Anzeige

„So normal wie Leitungswasser“

Gastgeber mit vielen Infos (v.l.): Andrea Haase (Polizeidirektion Braunschweig), Christina ter Glane (Niedersächsische Landesmedienanstalt), Bernd Kaufmann (Nds. Landesschulbehörde), Liane Jäger (Polizeiinspektion Braunschweig) und Jutta Sengpiel (Nds. Landesschulbehörde). Foto: Nielsen

In der Polizeidirektion wurden Lehrer in einer Fortbildung für das Thema „Sexting“ sensibilisiert.

Von Christoph Matthies, 06.07.2014.
Braunschweig. Das Versenden und Teilen von erotischen Aufnahmen des eigenen Körpers im Internet wird bei jungen Mädchen zunehmend beliebter. Über Gefahren des „Sexting“ informierten Polizei und Landesschulbehörde.

Dass das weltweite Netz auch Haken hat, ist eine Erkenntnis, die nur wenige überraschen wird. Dennoch, so die Experten der beiden Institutionen, würden sich viele Mädchen unnötigerweise in Gefahr begeben, wenn sie erotische Bilder – darunter Nackt- oder Oben-ohne-Aufnahmen – über das Web verschickten.
„Das Versenden oder Hochladen der Bilder ist rechtlich zulässig, wenngleich auch extrem dumm“, bewertete Referentin Liane Jäger, Jugendsachbearbeiterin der Braunschweiger Polizei, das „Sexting“. Oft aus Verliebtheit, der Sehnsucht nach Anerkennung oder schlicht Naivität würden junge Mädchen immer häufiger solche Aufnahmen verschicken – in Zeiten von hochauflösenden Smartphone-Kameras und einfachster Software eine Sache von zwei bis drei Klicks.
Die Risiken werden dabei allerdings häufig übersehen. „Man macht sich durch solche Bilder unglaublich angreifbar. Und wenn sie erst einmal im Netz sind, lassen sie sich nicht mehr stoppen“, so Jäger, die rund 60 Lehrer in der Polizeidirektion auch über die rechtlichen Aspekte des „Sexting“ aufklärte. Verletzung von Bild- und Persönlichkeitsrechten, Missbrauch der Aufnahmen, auch durch Pädophile, (Cyber-)Mobbing, Nötigung und Erpressung sind mögliche Szenarien, wenn das eigene Nacktbild den Weg ins Netz findet. 120 Ermittlungsverfahren gab es in diesem Zusammenhang im vergangenen Jahr in der Region, die Dunkelziffer ist hoch.
Mit erschreckenden Beispielen aus dem Alltag, verzweifelten, gar suizidgefährdeten Mädchen, konfrontierte Referentin Christina ter Glane die Lehrer. „Für unsere Kinder ist das Internet so normal wie Leitungswasser“, beschrieb die Medienpädagogin die jungen „Digital Natives“, ab zehn Jahren seien fast alle Kinder online. An Medienkompetenz fehle es vielen allerdings noch. Dagegen helfen Verbote wenig, so ter Glane, die stattdessen voll auf Aufklärung setzt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.