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„Suchen Wunschoma, bieten Enkel“

Sind inzwischen zu einer Familie zusammengewachsen: Stefanie Marx (2.v.l.) mit Ehemann Yannick F. Nono Njokove (4.v.l.) und Töchterchen Lena sowie die Wunschgroßeltern Dieter Raue und Rosemarie Peukert. Foto: Thomas Ammerpohl

Seit zehn Jahren sorgt ein Projekt des Mütterzentrums für Entlastung in den Familien.

Von Birgit Leute

Braunschweig, 27.11.2015. Energisch schiebt Lena den gelben Puppenwagen übers Parkett, verstreut den Inhalt quer durchs Wohnzimmer und umkurvt schließlich haarscharf die Füße von Rosemarie Peukert und Dieter Raue. Für die Eineinhalbjährige sind sie „Oma“ und „Opa“ – dabei kennen sich die drei erst seit März.

Peukert und Raue sind ehrenamtliche „Wunschgroßeltern“. Einmal die Woche oder wann immer Not am Mann ist, nehmen sie Lena zu sich. Ihr Job ist weit mehr als der eines Babysitters: Die
66-Jährige und der 72-Jährige sind gleichzeitig Ratgeber, Stütze und Ruhepol für Lena und ihre Eltern.
„Familien von heute wohnen kaum noch zusammen“, beobachtet Rita Dippel vom Mütterzentrum/Mehrgenerationenhaus in der Hugo-Luther-Straße. „Junge Eltern – ob zu zweit oder alleine – ziehen oft der Arbeit hinterher, die Großeltern wohnen viele Kilometer weit weg.“ Dabei sei gerade die Erfahrung der Älteren für eine junge Familie wichtig. „Sie können Ruhe in den oft hektischen Alltag bringen“, so Dippel. Vor zehn Jahren rief das Mütterzentrum deshalb das Projekt „Wunschgroßeltern“ ins Leben. Ein Angebot, das seit 2010 von der Stadt finanziert wird und präventiv gedacht ist – also greifen soll, bevor Dauerstress bei Eltern und Kindern wohlmöglich andere Hilfen nötig macht.

Mehr als 100 Familien stehen derzeit in der Warteschlange. Stefanie Marx und Yannick Nono Njokove sind froh, dass sie für die kleine Lena Großeltern gefunden haben. „Wir sind ziemlich allein“, sagt Marx über ihre aktuelle Situation. Der Kontakt zur eigenen Familie sei vor Jahren abgerissen, die Schwiegereltern wohnten praktisch unerreichbar in Kamerun, dem Heimatland ihres Mannes. „Lena kannte am Anfang nur uns, aber für mich war es immer wichtig, dass sie eine ’Oma‘ und einen ‚Opa’ hat, in einem sozialen Netz aufwächst und auch mal verwöhnt wird“, sagt Stefanie Marx und muss über ihre kleine „Prinzessin“ lächeln, die die neuen „Großeltern“ im Hanumdrehen um den Finger wickelte. Die nehmen’s gelassen: „Wir freuen uns, dass sie Vertrauen zu uns gefasst hat, denn in den ersten Wochen fremdelte sie noch“, sagt Rosemarie Peukert. Kinderlachen, verstreutes Spielzeug oder Protestgeschrei nerven sie nicht, sondern sind ein Lebenselixier. „Die Oma-Rolle macht mir richtig Spaß. Ich brauche einfach eine Aufgabe, die mich körperlich und geistig fit hält. Und es ist sehr spannend zu sehen, wie Familien heute funktionieren“, sagt die „Wunschoma“.

Service

Im Jahr 2005 rief das Mütterzentrum/Mehrgenerationenhaus die Aktion „Wunschgroßeltern“ ins Leben. 58 Aktive nehmen daran aktuell teil. Mehr als 100 Familien haben schon um Hilfe angefragt. Wer Interesse hat, kann sich an Rita Dippel montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 89 54 50 melden.
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