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Täter spielen falsches Spiel

Kontaktbörse Internet: Falsche Identitäten.

Von Marion Korth, 03.11.2010.

Braunschweig. Gestern hat ein Gedenkgottesdienst für die 23 Jahre alte Melanie aus Peine stattgefunden. Die junge Frau ist erstochen worden. Ein 27-Jähriger hat die Tat gestanden, sie hatte ihn in einem Forum im Internet kennengelernt.

Der Mann hatte sich als Frau ausgegeben und sich dann zu einem Treffen mit ihr verabredet.
Ende August ist ein 33 Jahre alter Braunschweiger zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich in einem Internet-Chat das Vertrauen einer Zwölfjährigen erschlichen. Er hatte angegeben, erst 18 Jahre alt zu sein und hatte das Mädchen später unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt und mehrfach vergewaltigt.
In beiden Fällen hatten die Täter mit verdeckten Karten gespielt und ihre Opfer in die Falle gelockt. „Das Internet ist eine hervorragende Plattform, um Menschen kennenzulernen, auch welche, die weit entfernt leben. Aber die Anonymität birgt auch eine latente Gefahr, weil nicht klar ist, mit wem ich da zusammenkomme“, sagt Wolfgang Klages von der Braunschweiger Polizei. Er rät zur Vorsicht. Der Internetbetrug ist die Kriminalitätsform mit den größten Steigerungsraten. Aber die Internetkriminalität hat viele Gesichter. Der sorglose Umgang mit persönlichen Informationen in den sozialen Netzwerken birgt ebenfalls Gefahren. „Im Internet spreche ich ganz viele Menschen an“, sagt Wolfgang Klages, Pressesprecher der Polizei. Das sei der große Unterschied zur klassischen Brieffreundschaft mit nur einem festen Adressaten. In ihrer Vorbeugungsarbeit geht es der Polizei in erster Linie um den Schutz von Kindern. Die Offenheit, mit der Kinder und Jugendliche im Netz mitunter ihre Tagesabläufe, Gedanken, Wünsche und Träume schildern, sei das Problem. „Das ist ein gefundenes Fressen für Psychopathen“, meint Pressesprecher Wolfgang Klages. Mit diesen „Hintergrundinformationen“ sei es ein Leichtes, sich auf sein Gegenüber einzustellen, ihm förmlich aus der Seele zu sprechen. „Diese Menschen nehmen den Faden auf, stricken ihn weiter, bis das Opfer denkt „der hat genau meine Wellenlänge’“, erläutert er. Der Rat an Eltern lautet deshalb, das Medienverhalten der Kinder genau anzugucken. Das bedeutet auch, sich mit der Technik vertraut zu machen, sich dafür zu interessieren, mit wem die Kinder sich austauschen. Täter würden den persönlichen Kontakt suchen. Eine Wesensveränderung, plötzliche Geheimniskrämerei, sollte die Eltern wachsam machen.
„Die Interneteinträge dürfen kein Tagebuch werden“, sagt Klages. Aber auch Informationen wie Handynummer, Privatadresse oder Arbeitgeber würden nicht ins Internet gehören. Die Täter würden meistens auf das reagieren, was im Netz von einer Person dargestellt wird. Die Anonymität ist ihr Schutz. Für Erwachsene gilt, diese schnell zu durchbrechen. „Dafür kann man sich wie früher einfach in einem Café treffen“, sagt Klages. Auf keinen Fall jedoch in einer privaten Wohnung oder an einem abgelegenen Ort. Jeder sollte sich vor dem Chat im Internet grundsätzlich genau überlegen, was er von sich preisgibt. Und sich zu überlegen, ob der persönliche Kontakt überhaupt erwünscht ist.
Eltern finden Vorbeugungshinweise für den sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Internet sowie zum Thema Medienkompetenz unter www.polizei-beratung.de
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