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Viele Fragen, aber keine Lösung

Bürger in Sorge: Expertenhearing zu strahlenden Abfällen in Thune stieß auf riesige Resonanz.

Von Marion Korth, 29.01.2012

Braunschweig. Trommeln, Sambarhythmen. Ein volles Parkdeck, Fackeln und Protestplakate: Das Expertenhearing „Risiken bei der Verarbeitung strahlender Abfallstoffe in der Nähe von Wohngebieten“ hatte den Norden Braunschweigs auf die Beine gebracht. Weit mehr als 1000 Zuhörer kamen in die Stadthalle.

Sperrig wie der Arbeitstitel der von der Stadt auf Ratsbeschluss hin organisierten Veranstaltung ist der gesamte Themenkomplex. Der Bauantrag der Firma Eckert & Ziegler in Thune, die auf ihrem Gelände eine neue Halle bauen will, liegt vorläufig auf Eis, aber die Menschen sind beunruhigt. „Wir sehen eindeutig die Gefahr, dass Braunschweig zur Drehscheibe für Atommüll wird“, betonte Dr. Thomas Huk für die Bürgerinitiative Strahlenschutz (Biss). Die Zusammensetzung des Expertenpodiums passte der Bürgerinitiative nicht – nicht ausgewogen, so der Vorwurf –, einen Augenblick schien die Stimmung im Saal kippen zu wollen, aber dann versuchten alle Beteiligten, das Beste aus der Situation zu machen. Weitgehend sachlich, nur gelegentlich von Zwischenrufen unterbrochen, gaben die Fachleute vom Gewerbeaufsichtsamt, von der Baubehörde, vom Bundesamt für Strahlenschutz, vom Landesgesundheitsamt ihre Statements ab und stellten die Bürger ihre Fragen. Der Austausch war schon drei Stunden im Gang, da sagte eine Zuhörerin, was wohl viele dachten: „Als Bürgerin bin ich jetzt nicht schlauer geworden.“ Was fehle, sei eine wirklich unabhängige und glaubhafte Bewertung der weit entgegengesetzten Meinungen, um die Aussagen einordnen und sich selbst ein Bild machen zu können.
Immer wieder klang die Frage nach der Glaubwürdigkeit an, danach, ob die Bürger sich verlassen dürfen. Zum Beispiel, wenn Firmenchef Dr. Andreas Eckert versichert, dass der neue Hallenbau die Sicherheit von Beschäftigten und Anwohnern erhöhe, dass es nicht um Erweiterung, sondern um Modernisierung geht, dass sein Unternehmen keine Massen an radioaktiven Stoffen habe und auch nicht haben werde. Kurzum: Dass es für die „Angstkampagne inklusive Kindern und Luftballons“ keinen Grund gebe. Auch nicht dafür, „zu Lasten eines der besten und fähigsten Betriebe am Baurecht zu drehen“. Immerhin sagte Eckert zu, die Inventarliste der radioaktiven Stoffe in dem Betrieb der Bürgerinitiative offenlegen zu wollen unter der Voraussetzung, dass seine kaufmännischen Interessen gewahrt werden und die Liste nicht weiter veröffentlicht wird.
Glauben müssen die Bürger auch den Ausführungen von Andreas Aplowski, Leiter des Gewerbeaufsichtsamts, dass die Überprüfung des Betriebes nach Recht und Gesetz erfolge, zudem eine freiwillige zusätzliche Überwachung stattfinde.
Am 28. Februar muss der Rat auf sicherer Rechtsgrundlage entscheiden, wie er zu den Bauplänen des Unternehmens steht. Eine Bürgerfrage steht bis dahin im Raum: „Warum sollte man so etwas überhaupt in einem Vorort bauen? Wer denkt sich solchen Quatsch aus?“
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