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Smartphone liegt vorn

Jungen Menschen ist das Mobiltelefon wichtiger als der Führerschein.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 12.10.2011

Braunschweig. Mobil ja – aber mobil erreichbar. Das Smartphone schlägt auch in Braunschweig das Auto.

„Ein Leben ohne Handy? Nie“ – für Sally (22) sind die Prioritäten klar. Ihr erstes Handy bekam die Friseurin mit 14 Jahren von den Eltern geschenkt, seitdem gibt es fast jedes Jahr ein neues. „Führerschein mache ich später“, sagt sie. Dafür müsse sie erst noch mehr sparen, und außerdem: „Hier in der Stadt fahre ich Fahrrad oder Straßenbahn.“
Damit liegt Sally genau im bundesweiten Trend: Der Autoführerschein verliert für junge Menschen an Bedeutung. Das belegen die aktuellen Zahlen vom Kraftfahrtbundesamt: Von 2007 bis 2010 machten rund elf Prozent weniger Männer bis 24 Jahre einen Führerschein; bei den Frauen lag der Rückgang bei zehn Prozent.
Braunschweig meldet ähnliche Werte: Im Jahr 2007 bekamen insgesamt 2734 Menschen eine Fahrerlaubnis, 2010 waren es noch 2509.
Der Rückgang der Fahranfänger gilt vor allem für größere Städte, auf dem Land setzen junge Menschen weiter auf das Auto. „Alle, die von den Dörfern kommen, machen auch einen Führerschein“, sagt Lina Seckelmann, Büroleiterin bei der Fahrschule Rüdebusch, „hier in der Stadt sieht es etwas anders aus.“ Außerdem hat sie beobachtet, dass viele junge Menschen erst mit Mitte zwanzig zur Fahrschule kommen. „1300 Euro kostet in Niedersachsen im Durchschnitt ein Führerschein“, sagt Seckelmann, „da müssen viele erstmal sparen.“ Auf der anderen Seite würde aber auch der Führerschein mit 17, der das sogenannte „begleitete Fahren“ ermöglicht, sehr gut angenommen. „Da zahlen dann häufig die Eltern oder auch die Großeltern“, weiß Seckelmann.
Unabhängig von der Finanzierung, zeigen neue Untersuchungen auch, dass das Auto als Statussymbol an Wert verliert. „Die emotionale Bindung der jungen Generation an das Statussymbol Auto lässt deutlich nach“, heißt es in der Studie „Die junge Generation und das vernetzte Auto“ von Professor Dr. Stefan Bratzel vom Center of Automotiv Management. Für 20 bis 30 Prozent der 18- bis 25-Jährigen dient das Auto demnach lediglich als Fortbewegungsmittel. Und der IT-Branchenverband Bitkom erhielt eine besonders denkwürdige Aussage in seiner Umfrage: Danach würden junge Menschen unter 30 eher auf das Auto oder sogar den Lebenspartner verzichten als auf Internet oder Handy. Für die gesamte Automobilindustrie sei das eine riesige Herausforderung, sagt Bratzel, das ganze Themenfeld „“i-car – Das vernetzte Auto“ biete eine Riesenchance.
Auch das von einigen Autoherstellern wiederbelebte Carsharing-Konzept passe zu den Bedürfnissen junger Menschen. „Jugendliche legen zunehmend Wert auf Umweltschutz, Handys und Internet“, erklärt Bratzel. Und: „Es kann sein, dass wir uns eines Tages das Auto passend zum iPhone aussuchen.“
Da wäre Sally aus Braunschweig vermutlich dabei. „Ich habe mir jahrelang die Handys nach der Optik ausgesucht“, gibt sie zu, „ich war immer auf der Suche nach dem neuesten Schrei auf dem Markt.“ Inzwischen achte sie aber auch verstärkt auf Technik.
Sie und ihre Kollegin Natalia (21) stehen für eine Generation, aus deren Alltag das Handy nicht mehr wegzudenken ist. „Es weckt mich morgens“, erzählt Sally, „und dann muss ich erstmal auf Facebook nachschauen, was es Neues gibt.“ Natalia nutzt das Handy vor allem zum simsen. „Ich tippe dauernd“, erzählt sie. Ihre rund 150 Facebook-Freunde besucht sie lieber mit dem Laptop. Beide Frauen haben die Kosten für ihre Handyleidenschaft im Blick. „Ich habe eine Flatrate, zahle 56 Euro im Monat für alles“, sagt Sally. „Ich habe eine Prepaidkarte“, sagt Natalia, „da bin ich auf der sicheren Seite.“
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