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„Wir bringen Farbe in die Stadt“

Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann, 59 Jahre alt, kennt sich in der Branche und in Braunschweig aus. Vor 30 Jahren eröffnete er in der Burgpassage den ersten H&M-Laden. Foto: T.A.
Braunschweig: Sack |

Die Einhaltung ethischer Grundsätze in den Herstellerländern hat bei Primark Priorität.

Von Martina Jurk, 01.04.2015.
Braunschweig. Mit Braunschweig eröffnete Primark gestern seinen 18. Store im Bundesgebiet. Die nB sprach mit Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann über Motivation, Auswirkungen auf den städtischen Einzelhandel, Firmenphilosophie und Produktionsbedingungen.

?Wie ist Primark nach Braunschweig gekommen?

!Städte wie Braunschweig – große Mittelstadt mit vielen Einwohnern und großem Hinterland – suchen wir, weil hier viele potenzielle Kunden zu erwarten sind. Wir interessieren uns ständig für freiwerdende Immobilien. Der City-Point-Eigentümer, also ECE, hat uns kontaktiert. Das Konzept hat uns überzeugt, die kaufmännischen Bedingungen stimmen. Wir konnten einen langfristigen Mietvertrag schließen. 2009 wurde in Bremen der erste Store in Deutschland eröffnet, in Hannover gibt es Primark seit drei Jahren. Braunschweig passt also gut in diese Einkaufslinie.

?Das Gesicht des City Point hat sich verändert, sowohl außen als auch innen. Sie haben also kräftig investiert?

!Auf jeden Fall. Die Investitionssumme liegt im Millionenbereich. Sämtliche Einbauten wie Klimaanlage, Rolltreppen, Aufzüge sind von uns installiert worden und auf dem neuesten Stand der Technik. Der Energieverbrauch ist umweltschonend und effizient.

?In Braunschweig gibt es große Textilhäuser wie New Yorker, H&M oder KiK, die junge Kunden ansprechen und, so wie Ihr Unternehmen, im Niedrigpreissegment angesiedelt sind. Ist der Bedarf für einen weiteren großen Store überhaupt vorhanden?

!In anderen Städten funktioniert das sehr gut. Die Kundenfrequenz erhöht sich. Den Käufern bietet sich eine größere Auswahl. Natürlich stehen wir im Wettbewerb mit anderen Geschäften. Aber davor scheuen wir uns nicht. Wir sind ein junges Unternehmen, das dazulernt. Für die Kunden wird mit uns die Angebotsmischung besser.

?Die Bevölkerungsstruktur verändert sich. Wir werden älter, und es wird immer mehr ältere Menschen geben. Passt es in diese Entwicklung, noch ein Geschäft für junge Kunden zu eröffnen?

!Die 60-Jährigen sehen heute anders aus als vor 50 Jahren. Sie sind heute viel fitter, wollen lange jung bleiben, reisen viel. Primark ist seit 45 Jahren im jüngeren Segment positioniert und hat sich Kundenwünschen immer angepasst. Unser Angebot wendet sich an junge Familien, aber auch die älteren Menschen kommen zu uns.

?Was unterscheidet Primark von anderen Textilhäusern?

!Wir unterscheiden uns durch Farbigkeit. Bis 2001 waren wir ausschließlich in Irland und England zu Hause. Dann kamen Spanien und Deutschland hinzu. Die irischen Muster und Farben, die englischen Trends hat Primark dort mit eingebracht. Wir haben auch ein neues Konzept, was die Gestaltung der Stores betrifft – weg von Nüchternheit und Pragmatismus hin zu mehr Freundlichkeit. Primark bringt sozusagen Farbe in die Stadt.

?Was ist die Philosophie des Unternehmens?

!Hohe Stückzahlen zu niedrigen Preisen ist unser Geschäftsprinzip und ein Teil unseres Erfolgs. Wir produzieren in verschiedenen Ländern und teilen uns die Fabriken mit anderen Herstellern. Das heißt für alle gleiche Produktionsbedingungen und Herstellerpreise. Man muss also fragen, warum kosten die Kleidungsstücke bei anderen Marken mehr als bei uns. Es liegt an der unterschiedlichen Kalkulation. Wir geben kein Geld für Werbung und Marketing aus, unsere Marge ist sehr gering.
?Es gibt viel Kritik in der Öffentlichkeit an den Produktionsbedingungen in den Herstellerländern. Wie stehen Sie dazu?

!Das ist ein Punkt, zu dem ich gern und ausdrücklich etwas sagen möchte, weil es mir am Herzen liegt. Primark engagiert sich sehr in den Produktionsländern. Wir haben einen Verhaltenskodex, dem die Lieferanten zustimmen müssen. Er beinhaltet Arbeitsbedingungen, Gebäudesicherheit, Mitbestimmungsrechte, Pausenzeiten und gerechte Bezahlung der Näherinnen. Vor Ort wird von uns geprüft, ob die Lieferanten in der Lage sind, den Kodex zu erfüllen. 2014 gab es 2355 solcher Kontrollen. Wir können zurückverfolgen, wann und wo eine Textilie produziert wurde. Seit mehreren Jahren ist Primark Mitglied einer Organisation, in der neben 89 Fashion-Marken auch Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Händler vertreten sind. Die Mitglieder tauschen sich unter anderem über weltweite Produktionsstandards aus. Wir wünschen uns, dass sich unsere Kunden mit dem Thema auseinandersetzen.
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1 Kommentar
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Friedemann Grün aus Braunschweig - Innenstadt | 02.04.2015 | 16:59  
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