Anzeige

Viele Mängel, viele Ausreden

Polizei kontrolliert verstärkt Räder und Radfahrer – Nicht nur am Vehrkehrssicherheitstag.

Von Marion Korth, 17.06.2012.


Braunschweig. Der gestrige Tag dürfte ziemlich vielen Radfahrern schlecht in Erinnerung bleiben. Zehn Euro kostete der „Denkzettel“ für kaputtes Licht oder defekte Bremsen, die Polizei verteilte reichlich davon.

„Wir haben 233 Fahrräder kontrolliert und 154 Verstöße festgestellt, ziemlich viel“, zog Polizeioberkommissar Henry Kolan am späten Nachmittag Bilanz. Für ihn und seine Kollegen ist das eher Ansporn, nicht lockerzulassen. „Die meisten sehen ja auch ein, dass das keine moderne Wegelagerei ist, sondern es um die eigene Sicherheit geht“, sagt er. Auch sonst stand der Verkehrssicherheitstag ganz im Zeichen der Radfahrer.

„Schön finde ich das jetzt nicht“, sagt Bianca. Die 28-Jährige ist auf Höhe der Okerbrücke an der Celler Straße der Polizei direkt in die Arme gefahren. Das kostet jetzt.


Das elektrische Vorderlicht ihres Rades funktioniert nicht, keine Batterie drin, aber selbst mit Batterie müssten die Polizisten überlegen, ob sie jetzt ein Auge zudrücken, denn: „Alle Fahrräder, die mehr als elf Kilo wiegen, müssen über eine Beleuchtungsanlage mit Dynamo verfügen“, erläutert Polizeioberkommissar Jörg Marktscheffel. Für Bianca bedeutet das jetzt, dass sie zehn Euro blechen und sich jemanden suchen muss, der ihr einen Dynamo einbaut. Die Polizisten verteilen Informationsblätter, auf denen steht, was ein verkehrssicheres Fahrrad sonst noch ausmacht.
Die Beleuchtung wird immer wieder Anlass für Beanstandungen. „Die Lampe liegt zu Hause, aber es ist helllichter Tag, so würde ich nachts doch nicht fahren?“, sagt ein junger Mann. Eine junge Frau zupft entnervt an den Dynamokabeln ihres Rades, ohne sichtbaren Erfolg. „Vorführeffekt, gestern hat noch alles funktioniert“, sagt sie wütend. Die Polizisten bleiben freundlich, aber ungerührt, solche Ausreden haben sie schon oft gehört. Die beiden Radfahrer werden zur Kasse gebeten.
Ein älterer Herr äußert Verständnis für die Kontrollen. „Man muss sich nicht wundern, dass so viele Unfälle passieren, wenn man sieht, wie viele so fahren“, sagt er nachdenklich. Bettina Herzig benutzt für Wege in der Stadt oft das Rad, auch sie beobachtet häufig, dass Radfahrer auf der falschen Seite unterwegs seien, am besten noch mit „Knopf im Ohr“.
Das Fahren auf der falschen Seite ist, nach Mängeln an der Fahrradtechnik, der häufigste Grund, warum die Polizisten energisch werden. „Das kostet 15 Euro. Aber wir müssen hier ein bisschen Grund ’reinbringen und Verstöße konsequent ahnden, sonst ändert sich nichts“, sagt Henry Kolan, Leiter der „Verfügungseinheit Verkehr“, die speziell für die Kontrollen (nicht nur der Radfahrer) eingesetzt wird. Der Schwerpunkt hat sich auf die Radfahrer verlagert, nachdem 2011 die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, deutlich gestiegen ist (von 581 auf 749).
Erst am Freitag ist wieder ein Radfahrer auf der Helmstedter Straße unter ein Auto geraten – auch er sei auf der verkehrten Seite unterwegs gewesen, wurde zum Glück aber nicht so schwer verletzt. Gestern Vormittag stürzten zwei Radfahrer, nachdem ein 17-Jähriger einem 30-Jährigen beim Überholen wegen zu geringen Abstands in die Quere gekommen war. Der ältere Fahrer kam mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.