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So war das also – Hoffmann lässt tief blicken

BZ-Chefredakteur Armin Maus führt seinen Gast Dr. Gert Hoffmann in den voll besetzten Saal im BZV Medienhaus. Foto: Peter Sierigk

Lesung im BZV Medienhaus. Rund 120 Besucher hören dem ehemaligen Oberbürgermeister zu.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 25.04.2018.

Braunschweig. „Ein sehr erfolgreicher und ein sehr streitbarer Politiker“ – so kündigte BZ-Chefredakteur Armin Maus seinen Gast im BZV Medienhaus an: den früheren Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann.

Hoffmann hatte seine Biografie (Von Irrwegen in die Verantwortung) mitgebracht und las den rund 120 Gästen daraus vor. „Es ist ja jetzt schon die fünfte Lesung in der Region“, sagte er zu Beginn, „aber bei jeder Lesung setze ich einen anderen Schwerpunkt.“ Falls also jemand bei allen Terminen dabei gewesen sein sollte, gebe es dennoch keine Langeweile, versprach er lachend. In Braunschweig standen die Kapitel über seine Oberbürgermeisterzeit im Mittelpunkt.

Zuvor erklärte Hoffmann kurz, wie sein Buch entstanden ist und skizzierte Aufbau und Inhalt. Er streifte die Kindheit im Nachkriegsberlin, die Gründe, warum er als Student in die NPD eintrat (der Irrweg), über die beiden großen Zäsuren in seinem Leben, Mauerbau und Mauerfall, über die dramatischen Herausforderungen als erster Regierungspräsident in Sachsen-Anhalt.

Und dann Braunschweig. Gleich nach den ersten informellen Gesprächen flog ihm seine zweijährige NPD-Mitgliedschaft medial um die Ohren. Auch Parteifreunde gingen auf Distanz, fast hätte Hoffmann aufgegeben. Aber klein beigeben ist nicht seins. Und das zeigt dieses Buch deutlich. Der Mann hat mutige Entscheidungen getroffen, gepokert und getrickst – und er hatte auch Glück. Bei aller kritischen Distanz könne niemand leugnen, dass in Hoffmanns Amtszeit Braunschweig eine enorme Dynamik entwickelt hat, betonte auch BZ-Chef Armin Maus.

Die rund 120 Gäste hörten aufmerksam zu, Hoffmann offenbart in seinem Buch Geheimnisse und erzählt von Verhandlungen und Vier-Augen-Gesprächen. Er berichtet von 75 Millionen Euro, die fast mit der Finanzkrise versenkt worden wären, vom umstrittenen Stadionausbau und seinen Schachzügen, um das Projekt durchzubekommen, vom Wiederaufbau des Schlosses, der mehrfach vor dem Aus gestanden hat.

Im Anschluss an die Lesung stellt sich der 72-Jährige den Fragen der Besucher. Unter anderem fragt ihn ein Gast nach den Dingen, die er nicht habe realisieren können. „Den Schlosseingang wünsche ich mir anders, dass direkt hinter der Tür das Kaufhaus anfängt, ist nicht mein Idealbild.“ Auch die gegenüberliegende Seite des Bohlwegs hätte er gern im Zuge des Schlossaufbaus erneuert. „Aber die Entscheidungen treffen letztlich die Eigentümer“, räumt er ein. Und der bislang nicht erfolgte Abriss des Rathausneubaus gehört auch seine Liste der unerfüllten Wünsche.

Auf die Frage nach Zukunftsplänen spricht er warmherzig über seine Familie. Vom Rückhalt durch seine Frau, vom Glück, ein gutes Verhältnis zu den erwachsenen Kindern zu haben, von der Liebe zu den Enkelkindern. Sich um seine nächsten Menschen mehr kümmern zu können, das ist sein Wunsch für die Zukunft.
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1 Kommentar
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S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 25.04.2018 | 16:04  
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