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Unterwegs in sozialer Mission

Marius Blümel ist Entwicklungshelfer im südafrikanischen Township Lavender Hill.

Von Martina Jurk, 09.01.2011

Braunschweig. Marius Blümel ist ganz und gar nicht in geheimer Mission unterwegs. Der aus Braunschweig stammende Entwicklungshelfer macht seine Arbeit in Südafrika öffentlich – um etwas zu bewegen, dort und hier.

Etwas abgehetzt kommt er mit seiner ganzen Familie in der Evangelisch-reformierten Gemeinde am Wendentorwall an. Gleich kommen Besucher, um von dem 40-Jährigen etwas über die „Nachwehen“ der Fußball-Weltmeisterschaft und die derzeitige politische Situation am Kap der guten Hoffnung zu erfahren.
Als er als Schüler und Student die ersten Male Südafrika besuchte, herrschte dort noch die Apartheid. Weil er sich in der katholischen Kirche engagiert hatte, wurde er zu diesen Reisen ermutigt. Es ging schon damals um soziale Projekte. Seitdem steckt er mittendrin. „Ich war so begeistert von dem Land“, schwärmt Blümel. So sehr, dass er ein Praktikum im Zentrum für Sozial- und Gemeinwesenarbeit „New World Foundation“ begann. Dann war er in Ostafrika unterwegs, kam aber wieder nach Südafrika zurück – als Freiwilliger und „eigenfinanziert“, wie er sagt.
Blümel dachte darüber nach, am Kap zu arbeiten, reiste schließlich 2004 aus Deutschland aus und ging als Entwicklungshelfer für den Evangelischen Entwicklungsdienst (eed) in das Township Lavender Hill, 25 Kilometer südlich von Kapstadt in den Cape Flats angesiedelt – flache, sandige Landabschnitte, die sich weit außerhalb um Kapstadt herum erstrecken. „Hier lebten zu Apartheid-Zeiten ausschließlich Farbige“, weiß Marius Blümel.
Sechs Jahre lang konzipierte der Diplom-Pädagoge Programme für und mit Jugendlichen, so zum Beispiel Fußballprogramme für Grundschulen. „New World Foundation“ versucht an allen Ecken aufzubauen, was noch nie vorhanden war: mit Sozialberatung, Drogenberatung und -rehabilitation, Computerprogrammen, Traumabetreuung den Kindern und Jugendlichen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. In einem Businesspark für Kleingewerbe gibt es Trainingskurse und eine Grundausbildung. „Das ist Basisarbeit ganz unten an der Grasnarbe“, meint Blümel. 160 Kinder werden in „New World Foundation“ betreut, an manchen Tagen kommen bis zu 400. „Das Wichtigste ist, ihnen ein Selbstwertgefühl zu geben. Sie sollen irgendwann aus sich selbst heraus Veränderungen in den Townships herbeiführen.“
Für Marius Blümel ist Fußball eine gute Möglichkeit der Sozialarbeit in den Townships. „Dort schlummert ein Wahnsinns-Potenzial an Nachwuchssportlern“, ist Blümel überzeugt. Die Fifa habe Geld gegeben für die Jugendarbeit, „aber die Frage ist, was davon ganz unten ankommt“.
Für das Land sei die WM auf jeden Fall positiv gewesen, um sich und die Menschen darzustellen. „Von Nachhaltigkeit kann allerdings keine Rede sein“, meint der Entwicklungshelfer. Für weitere drei Jahre engagiert er sich nun in der „New World Foundation“, dieses Mal über das Nordelbische Missionszentrum.
Seit vier Jahren ist Marius Blümel mit der Kapstädterin Colleen verheiratet. Wo sie und die Kinder Dylan (14) und Luca Hannah (viereinhalb Monate) später einmal leben werden, steht in den Sternen. Blümel wandelt zwischen den Kontinenten.
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