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Vom Bett der Kinder direkt auf die Bühne

Ingolf Lück im nB-Gespräch – Am 13. April ist der Comedy-Star mit seinem neuen Programm „Zurück zu Lück“ in der Brunsviga

31.03.2010

Braunschweig. Er ist einer der vielseitigsten deutschen Comedians. Am Dienstag (13. April) um 20 Uhr ist Ingolf Lück mit seinem neuen Programm „Zurück zu Lück“ in der Brunsviga zu Gast. nB-Mitarbeiter André Pause hat sich mit ihm unterhalten.

?Herr Lück, Sie waren im September hier, jetzt im April schon wieder. Guter Output.

!Ja, ich erinnere mich. Mein neues Programm „Zurück zu Lück“ habe ich auch mit Thomas Lienenlüke geschrieben, dem Chefautor vom Satiregipfel. Von daher ist der Output ein wenig geteilt. Der andere Autor ist Paulus Vennebusch. Mit beiden habe ich zusammengesessen und ihnen mein Leben erzählt. Angefangen vom emanzipatorischen Kinderzirkus über die Drogenkarriere, die es nicht gab, bis zur Wochenshow. Aber auch über die Familie und Lebenssituationen. Dabei ist jetzt dieses Programm herausgekommen. Eine sehr exklusive Mischung aus toll recherchierten Geschichten mit platten Gags (lacht).


?Sie stellen sich im Programm wichtigen Fragen, zum Beispiel dieser: Wie bleibe ich der coole Typ, der ich mit 20 war, und stehe trotzdem dazu, dass ich 19 Milupa-Sorten unterscheiden kann? Ich habe zwar keine Kinder, wäre aber gerne noch mal so cool wie mit 20, wie schaffen Sie das?

!Das sind wahrscheinlich schon die ersten Midlife-Crisis-Ambitionen, die dann kommen. Nein, aber ich schaffe es ja eben nicht. Und ich stelle mich auf die Bühne in all der Verzweiflung, das nicht hinzubekommen. Die Lebenssituation ist ja auch nicht mehr cool, wenn man Kinder hat. Früher habe ich in Köln gewohnt: Spitzenlage, jede Menge Kneipen, Kinos, alles was man braucht. Dann wurden wir Eltern und sind ins Grüne gezogen. Ich wohne jetzt in einem Vorort, eigentlich einem Vorvorort von Köln. Da wohnen nur perfekte Familien, saubere Kinder, super Mütter, super Väter. Und dazwischen unsere Familie mit dem etwas chaotischen Vater. Das macht es natürlich schwierig, das alte Leben beizubehalten.

?Hat sich auch Ihre Arbeitsweise durch Ihre Kinder geändert?

!Man muss ja überhaupt erstmal dazu kommen, eine Arbeitsweise zu entwickeln. Manchmal habe ich die Kinder ins Bett gebracht und bin dann zum Auftritt gefahren. Aber versuchen Sie mal, zwei Kinder von vier und sechs um 15 Uhr ins Bett zu kriegen. Da kann man sagen: Es ist noch hell, aber der Mond hat sich nur verkleidet. Und ich muss jetzt raus, das Geld für eure neue Playstation verdienen. Das ist schwer unter einen Hut zu bringen.

?In Ihren letzten Programmen stand allein der Mann im Mittelpunkt. Jetzt geht es um Familie. Wie passt das mit „Zurück zu Lück“ zusammen? Es ist ja zeitlich gesehen eher ein Schritt nach vorne.

!Ja, gut (zögert)… Vielleicht nennen wir es noch um (lacht). Wir haben es einfach „Zurück zu Lück“ genannt. Da ist vieles drin: Wo ist der alte Lück, wo ist der neue Lück. Jeder kann dann selbst…(überlegt). Meinen Sie, das ist der falsche Titel?


?„Zurück zu Lück“ war ja auch der Running-Gag in der Wochenshow. Manche Künstler stört es, immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden.

!Ich weiß nicht, ob das jedem so bewusst ist, dass der Claim aus der Wochenshow ist. Ich werde da gerne drauf angesprochen, wie auf andere Sachen auch. Es gibt ja unterschiedliche Menschen, die mit Lück auch unterschiedliche Dinge verbinden. Das ist doch eigentlich ganz schön. Ich bin auch niemand, der sich kaputtlacht und sagt: Guck mal, wie habe ich da in den Achtzigern ausgesehen, was habe ich da für eine Hose an, was habe ich da für einen Haarschnitt. In der Zeit war das für mich völlig in Ordnung.

?Sie haben im komischen Fach ja so ziemlich alles gemacht. Haben Sie irgendwelche persönlichen Vorlieben entwickelt?

!Es kommt immer auf das Projekt an. Gewisse Dinge eignen sich für das Fernsehen. Und dann gibt es Dinge, die sind Theater pur und würden im Fernsehen komplett verlieren. Wobei alles, was mich interessiert und von dem ich glaube, dass es transparent genug ist, dass die Leute sich darüber kaputtlachen können, auf den Tisch kommen kann. Wofür ich das mache, ist für mich letztlich nicht so entscheidend. „Zurück zu Lück“ werden wir für das Fernsehen machen, das wissen wir jetzt schon.

?Hat ein alter Hase wie Sie wirklich noch Lampenfieber?

!Absolut, und wie! Also, wenn ich kein Lampenfieber mehr hätte, dann würde ich einen anderen Beruf ergreifen. Das gehört einfach dazu, damit alle Energie und alle Aufmerksamkeit gebündelt werden. Gott sei dank ist es auf der Bühne ja vorbei. Aber ich bin absolut nervös, jetzt schon. Man träumt die Sachen immer durch, man ändert die, man geht durch das Hotelzimmer und spielt die Szenen. Das ist total spannend: Es gibt Gags, da könnte man darauf wetten, dass die Leute flach liegen. Und wenn man es dann spielt, lacht kein Mensch. Dafür entdecken die Zuschauer andere Stellen, die man vorher selbst gar nicht gesehen hat. Da gibt es immer wieder Überraschungen.

?Hat Ihnen das Improvisieren bei Ihren letzten Projekten gefehlt?

!Ich will nicht sagen, dass mir das gefehlt hat, aber ich habe jetzt dieses Stück gemacht, wo alles möglich ist: das Publikum einzubeziehen, ganz andere Sachen einzuschieben oder über die Stadt zu sprechen, in der man gerade ist. Es gibt ganz viele Improvisationsmöglichkeiten, aber auch ein festes Programm. Es ist also nicht so, dass ich einfach nur auf die Bühne komme und drauflos erzähle (lacht).

?Verbinden Sie denn irgendetwas mit Braunschweig, beispielsweise das großartige Publikum?

!Genau das (lacht)! Ich habe in Braunschweig schon viel gespielt. In erster Linie verbindet mich mit Braunschweig aber, dass ich immer wieder in Büros auf der ganzen Welt Leute treffe, die hinter sich ein großes Poster von Eintracht Braunschweig hängen haben. Die Menschen sind offenbar sehr mit Heimat und Verein verbunden. Das finde ich immer so bedeutsam.
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