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Von wegen Dornröschenschlaf – St. Vinzenz hat neuen Eigentümer

Constantin Uhde entwarf die Baupläne für die 1889/90 gebaute Villa mit maurischen Einflüssen. Ihre Fassade steht unter Denkmalschutz. Dieses Foto machte Klaus Nagel fast genau vor zwei Jahren von der Oker aus.
 
Die ehemaligen und die neuen Eigentümer des Krankenhauses St. Vinzenz, das nun eine Altenpflegeeinrichtung werden soll (v. l.): Unternehmensberater Klaus-Dieter Lübke-Naberhaus, Generaloberin Schwester M. Teresa Slaby, Volker Wagner ( Diakoniestationen Harz - Heide), Rüdiger Becker, Direktor der Stiftung Neuerkerode, Ulrich Zerreßen (Geschäftsführer Bethanien), Generalrätin Schwester Canisia Corleis und Reinhard Ebeling, Geschäftsführer Marienstift. Foto: Marion Korth

Stiftung Neuerkerode hat einstiges Krankenhaus gekauft und will es für die Altenpflege umbauen.

Von Marion Korth, 11. April 2017.

Braunschweig. Leere Zimmer, dunkle Flure. Das Krankenhaus St. Vinzenz, malerisch an der Oker und in der Innenstadt gelegen, stand nicht lange leer, kein Wunder bei diesem Schmuckstück. Gestern stellte die bisherige Eigentümerin, die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz in Hildesheim, die neue Eignerin vor. Die Stiftung Neuerkerode wird das Haus und den „christlichen Gedanken“ darin weitertragen, sagte Schwester M. Teresa Slaby. „Wir werden das Haus schwerpunktmäßig in der Altenpflege etablieren“, kündigte Pastor Rüdiger Becker, Direktor der Stiftung Neuerkerode, an. Es fehlt an Plätzen für die stationäre Betreuung, ebenso wie für die Kurzzeitpflege.

Über den Kaufpreis für das einstige katholische Krankenhaus haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.
Die Nachricht, dass das traditionsreiche Krankenhaus St. Vinzenz zum Jahresende 2016 schließen wird, hatte die Stadt Braunschweig völlig überraschend getroffen und auch unter Zugzwang gesetzt, um die Versorgungslücke schnell schließen zu können. Dieses Kapitel erklärt Schwester Slaby für geschlossen: „Wir haben verantwortlich gehandelt, indem wir das Krankenhaus geschlossen haben, und möchten nun nach vorn schauen.“ Sie freue sich, dass eine andere christliche Gesellschaft das Haus weiterführen wird. Interessenten hätte es durchaus etliche gegeben, darunter auch Investoren, die in dem geschichts-trächtigen Haus gern Eigentumswohnungen untergebracht hätten.
Für die Stiftung Neuerkerode, die als Holding unter ihrem Dach verschiedene Einrichtungen der Altenpflege als gemeinnützige Gesellschaften versammelt hat, ist das schöne Haus mit seiner traumhaften Lage ein Glücksgriff. Die Pläne für einen Anbau auf dem Gelände des Krankenhaus Marienstift können damit wieder zurück in die Schublade.
Der Bedarf an Plätzen für die Altenpflege steige kontinuierlich. „Wir werden den Anfragen nicht mehr gerecht“, sagte Ulrich Zerreßen (Geschäftsführer Bethanien). 20 bis 30 Anrufe jede Woche, aber alle 250 Plätze im Senioren-zentrum Bethanien seien belegt. Gleiches gelte für Angebote der Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt. An der Bismarckstraße sollen nun 100 stationäre Altenpflegebetten entstehen, außerdem 20 bis 30 Plätze in einer neuen Tagespflegeeinrichtung. Allein in der Pflege würden am neuen Standort 50 neue Arbeitsplätze entstehen. Den Schülern in der Alten- und Krankenpflegeschule sei ein Übernahmeangebot gemacht worden. Auch sonst hat Direktor Becker keine Bedenken, ausreichend Fachpersonal zu finden, da die Tarifverträge die Stiftung zu einem beliebten Arbeitgeber machen.
„Das Haus wird in einem hervorragenden Zustand übergeben“, betonte er. Mit mindestens fünf Millionen Euro Umbaukosten rechnet er dennoch. Derzeit arbeiten die Giesler Architekten an einem Entwurf dafür. Liege dieser vor, lasse sich Genaueres sagen. Ebenfalls geprüft werde, ob es wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist, Teilbereiche aus dem Krankenhaus Marienstift an die Bismarckstraße zu verlegen. Gedacht werde dabei beispielsweise an den HNO-Bereich, eine relativ kleine Abteilung, in der überwiegend ambulant operiert werde. Für diese Eingriffe seien die beiden vorhandenen Operationssäle ausreichend.
Bereits Mitte des Monats soll die Verwaltung der Diakoniestationen in das ehemalige Krankenhaus ziehen, Anfang des Jahres 2018 können nach vorsichtiger Vorausschau die ersten pflegebedürftigen Alten folgen.
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