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Unglücksflug nach Palermo

Braunschweiger erlebten Beinahe-Crashs

Von Martina Jurk, 04.11.2009

Braunschweig. Robert Bitter (Name von der Redaktion geändert) steigt momentan ungern in ein Flugzeug. Nur knapp entging er einem Crash.

Der 67-jährige Braunschweiger, seine Frau und 58 weitere Passagiere erlebten auf dem Flug von Berlin nach Palermo gleich drei kritische Situationen. Die italienische Luftsicherheitsbehörde spricht inzwischen von einem „schweren Zwischenfall“ und hat eine Untersuchung angeordnet. „In Fachkreisen wird vermutet, dass das Verschwinden der Air-France-Maschine im Atlantik im Juni ähnliche Ursachen hat“, sagt Bitter. Dem Braunschweiger Physiker scheint es im Fall seines Windjet-Fluges so, als ob versucht worden sei, den Zwischenfall „aus den Medien herauszuhalten“. Die Öffentlichkeit sollte aber über Gefahren unterrichtet sein, meint er. Passagiere sollten sich vor der Buchung eines Fluges über die Fluggesellschaften und deren Sicherheitsstandards informieren“, meint Robert Bitter. Beim Flug mit einem A 319 der viertgrößten italienischen Fluggesellschaft Windjet Anfang Oktober hat es drei kritische Momente gegeben. Kurz vor Palermo hat der Blitz in die rechte Triebwerksaufhängung eingeschlagen. „Die Brennstoffleitung hätte sich entzünden oder das Triebwerk hätte abfallen können“, meint Bitter. Bei der Landung hatte das Flugzeug eine überhöhte Geschwindigkeit. Der Versuch durchzustarten missglückte aufgrund von Fallwinden. Und dann schließlich beschädigten Hagelkörner mit einem Durchmesser von zehn bis 20 Zentimetern Durchmesser die Nase und Triebwerkturbine der Maschine. Für all das hat Bitter Belege, Fotos und Kommentare. „Als Physiker schaue ich sowieso etwas genauer auf Details. In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass alles noch viel gefährlicher war als wir Passagiere das mitbekommen haben“, so Bitter. Die italienische Luftsicherheitsbehörde nennt das „Aircraft dammaged from head to tail“ (beschädigt vom Kopf bis zum Schwanz). Robert Bitter und die anderen Passagiere fragen sich im Nachhinein, wie lange die Maschine noch hätte fliegen können. Laut Aussage eines Lufthansa-Piloten würden solche „Incidents“ (Zwischenfälle) weltweit mehrmals im Monat passieren, von denen die Öffentlichkeit kaum etwas erfahre. Robert Bitter steht mit anderen Passagieren noch Wochen nach dem „Horrorflug“ in Kontakt und sucht nach Antworten auf seine Fragen.
Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) mit Sitz in Braunschweig kann die Verunsicherung der Passagiere nachvollziehen und empfiehlt, sich bei Störungen generell bei dem entsprechenden Luftfahrtunternehmen zu erkundigen und zu informieren. „Eigentlich sollte der Flugkapitän die Passagiere entweder noch während des Fluges oder hinterher über Zwischenfälle in Kenntnis setzen“, sagt LBA-Pressesprecherin Cornelia Cramer. Wenn das in diesem konkreten Fall nicht geschehen sei – aus welchen Gründen auch immer – müsse das italienische Unternehmen auf Nachfrage Auskunft erteilen. „Jeder Passagier hat jederzeit ein Anrecht darauf zu erfahren, wer das ausführende Luftfahrtunternehmen ist. Selbst bei einem Wechsel kurz vor dem Start muss er am Gate darüber informiert werden und kann im Zweifelsfall das Mitfliegen verweigern“, so Cramer.
Allerdings, so die Pressesprecherin, könnten nicht alle Daten über schwere Störungen und Unfälle öffentlich gemacht werden. Wer Zugang zu diesen Daten habe, sei gesetzlich geregelt. Auf den Internetseiten sowohl der LBA als auch der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) können Unfälle, Störungen und sicherheitsrelevante Ereignisse gemeldet werden. Eine Liste unsicherer Fluggesellschaften mit Flugverbot in der EU ist ebenfalls dort zu finden. Doch bei allen Vorkehrungen sei eines klar, „eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben“, betont Cornelia Cramer.
Vor dem nächsten Flug schaut sich Robert Bitter zukünftig die Unfallstatistik der Fluggesellschaften an. Dabei hat er einen Zusammenhang zwischen der Größe der Luftfahrtunternehmen und der Fehlerhäufigkeit erkannt. So veröffentlichte das Magazin für Zivilluftfahrt, „Aero International“, eine Übersicht des Hamburger Unfalluntersuchungsbüros JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Center) bis zum Jahr 2008. Daraus gehe hervor, dass die großen Fluggesellschaften der Welt, aber auch die sogenannten Billigflieger, sicherer denn je seien, schrieb das Magazin „Der Spiegel“. „Aber auch das schließt nicht aus, dass Unfälle und Fehler passieren können“, gibt Cornelia Cramer zu bedenken.
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