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Vom „Preußen Italiens“ über Umwege nach Braunschweig

Manuela Boccignone ist in Italien aufgewachsen und in Deutschland erwachsen geworden

Von Daniel Beutler

Braunschweig. Mit 19 Jahren kam Manuela Boccignone das erste Mal nach Deutschland, und es gefiel der heute 35 Jahre alten Italienerin auf Anhieb gut: „bunt und sauber“, die „logische, aber schwere Sprache“ und „hübsche Kellner“ prägten den ersten Eindruck.

In der Wohnung von Boccignone geht es multikulturell zu. Die Italienerin ist mit einem Inder verheiratet, und ihr bald zwei Jahre alter Sohn Dev wird dreisprachig erzogen. Von der Mutter hört er nur Italienisch, vom Vater Englisch und bei der Tagesmutter lernt er Deutsch.
Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Die sympathische Italienerin ist in Montemagno aufgewachsen. Das 1000-Seelen-Dorf liegt in der nordwestlichen Region Piemont, dem „Preußen Italiens“, wie sie mit einem Lachen erklärt. Ihren ersten Kontakt mit Deutschland hatte sie bereits mit 19 Jahren. Mit vier Mitschülern gewann Boccignone 1991 einen Aufsatz-Wettbewerb und erhielt als Preis für die Arbeit über die Besatzung ihrer Heimatstadt während des Zweiten Weltkrieges eine Reise nach Deutschland. Auf dem Programm standen zwar auch Besuche in ehemaligen Konzentrationslagern, doch der jungen Mutter sind die positiven Aspekte in Erinnerung geblieben. „Es war alles so schön bunt und sauber. Als wir in der ehemaligen DDR waren, fiel mir zwar die Kluft zwischen Ost und West auf, aber die Kellner im Osten waren alle sehr hübsch“, erinnert sie sich.
Diese Eindrücke sollten fünf Jahre später den Ausschlag geben, dass das fünfte von sieben Kindern erneut nach Deutschland kam. „Ich wollte viel reisen, weil das bei einer Familie mit sieben Kindern nicht oft vorkommt“, berichtet Boccignone. Es standen Frankreich, England und Deutschland zur Wahl, um kurz vor dem Abschluss ihres Studiums der Literaturwissenschaften ein Auslandssemester einzulegen. Und Deutschland machte das Rennen, eben wegen der guten Erinnerungen und der „logischen, aber schwierigen Sprache, die mir auf Anhieb gefallen hatte“, resümiert die Lehrerin.
Nach dem Abschluss des Studiums wurde es dann endgültig. „Ich hatte Freunde in Tübingen besucht und war einfach nur fasziniert von der Stadt. Da habe ich mich entschlossen, dort zu bleiben und habe angefangen, katholische Theologie zu studieren“, berichtet Boccignone. Von Tübingen aus ging es weiter nach Kiel, wo sie ihre Promotion in Literaturwissenschaften ablegte und den besten Grund fand, langfristig in Deutschland zu bleiben: die Liebe. Im hohen Norden lernte sie ihren Mann kennen, den sie 2004 heiratete, allerdings ohne typischen deutschen Vorlauf, wie sie erklärt. „Ich habe gemerkt, der Hochzeitsantrag ist eine deutsche Eigenart. Wir haben da sachlich drüber gesprochen, es für gut befunden und dann getan“, sagt Boccignone. Zwei Tage nach der Hochzeit ging es mit ihrem Mann dann nach Braunschweig, wo er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Braunschweig antrat.
Zwei Jahre später kam ihr Sohn zur Welt, und seitdem gefällt es Boccignone noch besser in der Löwenstadt. „Ich schätze die Stadt jetzt noch mehr. Besonders die vielen Parks und die richtige Größe der Stadt“, erklärt sie. Mittlerweile fühlt die Italienerin sich auch in Braunschweig zu Hause. „Ich habe hier meine Familie, Freunde und Arbeit und kann mir gut vorstellen, noch lange hier zu bleiben. Ich sehe es immer so: In Italien bin ich aufgewachsen und in Deutschland erwachsen geworden“, fasst Manuela Boccignone zusammen.
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