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Triumphzug für Angela Merkel

Begeisterung für die Kanzlerin beim Deutschlandtag der Jungen Union in der Stadthalle.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23.10.2011

Braunschweig. Cool, lässig und entspannt: Zwischen Staatsbesuchen, Eurogipfel und Flughafenausbau sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern beim Deutschlandtag der Jungen Union in Braunschweig.

Gerade noch war sie auf Staatsbesuch in Vietnam und der Mongolei, Freitag eröffnete sie mit der Landung ihres Flugzeuges die neue Landebahn Nordwest des Flughafens Frankfurt/Main, am heutigen Sonntag nimmt sie am Europäischen Rat und am Eurozonen-Gipfel in Brüssel teil.
Dazwischen Braunschweig. Und es fühlte sich kein bisschen „dazwischen“ an. Angela Merkel wirkte gelassen, ausgeruht, sehr konzentriert. Sie nahm sich Zeit für ihre Rede und Zeit zur Beantwortung von Fragen der 317 Delegierten und rund 600 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet.
Rhetorisch erstklassig, ohne abzulesen, ohne einen einzigen Versprecher, ohne Ähms und Ähs, sprach die „mächtigste Frau der Welt“ über Europa, die Schuldenkrise, den Euro und vor allem über den Weg in die Zukunft. Auch die Folgen des demografischen Wandels – das Leitthema des Deutschlandtages der Jungen Union (JU) – baute sie in ihre Argumentationskette ein. Am Ende gab es minutenlangen Applaus, Blumen und begeisterte Dankesworte statt der noch am Vortag angekündigten Kritik. „Wir stehen entschlossen hinter dir“, versprach JU-Chef Philipp Mißfelder, denn jetzt sei nicht die Zeit für Diskussionen.“
Drei Tage lang treffen sich die Delegierten der Jungen Union an diesem Wochenende in der Stadthalle. Der politische Nachwuchs wollte auch Kritik an der Führung formulieren; mit einer regelrechten Charmeoffensive aber scharrte die Kanzlerin die Basis hinter sich. Sie kam so überzeugend und gelassen rüber, ihr Vortrag war fehlerfrei, perfekt inszeniert und schlüssig – allem Gerede über Führungsschwäche setzte sie einen starken Auftritt entgegen.
Inhaltlich verteidigte sie das Euro-Krisenmanagement der Bundesregierung und forderte härtere Sanktionen gegen überschuldete Staaten. „Das Leben auf Pump ist vorbei“, sagte Merkel. Wenn ein Land über Jahre den Stabilitäts- und Wachstumspakt verletze, müsse auch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof möglich sein.
Gleichzeitig warnte die Kanzlerin vor einem Ausschluss Griechenlands. „Es kann dann jeden Tag ein neues Land geben, das austritt“, erklärte sie. Es werde für Griechenland eine besondere Lösung geben müssen, bei der auch die privaten Gläubiger ihren Beitrag zahlen müssten. Das allerdings komme einer Enteignung gleich. Wenn das in anderen Ländern auch passieren würde, hätte das eine fatale Außenwirkung, denn Anleger an den internationalen Märkten würden feststellen: im Euroraum kann man sein Geld verlieren. Das wäre ein Vertrauensverlust, den es zu verhindern gelte. „Deshalb brauchen wir die Rettungsschirme“, erklärte Merkel. Angesichts der demografischen Entwicklung gebe es zu Europa keine Alternative, denn „alleine wird es keiner schaffen“, sagte sie mit Blick auf wachsende Volkswirtschaften in Südamerika und China.
Bereits am Freitagabend hatte Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann die 317 Delegierten und zahlreichen Gäste begrüßt. Die Junge Union und ihr Deutschlandtag passten auch deshalb so gut nach Braunschweig, weil der „bürgerlich-konservative“ Kurs der JU auch seit zehn Jahren der richtige Kurs für Braunschweig sei. Und dieser Kurs bedeute vor allem Solidität, sagte Hoffmann.
Ebenfalls bereits am Freitag hatte JU-Chef Philipp Mißfelder angekündigt, dass der Nachwuchs nicht mit Kritik am Eurokrisenmanagement der Kanzlerin sparen werde. Das war gestern allerdings vergessen. „Die ganze Welt schaut auf unsere Bundeskanzlerin“, sagte Mißfelder, „jetzt ist es eine Minute vor 12, da können wir uns keine Diskussionen mehr leisten.“
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