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„Vorurteile machen klein“

Wolfgang Krämer. Foto: T.A.

Wenn es Probleme gibt, fühlen sich alleinerziehende Väter und Mütter schnell stigmatisiert.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 16.05.2015. B

raunschweig. Vatertag/Muttertag – Blumen, Ausflüge, Familienfeste? Alleinerziehende „feiern“ anders.

„Ich konnte am Muttertag mit dem Fahrrad eine Tour machen“, erzählt Karla (Name geändert). Ihre beiden Kinder (10 und 15) haben ihr „Freistunden“ geschenkt. „Es war herrlich“, sagt Karla. Jetzt sitzt sie im Büro des Verbandes für alleinerziehende Mütter und Väter. Für die 40-Jährige ist der Alltag meistens ein Kampf. „Die Vorurteile lassen einen klein werden“ – dieser Satz von ihr hallt nach.

„Alleinerziehende sind zwar in der Gesellschaft akzeptiert“, erklärt Wolfgang Krämer, stellvertretender Verbandsvorsitzender, „aber nur, solange alles glatt läuft.“ Die gut verdienende Mutter mit der schicken Wohnung sei überall willkommen und anerkannt, „aber so wie das Geld knapp wird, oder es familiäre Probleme gibt, fallen die Türen zu“, weiß Krämer. Und zwar auf dem Wohnungsmarkt ebenso wie auf dem Arbeitsmarkt.

Wie bei Karla. Der Vater zahlt für die Kinder, aber mehr auch nicht. Die Großeltern sind gestorben, andere Verwandte leben nicht in der Nähe. „Ich bin allein. Und so fühle ich mich auch“, sagt die Mutter. Der zehnjährige Junge ist häufig krank, die Tochter (15) steckt mitten in der Pubertät. „Meine Kinder sind manchmal sauer auf mich, weil wir keine richtige Familie sind. Ich fühle mich häufig so, als hätte ich alles verkehrt gemacht“, sagt Karla. Sie ist froh, dass Wolfgang Krämer an diesem Morgen Zeit hat, Zeit für einen Kaffee, ein paar Kekse, ein Gespräch,

„Zu uns können die Menschen einfach reinkommen“, sagt Krämer. Ohne Termin, ohne Anmeldung. Das Ladengeschäft an der Kaiserstraße 31 ist klein und sehr einfach – aber es ist jemand da.

Krämer weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Beistand ist, er selbst stand 2001 mit seiner damals fünfjährigen Tochter allein da. „Ich habe mir von anderen Alleinerziehenden hier im Verband viel abgeguckt, habe zugehört, von ihnen gelernt“, erzählt er. Daraus konnte er eine Gelassenheit entwickeln, mit der er und seine Tochter ihr Leben „ruhig und liebevoll“ gestalten konnten. „Selbst in der Pubertät gab es bei uns kein Geschrei“, sagt er.

Wichtig für alleinerziehende Eltern sei, sich nicht in der Isolierung einzunisten. Eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen bietet der Verband vom 1. bis zum 7. August in Hankensbüttel. Das Seminar für Eltern und Kinder kostet für Mitglieder 100 Euro, für Nichtmitglieder 150. „Hier lernen die Alleinerziehenden vor allem, dass ihre Probleme normal sind, dass sie nicht allein damit sind.“ Anmeldung gern telefonisch unter 6 01 84 00.
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