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UN kürzt Hilfe für Flüchtlinge

Die Winterkälte macht vor den Zeltstädten nicht Halt. Fotos: Khaled Kado/privat/oh
 
Zwei Mädchen im Lager, noch eher sommerlich gekleidet.

Kleiner Verein schickt Kleidung in den Nordirak.

Von Marion Korth, 03.12.2014.

Braunschweig. Als wäre die Situation nicht schlimm genug, wurde am Montag bekannt, dass die UN ihre Hilfe für Flüchtlinge aus Syrien kürzen muss.

Der Grund: Etliche Nationen sind ihren Geldzusagen nicht nachgekommen. Leidtragende sind die Menschen, die in den Nachbarländern Zuflucht gesucht haben. Schon vor zwei Wochen hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen Alarm geschlagen, weil eine Finanzierungslücke von 58 Millionen Euro die Winterhilfe für die Vertriebenen in Syrien und im Irak ins Stocken bringt.
Ein kleiner Verein versucht gegen das Leid anzukämpfen und hat nun den zweiten Hilfstransporter in den Nordirak geschickt.

Das Ziel ist ein trostloser Ort – Xaneke, ein Flüchtlingslager im Nordirak. Aber die mit Winterkleidung vollgestopften Kartons an Bord des Lastwagens sollen ein kleines Zeichen der Hoffnung sein. So jedenfalls wünscht es sich Manal Kado. Die 24-jährige Jesidin bangt mit den Menschen, die vor dem islamischen Terror flüchten und will ihnen helfen. Am Wochenende hat sie mit Unterstützung ihrer Familie und Freunden erneut einen Lkw beladen, am Montag hat die zehntägige Reise in den Nordirak begonnen. Die Temperaturen dort sind wie hier – eisig. „Und die Flüchtlinge leben in Zelten“, sagt die junge Frau, die mit 14 aus Syrien nach Deutschland kam. Mehr Erklärung braucht es nicht, um zu verstehen, warum sie damit begonnen hat, Jacken, Hosen, Schuhe zu sammeln. „Geld hat vielleicht nicht jeder übrig“, sagt die Friseurmeisterin aus Goslar. Aber ausgesonderte Kleidung.

Manal Kado ist Jesidin und gehört damit einer religiösen Minderheit an, deren Vertreter von der IS in den von Kurden besiedelten Gebieten aktuell vor allem im Irak als „Ungläubige“ verfolgt werden. Auch ihr Cousin in Syrien hätte vor dem Krieg und der IS fliehen müssen. „Aber das war etwas anderes, gegen Geld haben sie ihn gehenlassen.“ Ein Gemetzel habe es dort zumindest damals nicht gegeben.

Wie schrecklich sind dagegen die Nachrichten, die sie jetzt aus dem Nordirak hört. „Die Frauen werden versklavt und verkauft, die Männer geköpft und gekreuzigt. Ich finde keinen Ausdruck dafür, wie furchtbar das ist.“ Früher hat sie für Kinder in Afrika gespendet, aber das genügte nicht mehr.

Immer wieder die gleichen schlimmen Bilder aus den Flüchtlingslagern und die Frage, was mit den vielen Spendengeldern passiert. „Ich wollte das selbst in die Hand nehmen, um sicherzustellen, dass die Hilfe ankommt“, erzählt sie. Kontakte wurden geknüpft, auch zu Hilfsorganisationen, um in einem der Lkw die Kleiderspenden in den Nordirak zu bringen. Doch vergeblich, ihre Unterstützung sei willkommen, aber in Form von Geld- nicht von Sachspenden. Acht Mitstreiter, junge Jesiden im Alter zwischen 20 und 28 Jahren, haben deshalb einen eigenen Verein gegründet: „Jugend humanitärer Hilfe“, heißt er und ist, so Manal Kado, seit dem 1. Oktober eingetragen und die Gemeinnützigkeit anerkannt (Registernummer VR 201286).

Mit dem Verkauf selbstgebackener Kuchen, eigenen Mitteln und der 3000-Euro-Spende einer Frau, die anonym bleiben und der Manal Kado auf diesem Weg danken möchte, gelang es, die 4500 Euro Kosten aufzubringen und den ersten Transport zu finanzieren. Vorher kam die Fahrt zum Zoll, um die Ladung prüfen und verplomben zu lassen. In der Türkei gab es trotzdem Probleme, ein Kontrollgerät schlug Alarm. „Wegen Schuhen mit Metallkappen“, berichtet Manal Kado.

Ihr Bruder Khaled (28) hatte sich Urlaub genommen und auf eigene Kosten den Transport begleitet und vor Ort über die Verteilung der Hilfsgüter gewacht. Seine Schwester: „Er kam zurück als anderer Mensch.“ Er sah kleine Kinder, die ihre Eltern verloren haben, lernte drei Schwestern kennen, die der Sklaverei der IS zwar entkommen, zuvor aber durch die Hölle gegangen waren. „Die brauchen in den Lagern Hilfe, jemand muss sich um all diese traumatisierten Kinder und Frauen kümmern“, sagt Manal Kado.

Persönlich sei sie immer gegen direkte Waffenlieferungen an die Kurden gewesen, will sich auch jetzt nicht politisch äußern. „Aber viele Jesiden sind noch in den Bergen, die brauchen mehr Hilfe“, sagt sie.

Der Verein wird weiter sammeln: Kleidung, dicke Matratzen, Unterstützung für medizinisches Verbrauchsmaterial und wärmende Zelte. Der noch junge Verein sucht zudem nach einem trockenen Lagerraum in Braunschweig. Der Platz, den Manal Kados Eltern in Goslar im Haus und auf dem Grundstück zur Verfügung gestellt hatten, reicht nicht aus.

Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich an Manal Kado beziehungsweise ihren Bruder wenden, Telefon 0171/4 46 28 70 oder 0176/84 36 66 35.
Spendenkonto JhH e. V., IBAN DE 19 2505 0000 0152 0375 52, BIC NOLADE2HXXX, Braunschweigische Landessparkasse.
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