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Wenn die Kinderwelt zusammenbricht

Gespräche, Nähe und Vertrauen: Verluste können besonders für Kinder und Jugendliche schwer belastend sein. Die Hospizvereine bieten Unterstützung für die ganze Familie. Foto: Getty

Kinderhospiztag: Fünf Vereine aus der Region bieten Unterstützung und praktische Hilfe für schwierige Lebensabschnitte.

Von Ingebirg Obi-Preuß, 11.02.2015.

Braunschweig. Tod, Krankheit, Unfall – schwere Schicksale können Familien auseinanderreißen und schwer belasten. Auch und vor allem Kinder leiden unter Verlusten. Zum Kinderhospiztag gehen jetzt fünf Vereine aus der Region gemeinsam an die Öffentlichkeit: Sie werben um Aufmerksamkeit, um Mithilfe, um Spenden – für Kinder, die sterben werden, und für die Kinder, die Verluste zu ertragen haben.

Blick auf die Familie

„Wir richten den Blick dabei immer auf die ganze Familie“, sagt Ulrich Kreutzberg, Geschäftsführer und Koordinator der Hospizarbeit Braunschweig.
Zurzeit leben rund 22 600 Kinder in Deutschland, denen eine verkürzte Lebenserwartung diagnostiziert wurde. 1500 von ihnen sterben jährlich an ihrer Krankheit. Stoffwechselerkrankungen oder nicht mehr behandelbare Krebserkrankungen gehören dazu. Eine intensive medizinische Betreuung durch die Eltern, Pflegedienste und im Krankenhaus ist oft notwendig. Hier kann die ambulante Kinderhospizarbeit wertvolle Hilfe bieten.

Aber auch dort, wo ein anderes Familienmitglied erkrankt oder stirbt, kommt die Hospizarbeit zum Tragen. „Wir betreuen seit fast einem Jahr einen dreizehnjährigen Jungen, dessen Mutter schwer erkrankte“, erzählt Kreutzberg. Die Frau hatte selbst angerufen und um Hilfe gebeten. „Kurz vor Weihnachten ist sie gestorben“, sagt Kreutzberg. Ein hartes Schicksal für den Jungen; immerhin – die Ansprechpartner der Hospizarbeit bleiben bei ihm.
„Wir begleiten jeden und wir begleiten auch über den Tod hinaus“, erklärt Vorstandssprecherin Roswitha Bender. Egal ob Messie oder Alkoholiker, egal welche Hautfarbe oder Religion – „wir sind für alle da“, betont sie den Hospizgedanken. Vier Stunden in der Woche kann ehrenamtliche Hilfe garantiert werden. Auf Jahre.

„Häufig werden wir angesprochen, wenn Kinder auffällig werden“, sagt Petra Scholz-Marxen, Koordinatorin für ambulante Kinderhospizarbeit in Wolfsburg. „Kinder trauern anders, manche verschwinden nach innen, andere werden aggressiv“, spricht sie von Trauerreaktionen. „Häufig ist es leichter, bei einem Trauerfall in der Familie mit einem Fremden zu reden.“

Schwierige Fragen

Lucas Weiß, Geschäftsführer der Hospizarbeit für die Region Wolfsburg, erzählt von einem kleinen Jungen, dessen Oma im Wolfsburger Hospiz gestorben war. Der Junge erlebte den Verlust der Großmutter, aber auch die eigenen Eltern in einer Ausnahmesituation. „Wir haben mit ihm allein gesprochen, ihm Ruhe gegeben, eine Trostkerze mit ihm angezündet“, erzählt Weiß.

Manchmal reichen einige Gespräche, häufig dauert es länger. Gruppen, die altersgerecht zusammengestellt und betreut werden, können eine Hilfe sein. „In so einer Gruppe machen die Kinder ganz viel unter sich klar“, erzählt Ulrike Hinrichs von der Hospizinitiative Salzgitter. „Außerdem bieten wir zeitgleich Gruppen für Kinder und Erwachsene an“, erklärt sie. Häufig würden Eltern sich darauf konzentrieren, ihre Kinder zu trösten und zu schützen. „Da frage ich dann schon mal: Und wo bleiben Sie dabei?“, erzählt Hinrichs. „Denn nur, wenn es den Eltern gutgeht, kann es auch den Kindern gutgehen“, ist sie überzeugt. Sie betont, dass auch Schulen und Kindergärten die Hospizarbeit in Anspruch nehmen können, beispielsweise, wenn ein Lehrer oder ein Schüler gestorben ist.

„Außerdem helfen wir, wenn Fragen auftauchen, die häufig nur schwer zu beantworten sind“, sagt Andrea Schmidt von der Hospizarbeit Wolfsburg. Beispielsweise, ob ein Kind mit zur Beerdigung eines Familienangehörigen gehen soll. „Wir raten meist dazu, das Kind mitzunehmen, allerdings braucht es eine Begleitung, besonders, wenn die Eltern oder ein Elternteil sehr stark trauern“, sagt Schmidt,

Mit dem Verbund der regionalen Vereine können jetzt eine starke und umfassende Unterstützung und auch ganz praktische Hilfe im Alltag angeboten werden. „Rufen Sie einfach einen Hospizverein in ihrer Nähe an“, macht Roswitha Bender Mut, Hilfe zu suchen. „Wir sind optimal vernetzt und können in der ganzen Region passende Angebote organisieren.“
Ehrenamtliche Mitarbeiter sind herzlich willkommen.

Fakten

Hospizarbeit Braunschweig, Bruchtorwall 9-11, E-Mail: info@hospizarbeit-braunschweig.de, Telefonnummer 1 64 77, www.hospizarbeit-braunschweig.de

Hospizarbeit Gifhorn, Steinweg 19a, 38518 Gifhorn
E-Mail: hospizarbeit-gifhorn@evlka.de, Telefonnummer 05371/94 26 18, www.hospizarbeit-gifhorn.de

Hospiz-Initiative-Salzgitter, Marienbruchstraße 77;
38226 Salzgitter, E-Mail:
info@hospiz-initiative-salzgitter.de, Telefonnummer 05341/4 69 93, www.hospiz-initiative-salzgitter.de

Hospizverein Wolfenbüttel, Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1
38302 Wolfenbüttel, E-Mail: info@hospizverein-wf.de, Telefonnummer 0171/6 22 66 06
www.hospizverein-wf.de

Hospizarbeit Region Wolfsburg, Eichendorfstraße 7-8, 38440 Wolfsburg, E-Mail: info@hospiz-wolfsburg.de, Telefonnummer 05361/6 00 92 90, www.hospiz-wolfsburg.de .

Geschichte

Am Anfang stand eine Handvoll betroffener Eltern. Inspiriert und ermutigt durch Besuche im weltweit ersten Kinderhospiz in Großbritannien, das im Jahr 1982 eröffnet worden war, kristallisierte sich das Ziel heraus, in Deutschland ein Kinderhospiz nach englischem Vorbild zu errichten.
Das Kinderhospiz, im Wortsinne verstanden als Herberge, sollte dabei nicht nur ein Ort für die letzte Lebensphase sein. Vielmehr ging es darum, für die Betroffenen ein ihrer Situation entsprechendes zweites Zuhause zu schaffen und den erkrankten Kindern und ihren Familien Begleitung auf ihrem extrem anstrengenden Lebensweg ab der Diagnose anzubieten. Zur Umsetzung dieses Ziels wurde der Deutsche Kinderhospizverein gegründet.
Es folgte im Jahr 1998 die Eröffnung des deutschlandweit ersten Kinderhospizes Balthasar in Olpe. Daneben wurde auch die ambulante Kinderhospizarbeit aufgebaut, die auch praktische Familienhilfe ist.
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