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Von Mini-Kickern und Mikrokrediten

Familienbetrieb: Liebevoll bemalt Victoria Cardenas die Tischfußball-Figuren. Fotos: Patricio Crooker
 
Am Kickertisch: Franziska Dickschen (2.v.l.) neben Felix Cardenas.

Die Braunschweigerin Franziska Dickschen besuchte für eine Genossenschaftsbank die bolivianische Stadt Cochabamba.

Von Christoph Matthies, 18.06.2014.

Braunschweig. Ohne das Mikrofinanzwesen hätten wohl viele kleine Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern kaum eine Chance. Im Mai reiste eine Braunschweigerin nach Bolivien, um sich von der Wirksamkeit der Kleinkredite zu überzeugen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien findet ohne bolivianische Beteiligung statt – 1994 schickte das südamerikanische Land zum letzten Mal eine Mannschaft zur WM. Dass so mancher Bolivianer das Turnier am Kickertisch nachspielen wird, hat auch etwas mit der Erfolgsgeschichte von Felix Yucra Cardenas zu tun.

Sechs Betriebe besuchte Franziska Dickschen auf ihrer Reise nach Cochabamba, der viertgrößten Stadt des Andenstaates. Das Ziel der Expertin für Entwicklungshilfe und fairen Handel: Vor Ort zu überprüfen, ob und auf welche Weise Mikrokredite kleinen Betrieben tatsächlich helfen und damit geeignet sind, die Lebensumstände insgesamt zu verbessern. Bleibenden Eindruck hinterließ bei ihr die Werkstatt von Felix Cardenas. Der Handwerker hatte die Idee, seine fußballverrückten Landsleute mit handgefertigten Kickertischen zu versorgen. Von zunächst vier konnte der 58-Jährige seine Produktion auf 24 Tische pro Monat steigern – freilich nicht ohne die Hilfe seiner Frau Victoria und der mittlerweile vier Angestellten.

Dass Cardenas’ mutiger Ausflug ins Unternehmertum zu einem Erfolg wurde, dürfte nicht zuletzt auch mit der weltweit tätigen Genossenschaftsbank Oikocredit zu tun haben, die ihn unterstützte. Das Institut ist einer von vielen Mikrokredit-Anbietern, die besonders in Afrika, Südostasien und Südamerika Kleinunternehmer mit dringend benötigten Devisen versorgen. Zur Verfügung gestellt wird das Geld von Mitgliedern, vor allem Privatpersonen, die damit etwas Gutes tun wollen und sich dafür über eine durchschnittliche Rendite von zwei Prozent freuen können – in Zeiten von Minuszinsen gar nicht mal so übel.
„Wir finanzieren nicht jeden, sondern achten ganz stark darauf, dass soziale und ökologische Kriterien eingehalten werden“, erklärt Dickschen die Standards der Mikrokredit-Bank, die nicht nur mit Geld, sondern etwa auch mit Schulungen Hilfe leistet.

Die Braunschweigerin steht dem Oikocredit-Förderkreis Niedersachsen/Bremen vor, der derzeit mit über elf Millionen Euro von 1118 Mitgliedern kleine Betriebe in der ganzen Welt, vor allem in der Landwirtschaft, unterstützt. Im Postleitzahlbereich 38 sind derzeit rund 150 Privatpersonen investiert, die Zahl der Anleger steigt seit Jahren – und zwar nicht erst, seit der Ökonom Muhammad Yunus 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, wodurch die Existenz der Mikrokredite erstmals in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückte.

Felix Cardenas ist nur einer von vielen Tausend Kleinunternehmern und Bauern, die bisher auf Mikrokredite zurückgriffen. „Sein Traum ist es, vielleicht auch mal ein paar Kickertische nach Peru oder Brasilien zu exportieren“, erinnert sich Franziska Dickschen gern an den patenten Handwerker aus Cochabamba in Bolivien.

Mikrokredite
Das Mikrofinanzwesen ist ein umkämpftes und nicht unumstrittenes Spielfeld, auf dem auch große Banken munter mitmischen. Seit fast 40 Jahren sammelt die Genossenschaft Oikocredit Geld von Privatanlegern, um damit die (Land-)Wirtschaft in Entwicklungsländern anzukurbeln. In der Goslarschen Straße 93 leitet Franziska Dickschen den Förderkreis Niedersachsen. Mehr Infos per E-Mail unter niedersachsen-bremen@oikocredit.de .
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