Anzeige

Test für die grüne grüne Welle

Feierabendverkehr auf dem Altewiekring. Flexible Ampelschaltungen sollen den Verkehrszufluss begrenzen und damit das Fahren in der grünen Welle ermöglichen. Das Ziel: besserer Verkehrsfluss und weniger Schadstoffe. Foto: T.A.

Saubere Luft: Braunschweig erprobt umweltorientiertes Verkehrsmanagement.

Von Marion Korth, 22. Mai 2015

Braunschweig. Von dicker Luft kann in Braunschweig nicht wirklich die Rede sein. Die Werte für Feinstaub überschreiten an 3 bis 15 Tagen die Grenzwertgrenze (35 sind erlaubt), die für Stickoxide an bis zu sechs Tagen. Mit einer komplett neuen Verkehrsregelungstechnik soll die Luft noch besser werden. Am Dienstag beginnt die Testphase.

„Das ist ein superspannender Test mit einer superspannenden Technik“, sagt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Große Städte wie Stuttgart und München interessieren sich dafür, in Potsdam läuft das System bereits in abgespeckter Form. Nun also auch auf dem östlichen Ring. Ein besserer Verkehrsfluss – weniger Stoppen und Anfahren – bedeutet weniger Abgase. In Spitzenzeiten sollen flexible Ampelschaltungen den zufließenden Verkehr im Süden am Berliner Platz und im Norden am Hagenring begrenzen und dafür sorgen, dass die Fahrzeugdichte sich auf dem Ring so reduziert, dass der komplette Bereich praktisch in einem Zug durchfahren werden kann. Eine grüne grüne Welle also, die den Umweltgedanken ins normale Verkehrsmanagement bringt. „Die Schaltungen und Verzögerungen bewegen sich im Bereich von fünf bis zehn Sekunden“, sagt Ralf Krenkel, Geschäftsführer der Bellis GmbH. Das dürfte kaum auffallen. Niemand müsse minutenlang oder gar mehrere Ampeldurchläufe warten, bis er Grün bekommt oder schlimmstenfalls schon vorher bei Rot über die Straße geht.
Mit den ersten Überlegungen für eine Umweltzone kam die Idee für ein flexibles System auf, das nur dann regelnd eingreift, wenn die Schadstoffbelastung tatsächlich steigt. In den Jahren danach hat die Bellis GmbH mit ihren Partnern aus der Wirtschaft (BLIC GmbH, IVU Umwelt GmbH und WVI GmbH) das System für rund 2,7 Millionen Euro (rund 45 Prozent kommen von Bund und Land) entwickelt und geht nun im Auftrag der Stadt in die Erprobungsphase.
Es ist ein kompliziertes System, das Daten über Verkehrsaufkommen, -zusammensetzung, Windrichtung, Wolkenbedeckung rechnerisch zu einer Verkehrsprognose und damit zu erwarteten Schadstoffwerten zusammenfasst und entsprechende Schaltungen veranlasst. Damit kann schon eingegriffen werden, bevor sich Schadstoffwerte der kritischen Grenze nähern. Im Realbetrieb soll das alles ganz automatisch im Hintergrund laufen, in der Testphase wird jedoch ein Mitarbeiter unabhängig von irgendwelchen Schadstoffwerten an der Anlage schalten und walten. Dies deshalb, weil in den rund vier Wochen Testphase die kritischen Werte nie oder zu selten erreicht würden, um ausreichend Praxiserfahrungen sammeln zu können.
„Acht Prozent Schadstoffminimierung sind drin“, sagt Krenkel. Ein gutes Polster, um für neue, strengere EU-Vorgaben oder warme Luftschichten, die Braunschweig einen Deckel aufsetzen, gewappnet zu sein. „In den vergangenen Jahren hatten wir eher günstige Wetterlagen, aber das kann sich ändern“, sagt Klaus Benscheidt, Fachbereichsleiter für Tiefbau und Verkehr. Mehr Handlungsfähigkeit verspricht er sich von dem neuen System.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.