle sehr schön und gut organisiert. Der Staat und das Volk haben sich sehr viel Mühe gegeben, die Spiele schön zu veranstalten. Das hatte aber natürlich einen Preis; am olympischen Park war alles besonders teuer. Obwohl alles im Fernsehen übertragen wurde, wollten wir unbedingt zum Stadion, denn da war die Energie unvergleichbar. Man konnte während des Spieles das Zusammensein von verschiedenen Kulturen erleben, sowie die erhöhte Sicherheit und Sauberkeit der Straßen. Die Stadt hat sich verändert: Einige Häuser wurden abgerissen, damit neue gebaut werden konnten. Eine neue U-Bahn-Linie ist sogar für die Spiele entstanden. Rio ist noch schöner geworden.
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