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Von Äsop bis Schäuble

Yanis Varoufakis. Foto: Imago

Der Ökonom und Politiker Yanis Varoufakis besuchte die Stadthalle.

Von Christoph Matthies, 15. April 2016.

Braunschweig. Vielleicht wäre es übertrieben, Yanis Varoufakis als einen „Popstar“ der politischen Linken zu bezeichnen. Der rappelvolle Kongresssaal der Stadthalle vermittelte am Dienstagabend aber schon einen Eindruck davon, wie populär der ehemalige griechische Finanzminister und renommierte Ökonom tatsächlich ist. Begleitet wurde er vom Linke-Politiker Dieter Dehm.

Eine große Bekanntheit jenseits wissenschaftlicher Kreise erlangte Varoufakis während seines nicht mal sechs Monate dauernden Intermezzos als Minister. Immer wieder geriet er dabei mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aneinander. Noch heute äußert Varoufakis seinen Respekt vor dem Deutschen. Und doch kritisiert er ihn hart: „Schäuble ist wie Doktor Frankenstein, der das Gute wollte und ein Monster erschaffen hat.“ Der deutsche Finanzminister habe recht, wenn er die europäische Zentralbank kritisiere, doch deren Vorgehen sei von ihm erst ermöglicht worden.

Varoufakis teilte gegen die EU und ihre Institutionen mächtig aus. Der Umgang mit den Flüchtlingen sei ebenso „skandalös“ wie der umstrittene Deal mit der Türkei. „In Brüssel hassen sie Demokratie“, sagte der charismatische Redner im Rückblick auf das griechische Referendum zu den Hilfspaketen im Jahr 2015, das von der EU damals abgelehnt wurde.

Varoufakis erklärte die Entstehung der Finanzkrise verständlich und machte mit Nachdruck deutlich, dass die Hilfspakete für Griechenland tatsächlich ein Rettungsprogramm für (deutsche) Banken gewesen seien. „91 Prozent des Geldes, dass Griechenland aus den Bail-outs erhalten sollte, ging in Wirklichkeit an die Banken“, erklärte der 55-Jährige.

Überhaupt wären die Rettungsprogramme eine absurde Idee gewesen. „Die größte Leihsumme in der Weltgeschichte wurde an den bankrottesten Staat Europas gegeben: How clever is that?“, fragte Varoufakis, der seinen Vortrag in leicht verständlichem Englisch hielt, mit beißender Ironie.

Der Ökonom kritisierte auch den Umgang von Politik und Medien mit dem griechischen Volk – und gab die Fabel des griechischen Dichters Äsop mit der fleißigen Ameise und dem faulen Grashüpfer zum Besten. „Dass alle Ameisen in Deutschland leben und alle Grashüpfer in Griechenland, ist eine sehr komische Idee“, befand Varoufakis, der auch für seine „paneuropäische Demokratiebewegung“ DiEM25 warb.
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