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Wegschauen ist keine Option

Sogar ein Abriss der 1965 gebauten Stadthalle wurde geprüft, die Sanierung ist aber günstiger. Foto: Nizar Fahem
 
„Wie in einem Technikmuseum“, hatte Erster Stadtrat Christian Geiger (l.) vor dem Rundgang angekündigt.
Oberbürgermeister schlägt Rat Sanierung der Stadthalle vor – Kosten: mehr als 58 Millionen Euro
Von Marion Korth, 17. November 2017.

Braunschweig. Die Waschbetonplatten an der Fassade mögen nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprechen, trotzdem: Die Stadthalle ist ein schönes Gebäude mit vielen inneren Werten. Und: Die Stadthalle, Baujahr 1965, ist ein altes Gebäude. Der Oberbürgermeister will nicht bis zum „Totalausfall ganzer Systeme“ warten. Nach eingehender Prüfung und mit Gutachterbegleitung schlägt er dem Rat eine umfassende Sanierung für rund 58,4 Millionen Euro vor.

Ein dicker Brocken, aber Wegschauen ist keine Option. Ebenso wenig ein Abriss, der ebenfalls in Erwägung gezogen worden ist. Ein Neubau ließe sich für schätzungsweise 69,5 Millionen Euro realisieren und sei damit elf Millionen Euro teurer als die Sanierung der gesamten Gebäudetechnik vom Abwasserrohr bis zur Datenleitung sowie der Fassade. Zudem sei trotz intensiver Suche kein besseres Grundstück gefunden worden als der bisherige Stadthallenstandort. Dort neu zu bauen, käme einem Verzicht auf zahlreiche Kulturveranstaltungen und Kongresse über mehrere Jahre gleich. Auch so wird bei einer umfangreichen Sanierung schon von einer Bauzeit von eineinhalb Jahren ausgegangen, in der die Stadthalle ab dem Frühjahr 2020 geschlossen wäre.
„Die Stadthalle ist klug geplant und gebaut worden“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth gestern bei der Pressekonferenz. Das Gebäude weise eine hohe Funktionalität auf. Darüber hinaus sei sie ein „Stück emotionaler Heimat“, ein Ort, der mit vielen Gefühlen und Erinnerungen der Menschen in Braunschweig verknüpft sei. Warum trotzdem Handlungsbedarf besteht, zeigte der Rundgang durchs Gebäude.

Im Bauch der Stadthalle

Von Marion Korth, 17. November 2017.

Neulich war ich auf Museumsbesuch in einem alten U-Boot, was ich jetzt erlebe, erinnert stark daran. Im Bauch der Stadthalle ist es warm und stickig. Ein Geruch nach Schmierfett und etwas Undefinierbarem. „Manchmal riecht es hier noch stärker, das sind die Abwasserrohre“, sagt Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthallenbetriebsgesellschaft. Das Heizungs- und Lüftungssystem wird pneumatisch gesteuert. „So etwas gibt es heute gar nicht mehr.“ Die Kollegen, die diese Anlage aus dem Bauch heraus steuern könnten, seien langsam alle verrentet. Metallene Rohre ziehen sich durchs Gebäude, in den Luftschächten rauscht es, in einem Nebenraum nehmen Schaltschränke Meter um Meter Wandfläche ein, eiserne Stellräder gehören zu den Ventilen der Fernwärmezuleitungen. Die Kabelschächte sind überfüllt, niemand weiß, welches Kabel hier zu welcher Anlage führt. Hinter den Waschbetonplatten an der Fassade ist nichts – keine Wärmedämmung, dazu zum Teil einfachverglaste Türen. 30 Prozent Energieeinsparung würde die Sanierung bringen, sagt Lemke.
Dass keine Missverständnisse aufkommen: Das Gebäude hat eine gute Substanz und ist top gepflegt, der Brandschutz genügt den gesetzlichen Vorgaben, (noch) funktioniert alles, (noch) fallen keine Fassadenteile von den Außenwänden. „Würden wir weiter zuwarten, dann besteht die Sorge, dass wir die Stadthalle ganz aus dem Betrieb nehmen müssen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth. Dem will er zuvorkommen und mit der Sanierung gleich den Blick in die Zukunft richten und der Stadthalle mit einer Neuordnung mehr räumlichen Spielraum für kleinere Veranstaltungen geben. Jetzt muss nur noch der Rat zustimmen …

TU-Modell

Die Sanierung kann und will die Stadtverwaltung nicht selbst angehen. „Ich könnte im Augenblick zwei Hochbauverwaltungen auslasten, habe aber nur eine“, sagte Erster Stadtrat Christian Geiger. Die Verwaltung präferiert nach umfangreicher Beratung von außen ein „erweitertes Totalunternehmer-Modell“ (TU-Modell), bei dem der Sanierungsauftrag von der Planung über Bau und Bauzeitfinanzierung sowie die Instandhaltung über insgesamt 22 Jahre an einen Auftragspartner geht. mak
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6 Kommentare
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Horst Schmid aus Braunschweig - Innenstadt | 18.11.2017 | 10:08  
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S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 20.11.2017 | 13:49  
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S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 20.11.2017 | 15:55  
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Horst Schmid aus Braunschweig - Innenstadt | 21.11.2017 | 12:19  
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S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 21.11.2017 | 15:51  
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Horst Schmid aus Braunschweig - Innenstadt | 21.11.2017 | 16:41  
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