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Urteil im Mordprozess verzögert sich

Nach Beweisantrag der Verteidigung soll ein Facharzt erneut die Todesumstände überprüfen.

Von Marc Wichert, 15.08.2012.

Braunschweig. Der Prozess gegen den 33-jährigen Mann, der wegen Mordes vor Gericht steht, wurde auf den 17. September vertagt.

Der Anwalt des Angeklagten, der im Februar erst in Hannover und einen Tag später in Braunschweig zwei Frauen mit einer Axt überfallen haben soll, hat am fünften Verhandlungstag einen Beweisantrag gestellt, dem das Gericht stattgegeben hat. Der Verteidiger beantragte die Untersuchung der Patientenakte der Verstorbenen durch einen Lungenfacharzt. Es sei denkbar, dass die 53-jährige Braunschweigerin wegen eines Behandlungsfehlers am 1. Juni gestorben sei.
Rechtsanwalt Michael Hoppe ist damit auf das Gutachten des Rechtsmediziners Dr. Hagemeier eingegangen, der die Patientenakte ausgewertet und die wesentlichen Punkte in der vergangenen Woche vor Gericht erläutert hatte. Danach erkrankte das Opfer kurz vor ihrem Tod an einer schweren Bronchitis, wogegen sie Antibiotika bekommen hatte. Die Medikamente seien nach sechs Tagen abgesetzt, Blutuntersuchungen in dieser Zeit wenige vorgenommen worden. „Es wäre schön gewesen, wenn es mehr Laboruntersuchungen gegeben hätte“, sagte der Rechtsmediziner damals.
Die Patientin sei bei ihrer Verlegung zwar in einem schlechten, aber dennoch stabilen Zustand gewesen, sagte der Arzt – unter Verweis darauf, kein Fachmann für Lungenkrankheiten zu sein. Damit genauer abgeschätzt werden könne, ob und wie die Patientin hätte weiterbehandelt werden müssen, sei die Meinung eines Pneumologen möglicherweise sinnvoll.
Nun, bei der Verhandlung am Montag, ging der Verteidiger in seinem Antrag auf diese Punkte ein. Laboruntersuchungen hätten wegen der Bronchitis „engmaschiger“ sein müssen, alle zwei, maximal drei Tage. Somit wäre die Bronchitis weiter medikamentös – und erfolgreich wie schon einige Male zuvor – behandelt worden. Er berief sich dabei ebenfalls auf die Obduktionsergebnisse, nach denen die Patientin an einer Bronchitis gestorben sei. Der behandelnde Arzt in der Spezialklinik hatte jedoch von einem stabilen Zustand gesprochen, als sie in ein Pflegeheim verlegt worden war. In der Akte war vermerkt: „Alle Maßnahmen sind ausgeschöpft.“
Der Verteidiger begründete seinen Beweisantrag mit der Möglichkeit, dass bei entsprechenden Ergebnissen eine neue Kausalkette möglich sei. Zwar sei der Axthieb seines Mandanten Ursache des Todes gewesen, aber „bei ordnungsgemäßer Behandlung wäre die Patientin nicht gestorben“, sagte Hoppe. Nicht nur der Straftatbestand wäre betroffen, sondern auch die weiteren Umstände, die zum Tod geführt haben.
Die 9. Kammer des Landgerichts unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Polomski gab dem Antrag schließlich wegen der Schwere der Tatvorwürfe statt. Zudem habe das Gericht selber nicht die nötige Sachkunde, um zu beurteilen, ob eine fachärztliche Untersuchung relevant wäre.
Der nächste ordentliche Termin ist der 17. September: Dann wird das Gutachten erwartet, bevor die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten werden. Einen Tag später soll das Urteil gefällt werden.
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