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Vollsperrung kostet Kunden

Wilhelmstraße: Geschäftsmann in Sorge.

Von Marion Korth, 15.02.2012

Braunschweig. „Am Donnerstag wird komplett gesperrt.“ Volker Hofmann ist kaufmännischer Leiter von BS Print, das Geschäft liegt an der Wilhelmstraße. Der Blick durchs Fenster fällt auf Baucontainer. Hofmann macht sich Sorgen, wenn er an die Zukunft denkt.

Drei Jahre lang hatte er eine andere Großbaustelle gleich in der Nachbarschaft: Die Fallersleber Straße mit ihrer berühmten Brücke, die nicht fertig werden wollte. „Wir waren drei Jahre vom kompletten Unibereich abgeschnitten, wir leben von der Laufkundschaft“, sagt Hofmann. Die Umsatzeinbußen während dieser Zeit beziffert er mit 30 Prozent. Geld aus dem Baustellenfonds der Stadt hat er damals nicht erhalten, weil er kein direkter Anlieger ist. Das Arbeitsamt hat den vier Mitarbeitern schließlich für 18 Monate Kurzarbeitergeld zugestanden. Das war die Rettung. „Diese Zeit haben wir mit einem blauen Auge überlebt, aber jetzt kommt der nächste Hammer“, sagt Hofmann. Die Vollsperrung der Wilhelmstraße im nördlichen Abschnitt beginnt am Donnerstag, sofern es nicht wieder deutlich kälter wird oder starker Regen fällt, der Markierungsarbeiten unmöglich macht. Die Grundstücke bleiben für Anlieger und Kunden durchgängig erreichbar, betont die Stadt. Geschäftsmann Volker Hofmann bemängelt allerdings „die abenteuerliche Umleitungsstrecke“.
Die Gebäude auf der östlichen Straßenseite können nur über Schöppenstedter und Neue Knochenhauerstraße angefahren werden. Die Zufahrt zu den Häusern auf der westlichen Seite wird über Wendenstraße und Bockstwete ermöglicht. Die direkte Einfahrt in die Wilhelmstraße ist gesperrt. An dieser Stelle darf Hofmann in Absprache mit der Stadt einen Hinweis für BS Print anbringen. „26 Zentimeter mal ein Meter – das ist eigentlich viel zu klein“, meint der kaufmännische Leiter des Druckunternehmens in der Wilhelmstraße 29. Das eigentliche Schild sei größer, hält die Stadt dagegen, allerdings seien darauf – gut sichtbar – Hinweise auf mehrere Geschäfte untergebracht. Das Schild könne nicht unbegrenzt groß sein, müsse schließlich noch in den Straßenverkehr passen. Heinz Leuer, Leiter des Fachbereiches Tiefbau und Verkehr, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft: „Wir nehmen die geschilderten Probleme ernst und werden ein weiteres Mal auf den Gewerbetreibenden zugehen, der sich an die nB gewandt hat.“ Ein Aufschub der Sanierungsarbeiten kommt für die Stadt nicht in Frage. Bereits 2009 war festgestellt worden, dass sich die mehr als 100 Jahre alten Kanäle in schlimmeren Zustand befinden als angenommen. Es bestehe die Gefahr, dass der Kanal jederzeit einbrechen könnte. In diesem Fall würde eine „Hauptschlagader der Innenstadtentwässerung“ versagen, Überflutungen bei stärkeren Niederschlägen und Gebäudeschäden wären unweigerlich die Folge. „Ein Kanaleinbruch wäre für alle Betroffenen, vor allem auch die Anlieger ungleich belastender gewesen. Wir haben darüber frühzeitig informiert, und ich bin zuversichtlich, dass durch das gewählte Vorgehen die Unannehmlichkeiten für die Anlieger so gering wie möglich gehalten werden“, sagte Leuer.
Hofmann ist sachlich, aber die Zukunftsangst bleibt. „Ich sehe die Gefahr, dass wir schließen müssen“, sagt er. Vier Mitarbeiter seien in Vollzeit in dem Betrieb beschäftigt. „Ich werde jetzt Kontakt mit dem Arbeitsamt aufnehmen“, sagt er. Ob noch einmal Unterstützung in Form von Kurzarbeitergeld kommen wird, sei jedoch mehr als ungewiss. Geschäftsleute in der Wilhelmstraße haben auch keine Aussicht auf Mittel aus dem Baustellenfonds. „Zahlungen aus dem Fonds sind nur bei Baustellen möglich, die länger als ein Jahr dauern und mindestens drei Monate Verzögerung haben. Die Bauarbeiten Wilhelmstraße haben in diesem Jahr begonnen, die Straße soll noch in diesem Jahr wieder für den Verkehr freigegeben werden“, erläutert der Pressesprecher der Stadt, Adrian Foitzik.
Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund 4,4 Millionen Euro (3,5 Millionen für die Kanäle).

Sperrung: Die Vollsperrung der Wilhelmstraße für den Durchgangsverkehr im Abschnitt zwischen der Fallersleber Straße und der Wendenstraße gilt ab Donnerstagnachmittag. Die auf der Wilhelmstraße stadtauswärts fahrenden Verkehrsteilnehmer werden auf Höhe der Fallersleber Straße über zwei Linksabbiegespuren in Richtung Hagenmarkt und über einen separaten Rechtsabbieger in Richtung Hagenring umgeleitet.
Umleitungsstrecken für den Anliegerverkehr (siehe Grafik) sind großräumig ausgeschildert. Ein Linksabbiegen von der Fallersleber Straße in die Neue Knochenhauer Straße ist aufgrund des Straßenbahnverkehrs nicht möglich. Wegen der bereits verlegten Heberleitungen, über die – falls es stark regnet – Niederschläge abgeleitet werden sollen, kann die Wilhelmstraße nicht gequert werden.
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