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Wahrheit gesucht

Es gibt Widersprüche.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 09.01.2011

Braunschweig. Nach einem Unfall mit einem Streifenwagen der Polizei liegt ein 35-jähriger Mann noch immer mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Über den Unfallhergang gibt es unterschiedliche Aussagen. Mit einer Kundgebung forderten jetzt rund 90 Demonstranten Aufklärung.

Die Menschen, die sich am Unfallort vor dem Bahnhof versammelten und dann in die Innenstadt zogen, gaben sich betont friedfertig. „Wir wollen zusammenrücken, die Angehörigen des Opfers begleiten, Kraft schenken“, sagten Heiderose Wanzelius und Flore Bedelo als Organisatorinnen der Kundgebung. Aber es gebe unterschiedliche Sichtweisen zum Unfallhergang und Widersprüche. „Wir wollen sicher sein, dass alle Stimmen und alle Zeugen Gehör finden“, betonte Wanzelius.
Am frühen Sonntagmorgen vor Weihnachten hatte ein Kleinbus der Polizei auf der Straße vor dem Atriumcenter am Bahnhof gewendet (wir berichteten), um einen 35-jährigen Passanten zur Rede zu stellen.Der soll den Polizisten den gestreckten Mittelfinger gezeigt haben. Es kam zu einem Unfall, bei dem der 35-Jährige unter das Auto geriet und lebensgefährliche Verletzungen davontrug. Über den Ablauf des Geschehens gibt es widersprüchliche Angaben.
Am Freitag formulierten Demonstranten auf Transparenten und in Redebeiträgen ihre Kritik: Sie forderten, dass eine Dienststelle aus einer anderen Stadt die Ermittlungen übernimmt, sie kritisierten, dass den beteiligten Polizisten keine Blutprobe entnommen wurde, um einen Alkoholtest zu machen, und sie bemängelten, dass die beiden Beamten aus dem Streifenwagen nach dem Unfall weiterhin im Dienst geblieben sind.
Die zuständige Staatsanwältin, Birgit Seel, zeigt Verständnis für die besondere Empfindlichkeit bei der Familie und den Freunden des Opfers. „Ich verstehe die Ängste und die Sorgen, die Situation ist wirklich sehr schlimm“, betont sie. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, deshalb könne sie nicht viel sagen. Es gebe mehrere Zeugen, auch die Polizisten hätten inzwischen ihre Aussagen gemacht, die die Staatsanwältin aber noch nicht kommentieren möchte. Fest stünde im Moment nur, dass der Streifenwagen gewendet hat und dass es zu einem Zusammenprall mit dem Opfer gekommen ist. Über das wie – ob der Polizeiwagen gerast ist, oder ob er langsam gedreht hatte – gebe es unterschiedliche Aussagen. Sachverständige würden das prüfen.
Grundsätzlich handele es sich aber um ein Straßenverkehrsdelikt, deshalb habe es keinen Grund gegeben, die Beamten vom Dienst zu suspendieren. Auch ein Alkoholtest würde nur gemacht, wenn es Anzeichen auf Alkoholkonsum gäbe. Den habe es bei den Polizisten nicht gegeben, wohl aber bei dem Opfer, das von einer Weihnachtsfeier gekommen sei. Die Untersuchungen würden laufen, in zehn bis 14 Tagen könne sie mehr sagen.
Empörte Reaktionen gab es auf einen Flyer, mit dem die Demonstration beworben wurde: „1,2,3 ... die Polizei fährt dich zu Brei.“ Carsten Müller (CDU) sowie Manfred Pesditschek (SPD) sprachen von „übler Stimmungsmache“ in „abstoßender Weise“, von „Beleidigung“ und „Respektlosigkeit.“ Carsten Müller wirft der Bibs-Ratsfrau Heiderose Wanzelius Geschmacklosigkeit vor.
Organisatorin Flore Bedelo dagegen trug zur Demo den umstrittenen Slogan am Ärmel. Sie verteidigt die Formulierung. „Wir sind nicht geschmacklos und wir verhöhnen schon gar nicht das Opfer“, sagt sie, „geschmacklos ist, was hier gerade geschieht. Wir haben das Gefühl, dass keiner auf das Unglück reagiert, das verschwiegen und vertuscht werden soll.“
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