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Über Monate misshandelt

Schülerin verschleppt und vergewaltigt – Angeklagter hat gestanden.

Braunschweig (jen), 19.09.2010.

Mit einem Schuldspruch ist ein Prozess um die mehrmonatige Misshandlung einer 16-Jährigen zu Ende gegangen. Das Landgericht Braunschweig verurteilte den Angeklagten zu vier Jahren und zehn Monaten Jugendhaft wegen Vergewaltigung und schwerer Freiheitsberaubung.

Der Beschuldigte hatte das Opfer 2007 kennen gelernt. Der heute 23-Jährige verschleppte die Schülerin aus ihrem Wohnort in der Eifel nach Bad Harzburg. Dort hielt er sie in der Wohnung seiner Eltern fest und zwang sie zu sexuellen Handlungen. Erst nach drei Monaten konnte sich die inzwischen schwangere Schülerin befreien. Ihr Kind ließ sie kurz darauf abtreiben.
Die aus dem Kosovo stammende Familie des Angeklagten war nicht eingeschritten. Sie gehört einer ethnischen Minderheit an, nach deren Traditionen der junge Mann und das Mädchen als verheiratet galten. Der für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich strenge Familienverbund war auch der Grund dafür, dass der Beschuldigte nicht nach Erwachsenenrecht verurteilt wurde. Der Mann sei zur Tatzeit zwar fast 21 Jahre alt gewesen, habe sich aber „nicht völlig selbstständig entwickeln können“, meinte der Vorsitzende Richter Manfred Teiwes.
Seit Mai hatten die Richter 43 Zeugen vernommen. Der 23-Jährige schwieg zu den Tatvorwürfen. Das änderte sich überraschend, nachdem die Rechtsanwältin Gabriele Rieke zusätzlich zu ihrem mit dem Fall befassten Kollegen Lorenz Hünnemeyer als zweite Verteidigerin in die Verhandlung eingestiegen war. Ihr Mandant stelle sich der Anklage nicht mehr entgegen, erklärte sie knapp und sorgte damit für einen schnellen Abschluss des Verfahrens.

Dass der heute 23-Jährige Angeklagte plötzlich nicht mehr zu den Vorwürfen schwieg, hatte den Prozess jetzt zu einem überraschend schnellen Ende geführt, aber: „Auch ohne das Geständnis wären wir zu einer Verurteilung gekommen“, sagte Richter Teiwes. Das Opfer sei vor Gericht „sehr glaubwürdig“ gewesen, sagte er zur Begründung.
Dennoch sei wichtig gewesen, dass der Beschuldigte die Taten eingeräumt habe. Dadurch sei klar, dass die Vorwürfe der heute 19-Jährigen zuträfen. Teiwes betonte, dass die Erlebnisse das Opfer psychisch schwer belasteten: „Sie leidet daran mehr als der Angeklagte unter seiner Strafe.“
Der Beschuldigte nahm das Urteil an. Für ihn ist der Prozess damit abgeschlossen.
Einige Zeugen werden aber noch an ihren Auftritt vor Gericht erinnert. Sie hatten in der Verhandlung nämlich die Angaben des Opfers bestritten. Das wird Folgen haben: „Da dürfen sechs bis acht Leute mit Verfahren wegen Falschaussagen rechnen“, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe.
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