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Stadtbummel gegen den Uhrzeigersinn

Von unten ist das kleine Kästchen, das über die Dachkante reicht, kaum zu sehen. Foto: Korth
Ein Jahr lasergestützte Frequenzmessung in Braunschweig – Gesamte Innenstadt voller Leben.
Von Marion Korth, 10. Oktober 2017.

Braunschweig. Der kleine graue Kasten oben an der Dachkante ist kaum zu sehen. Darin verbirgt sich eines von insgesamt sechs Lasermessgeräten, die erfassen, wie sich die Menschen in der Innenstadt bewegen, welche Punkte sie besonders häufig oder seltener passieren. Nach einem Jahr technikunterstützter Messung stellte Gerold Leppa, Geschäftsführer der Braunschweig Stadtmarketing GmbH, jetzt die Ergebnisse vor. Sein Fazit: „Die Zahlen zeichnen ein gesundes Bild.“ Einen Verlierer gibt es danach nämlich nicht. Weder büße Braunschweig nachweislich an Attraktivität ein, noch seien einzelne Bereiche der Innenstadt abgehängt.

Keine Ecke abgehängt

Selbst dort nicht, wo es zu vermuten wäre. Beispielsweise am Sack, wo die Welfenhofpassage sich kurz vor dem Umbau leert und auch der City Point in Teilen brachliegt. Trotzdem führen Sack und Damm mit jeweils 19 Prozent der jährlichen Gesamtfrequenz von mehr als 40 Millionen Bewegungen gemeinsam das Feld an. Leicht dahinter folgen Hutfiltern (17 Prozent) sowie Langer Hof, Schuhstraße und Poststraße mit jeweils 15 Prozent. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, so Leppa, die Parkmöglichkeiten in den Schlossarkaden zahlenmäßig zu begrenzen, sodass Besucher auch die umliegenden Parkhäuser etwa auf dem Eiermarkt, bei Karstadt oder im Packhof ansteuern müssen.
Samstag ist der Tag, an dem zu den Geschäftszeiten am meisten los ist (86 Prozent), der Dezember ist erwartungsgemäß der stärkste Monat (155 Prozent). Im Jahresverlauf hätten sich nicht einmal die Sommerferien als Zeit der Flaute herauskristallisiert. Gerade in der Woche hätte es viele in die Innenstadt gezogen, Juli und August hätten überdurchschnittliche Frequenzen gebracht, sagte Leppa.
Die gesammelten Daten sind als Grundlage und „handfestes Material“ für das Stadtmarketing selbst am wichtigsten. Belegen lasse sich damit nicht nur, dass die Besucherfrequenz in der Innenstadt nicht abnimmt und dass Sonderaktionen wie die vier verkaufsoffenen Wochenenden im Jahr Besuchermagneten sind. Mit 163 Prozent Gesamtfrequenz bringen nur die Adventswochenenden, an denen auch der Weihnachtsmarkt stattfindet, mehr Besucher beziehungsweise Bewegung in die Innenstadt. Die größten Besucherströme hat nach der Messung übrigens der Auto-Mode-Frühling im April gebracht.
Außer dem Stadtmarketing und den Händlern, die vertreten durch den Arbeitsausschuss Innenstadt (AAI) Kooperationspartner des Projektes sind, haben auch Immobilienvermarkter (Kauf-)Interesse an den Daten, um potenziellen Mietern oder Käufern Argumente zu liefern.
Am 1. Oktober hatte Braunschweig als eine von bundesweit wohl nur zehn Städten mit der lasergestützten Frequenzmessung begonnen, Besucher wurden jedoch schon vorher gezählt, und zwar seit 2008, als dramatische Verschiebungen in den Kundenkreisläufen nach Eröffnung der Schlossarkaden im Jahr 2007 befürchtet worden sind. Studenten hatten jeweils an drei Tagen im Oktober stichprobenartig Besucher in der Innenstadt gezählt.

Messung wird fortgesetzt

Die jetzt gesammelten Daten seien jedoch sehr viel genauer, erfassen Kundenbewegungen im Viertelstundentakt – hilfreich etwa für die Personalplanung im Tagesverlauf, meinte Leppa. Eine neue Erkenntnis habe man in jedem Fall gewonnen: Die Passanten bummeln gegen den Uhrzeigersinn durch Braunschweig … Die Laser bleiben auch nach Ablauf des Messjahres an ihren Plätzen, weitere Immobilienbesitzer hätten Interesse an zusätzlichen Messstationen angemeldet.
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