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Von der Hausfrau zur Aktivistin

Erinnerten in einem ökumenischen Gottesdienst an die Reaktorkatastrophe von Fukushima: Yukimi Hagiwara und die evangelische Pröbstin Uta Hirschler. Fotos: Ammerpohl

Ein ökumenischer Gottesdienst erinnerte an Fukushima und Tschernobyl – Zeitzeugen erzählen.

Von Birgit Leute, 12.03.2014.

Braunschweig. Das Gesicht ist wie eingefroren. Yukimi Hagiwara, eine Japanerin aus Fukushima, scheint das Lachen vergangen zu sein. Anlässlich der Europäischen Aktionswochen zur Erinnerung an die Reaktorkatastrophen in Japan und der Ukraine war sie zu Besuch in Braunschweig.

„Seit dem Atomunfall vor drei Jahren ist in meinem Leben nichts mehr wie vorher“, sagt die zierliche kleine Frau schlicht. Bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Martinikirche erzählt die Mutter zweier Kinder, wie der Tsunami und die anschließende Explosion im Reaktor Fukushima den vertrauten Alltag mit einem Schlag hinwegfegten.
„Von Fukushima aus flüchteten wir zuerst nach Osaka, dann nach Kyoto“, erinnert sich Hagiwara. „Es gab eine Zeit da hatte ich Angst zu verhungern, denn in den Geschäften gab es bald nach der Katastrophe nichts mehr zu essen; das Gemüse auf den Feldern schien mir zu unsicher, niemand wusste schließlich, wie verstrahlt es war.“ Auch heute noch ist Hagiwara zutiefst misstrauisch, wenn es um Lebensmittel geht. Ihren Kindern hat sie untersagt, an der Schulspeisung teilzunehmen, akribisch prüft sie jeden Tag, woher Obst und Gemüse kommen. „Ich bin wütend darüber, dass uns die Verantwortlichen nie die ganze Wahrheit gesagt haben“, sagt Hagiwara.
Sie selbst hat die Konsequenzen gezogen: Aus der Hausfrau ist eine energische Anti-Atomkraft-Aktivistin geworden, die in Japan und jetzt, im Zuge der Aktionswochen des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes, auch in Europa von ihren Erfahrungen berichtet.
Begleitet wird sie von Zoja Kavalchuk und Jewgenia Filomenka – ebenfalls Mahnerinnen, allerdings aus der Ukraine. Die Frauen haben die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erlebt und noch heute – fast 30 Jahre später – ist der Super-GAU ein Thema. „Bei jeder Feier, bei jedem Treffen kommt das Gespräch am Ende auf Tschernobyl“, sagt Kavalchuk, die als Rettungsassistentin in der Sperrzone arbeitete und erlebte, wie ihr Fahrer mit 30 Jahren an Krebs erkrankte.
„Wir können nur allen Menschen, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, raten: Seit wachsam, und schlagt sofort Alarm, wenn euch etwas auffällt“, sagt Filomenka.
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