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Start an der Basis: Von Polen in die Putzkolonne

Jung, sympathisch, bescheiden: Daniel Klutzny. Fotos: T.A.

Daniel Klutzny lebt seit zwölf Jahren in Braunschweig und schrubbte zuerst Böden – Heute arbeitet der studierte Mediendesigner als Fotograf.

Von Birgit Leute, 27.09.2014.

Braunschweig. Seine ersten Jahre in Deutschland verbrachte Daniel Klutzny in einer Putzkolonne. Dort, wo Polen für viele halt so arbeiten. Diese Zeit ist längst vorbei: Heute arbeitet Klutzny als Fotograf und Yogalehrer. Das macht ihn nicht reich, aber er hat sich selbst gefunden.

Der Traum vom Leben im Ausland – er muss für Daniel Klutzny anders ausgesehen haben, als er mit 20 Jahren nach Deutschland aufbrach. Dabei wollte der Pole aus einem Dorf nahe Oppeln nach dem Abitur doch nur die Welt kennenlernen. Holland, England wären noch Optionen gewesen, am Ende zählten die Wurzeln: Die Großeltern waren gebürtige Schlesier, also – Deutschland.
„Wir waren jung und unerfahren“, erzählt Klutzny von den ersten Wochen im fremden Land. Mit ihren wenigen Ersparnissen landeten er und seine Frau Agnieszka in Bayern, „weil es da so schön sein sollte.“
Von der Schönheit des Landes bekamen beide allerdings nichts mit. Zwölf Stunden am Tag scheuerten sie für eine Gebäudereinigung Flure. Das hieß im Klartext: Aufstehen um 3 Uhr morgens, Rückkehr um 19 Uhr. „Das Wort Sozialhilfe kannten wir gar nicht. In Polen musst du arbeiten, oder du hast schlechte Karten“, sagt Klutzny. Auch später, nach dem Umzug nach Braunschweig, zerrten sie erst einmal Staubsauger hinter sich her und reinigten in aller Herrgottsfrühe das Pressehaus. „Ich machte einfach das, was die meisten Polen machen: arbeiten und nicht hochgucken, um später ein schönes Auto, ein größeres Haus zu haben“, sagt Klutzny nachdenklich.
Mit 25 Jahren kam dann der Bruch. „Nachdem ich jahrelang Putzen gegangen war, bei einer Brauerei Kisten geschleppt habe und in einer Firma mit radioaktivem Material umgegangen bin, sagte ich mir: Das kann es nicht sein, du kannst dich nicht jetzt schon kaputtmachen.“
So begann Klutzny Mediendesign zu studieren. „Ich habe immer gerne fotografiert, da lag das Studium nahe“, sagt der heute 32-Jährige. Mit Begeisterung sog der junge Pole das Wissen in sich auf, erhielt Bestätigung und wurde selbstbewusster. „Frei vor anderen zu sprechen fiel mir am Anfang sehr schwer“, blickt Klutzny zurück. Was würden die Kommilitonen und Dozenten zu seinem Akzent sagen? Klang da nicht überall der Pole durch? Seine Ängste waren unbegründet. Niemand sah ein Problem. Ganz im Gegenteil: „Ich erhielt Lob für mein Deutsch und die Frauen fanden die Färbung sogar sexy“, grinst Klutzny.
Auf großem Fuß leben, kann er trotz der Ausbildung nicht: Die Jobs für Mediengestalter und Fotografen liegen nicht gerade auf der Straße – ganz gleich, ob man Pole ist oder Deutscher. So arbeitet Klutzny derzeit freiberuflich als Fotograf und Yogalehrer, lebt mit seiner Frau und bald mit seinem ersten Kind bescheiden in einer kleinen Wohnung in einem sanierungsbedürftigen Altbau.
Umkehren kommt trotzdem nicht infrage: „Ich habe hier in Deutschland zum ersten Mal erfahren, was es heißt, Freizeit zu haben“, sagt der begeisterte Kletterer. Dass das Leben nicht nur aus Arbeit bestehen muss. Dass er in einem „offenen, multikulturelle Land lebt, in dem jeder seine Gemeinschaft, seinen Weg finden kann – wenn er es nur will.“

In Kürze

Daniel Klutzny wurde 1982 in Oppeln geboren. Er ist mit einer Polin verheiratet und wird in Kürze Vater. Zurzeit arbeitet der Freiberufler als Fotograf und Yogalehrer in Braunschweig.
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