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„Wir brauchen mehr Hausärzte“

Jennifer Maria Albertshauser, Dr. Thomas Bartkiewicz und Marion Renneberg (v.l.) wollen dem Hausärztemangel entgegenwirken. Foto: Jörg Scheibe

Klinikum und Hausärzteverband wollen den Beruf des Allgemeinmediziners attraktiver machen.

Von Martina Jurk, 15.08.2015.

Braunschweig. Wer sechs Jahre lang Medizin studiert und dann noch fünf weitere Jahre die Facharztausbildung macht, will nicht unbedingt Hausarzt werden. Die Folge: Die Lücke in der hausärztlichen Versorgung wird immer größer. 2020 soll es laut Bundesärztekammer rund 7000 Hausärzte in Deutschland weniger geben. Ein Weiterbildungsverbund zwischen dem niedersächsischen Hausärzteverband und dem Klinikum Braunschweig, den es seit 2012 gibt, soll dem entgegensteuern. Jennifer Maria Albertshauser hat nun als erste Assistenzärztin ihre Weiterbildung im Klinikum begonnen.

„Es mangelt unter den jungen Kollegen an Interesse für die Allgemeinmedizin. Wir können es uns aber nicht mehr leisten, das zu beklagen. Wir müssen etwas tun“, sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums Dr. Thomas Bartkiewicz. Vorurteile gegen den Beruf des Allgemeinmediziners sieht Marion Renneberg, stellvertretende Vorsitzende des Braunschweiger Hausärzteverbands, als einen Grund an. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liege bei 53 Jahren. „Es geht darum, den Beruf attraktiver zu gestalten. Wir brauchen mehr Hausärzte“, so Renneberg.
Für Jennifer Maria Albertshauser ist die Verbundweiterbildung genau das, was sie gesucht hat. Die 26-Jährige wird für ein halbes Jahr in der Geriatrie arbeiten. „Für Hausärzte wird das Fachgebiet immer wichtiger, weil die Menschen immer älter werden. Ich bin toll ins Team aufgenommen worden“, sagt sie. Danach geht es für sie weiter nach einem festen, verbindlichen Rotationsplan. Die Facharztweiterbildung beinhaltet eine dreijährige Ausbildung im Krankenhaus und zwei Jahre in einer Arztpraxis.
Den Beruf attraktiver zu machen, heißt für den Ärztlichen Direktor, auch verlässliche Arbeitszeiten zu garantieren, Beruf und Familie in Einklang bringen, in Teilzeit arbeiten und Erziehungszeiten in Anspruch nehmen zu können. Viele hätten noch immer das Bild des Arztes in ländlichen Gegenden im Kopf, der 24 Stunden für seine Patienten in Bereitschaft war. „Das ist heute nicht mehr so“, meint Marion Renneberg.
Mussten sich früher die jungen Ärzte die Ausbildungsteile – verbunden mit Ortswechsel und Wartezeiten – selbst zusammensuchen, bietet der Verbund, in dem Kliniken und niedergelassene Hausärzte auf regionaler Ebene zusammenarbeiten, eine zügige und strukturierte Facharztweiterbildung an einem Ort und an einem Stück.
Das hofft Jennifer Maria Albertshauser auch für sich. Die aus München stammende Assistenzärztin sieht sich in fünf Jahren in einer Hausarztpraxis („eine eigene wird es wahrscheinlich nicht sein“) und möglichst mit Familie. Die Verbundweiterbildung sei deshalb das perfekte Modell für sie.
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1 Kommentar
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Horst Schmid aus Braunschweig - Innenstadt | 15.08.2015 | 16:13  
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