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„Wir bauen für jedes Stück ein Unikat“

Zu den Arbeiten in der Theaterwerkstatt gehört auch das Schweißen, das hier Gesellenvorarbeiter Hans Bösel übernimmt. Foto: Udo Starke
 
Schlossermeister Armin Zühlke . Foto: Udo Starke

Schlosser am Staatstheater: Schweißen, löten, fräsen für das perfekte Bühnenbild – „Parsifal“ als Herausforderung.

Von Udo Starke, 23.10.2013.

Braunschweig. Ob Tore, Geländer, Balkone, Treppen, Gitter, Fenster oder Stahlträgerkonstruktionen – das Arbeitsspektrum eines Schlossers ist riesig. Mit seinem Know-how kann er aber auch ausgefallene Wünsche realisieren – zum Beispiel wenn es sich um Kulissenbau im Staatstheater Braunschweig handelt.

Während die Darsteller verdienten Beifall einheimsen, wirken die Metallbearbeitungsexperten in ihrer Werkstatt im Hintergrund. Aber ohne sie wäre ein imposantes, ansprechendes und extraordinäres Bühnenbild wie bei „La Traviata“ oder aktuell bei Richard Wagners „Parsifal“ nicht denkbar. Wenn es um eine ansprechende Kulisse geht, wird geschweißt, gelötet, gedreht, gefräst und technisches Zeichnen verlangt.
Bei „La Traviata“ bauten die Fachleute des Staatstheaters beispielsweise die große Podesterie, ein drehbares Bett mit Antrieb oder einen versenkbaren Tisch. Beteiligt sind daran aber auch Tischler, Maler und Bühnenplastiker – alles geht Hand in Hand. Eingehalten werden muss dabei der Entwurf des Bühnenbildners.

Experte auf diesem Gebiet ist Armin Zühlke, der mit seinem Team seit elf Jahren hinter den Kulissen des Staatstheaters wirkt. „Ich habe damals auf der Meisterschule in Lüneburg als letzter Schlosser meinen Meister gebaut, denn den Traditionsberuf Schlosser gibt es seit 1989 nicht mehr. Heute beinhaltet alles der Metallbauer“, erinnert sich der 55-Jährige.
Er liebt seinen Beruf. „Es macht einfach Freude, etwas Einmaliges zu schaffen, denn jedes Bühnenbild ist anders und erfordert immer wieder neue Ideen. Wir bauen für jedes Stück Unikate. Für ‚La Traviata‘ haben wir zwei Monate gewerkelt“, ergänzt Zühlke, der zurzeit vier Auszubildende im Metallberuf anlernt.

Dass er sein Handwerk versteht, zeigen die besonderen Erfolge ehemaliger Auszubildender. „Neben zahlreichen Innungsbesten stellten wir 2003 mit Konrad Kudla sogar einmal eines Bundessieger“, erzählt er freudig. Auf gelungenen Projekte kann sich das „Schlosser-Team“ aber nicht ausruhen. Denn in der zehnmonatigen Spielzeit gebe es laut Zühlke rund 35 Inszenierungen, davon 25 Neuinszenierungen. Für 30 Premieren müsse man immer etwas Neues herstellen. „Vorab gibt es stets eine Bauprobe mit dem Bühnenbildner und Regisseur. Erst dann kommt es zur Werkstattübergabe“, erklärt der Experte, der von seinen Auszubildenden vor allem handwerkliches Geschick verlangt. Und auch menschlich müssen sie ins Team passen.
Als eine besondere Herausforderung bezeichnet der Schlossermeister auch die aktuelle Inszenierung der Oper „Parsifal“. „Das Bühnenbild ist sieben Meter hoch, 15 Meter lang. Es verändert sich durch Lichteinflüsse und Utensilien, die sich verschieben lassen“, verdeutlicht Zühlke.

nB-Serie
In ihrer neuen Serie stellt die nB nicht ganz alltägliche Ausbildungsberufe am Theater vor.
Derzeit gibt es am Staatstheater 14 Auszubildende, die in den Richtungen Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Metallbau, Maskenbildner, Bühnenmaler/-plastiker, Herrenschneider und Damenschneider ausgebildet werden. Einmal jährlich veranstaltet das Staatstheater einen Berufsinformationstag und einen Zukunftstag, bei denen Schüler die Gelegenheit haben, sich über die verschiedenen Abteilungen zu informieren. Außerdem werden Hospitationen und Praktika angeboten.
Infos: www.staatstheater-braunschweig.de .
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