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„So‘n Quatsch mache ich nicht mehr“

Rüdiger Hoffmann überrascht sein Publikum mit neuem Image und bleibt doch ganz der Alte

Von Birgit Leute


Braunschweig. Aus, Vorbei, Fini. „Ja, hallo erstmal“ – das war mal. „So'n Quatsch mache ich nicht mehr“, kündigt der schlacksige Typ in Jeans und T-Shirt auf der Bühne an. Haben wir das gerade richtig gehört? Wir haben.

Zwanzig Jahre lang sorgte Rüdiger Hoffmann – der Glatzkopf aus Ostwestfalen – mit diesem einen Satz und seinem Witz in Zeitlupentempo für kollektive Heiterkeit. Jetzt soll Schluss damit sein. „Ich bin nun ein Rockstar“, sagt er zur Begründung.
Wie zum Beweis hat der Comedian in dem aktuellen Programm „Sex oder Liebe“, das am vergangenen Sonntag in der Stadthalle über die Bühne ging, seinen alten Holzstuhl durch einen Klavierhocker ausgetauscht und haut am Piano in die Tasten. Rock, Pop, dazwischen auch mal eine Ballade – Hoffmann stellt gekonnt sein musikalisches Talent unter Beweis. Allerdings: Der Comedian wäre nicht er selbst, wenn er sich und sein neues Image nicht gehörig auf die Schippe nehmen würde. „Ich bin ganz bescheiden: Ein paar weiße Seidenhandtücher, eine goldene Schale mit Äpfeln, ein paar Fische zur Entspannung – das reicht“, frotzelt er über den Starkult und bringt die rund
800 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle zum Johlen.
Und dann kommt doch wieder der alte Hoffmann durch: Mit langem, langem Schnaufen sinniert er über Romantik, Erotik, Mann und Frau. Ganz taufrisch sind die Themen nicht mehr, genauso wenig wie die Klischees, die der Paderborner bedient – er, der schlichte Kerl von nebenan, der mit einem knackigen Gesäß und einem Bier vor Augen zufrieden ist, sie, die romantisch-esoterische Freundin, die ihn spirituell weiterentwickeln will. Das kennen wir inzwischen auch von Barth und Co. Kein Wunder, dass es nach der Pause etwas langatmig wird und Hoffmann mit Texten wie: „Wo ist mein Kondom, ich hab schlichte Emotion“ auch mal unter die Gürtellinie gehen muss, um noch eins draufzusetzen. Doch gegen Ende begeistert er das Publikum wieder mit seinen bewährten tragisch-komischen Alltagsgeschichten rund um Hemdeneinkauf und Vaterglück. Starker Applaus.
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