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Sinn der Übung: Das perfekte Zusammenspiel

Das erste Löschfahrzeug erreicht nach wenigen Minuten den brennenden Hubschrauber. Noch wissen die Rettungskräfte nicht genau, was sie erwartet. Für den Piloten kommt in diesem Szenario allerdings jede Hilfe zu spät. Fotos: Marion Korth

Feuerwehren, Rettungsdienste, Notärzte arbeiten Hand in Hand.

Von Marion Korth, 19.10.2016.

Michael Blaumoser (Sius Consulting) ist der Mann für Katastrophen. Er hat sozusagen das Drehbuch für die Großübung auf dem Flughafen-Braunschweig geschrieben, das technisch mit Nebelgranaten und ordentlich Flammen aus dem Gasbrenner befeuert wird. Er hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Eine Frau wird irgendwann schreiend und weinend auf das Flugfeld gelaufen kommen. Sie hat den Absturz des Segelflugzeugs gesehen, der Pilot darin ist ihr Mann, sie will zu ihm …

Auch sonst soll das Einsatzszenario wirken wie echt. Der Hubschrauber ist eine Leihgabe des Technischen Hilfswerks, die überall verstreut liegenden Trümmerteile des Segelflugzeugs stammen von einem wirklichen Unfall. Die benachbarte Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat sie zur Verfügung gestellt. Auch jetzt ist ein BFU-Vertreter dabei, außerdem Michael Hanne, Leiter der Berufsfeuerwehr Braunschweig, dazu mehrere Kollegen, Polizei, Rettungsdienstvertreter, ein Mann aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium, das mit der Polizeidirektion Braunschweig als Überwachungsbehörde fungiert. Aus sicherer Entfernung verfolgen sie jeden Schritt, jede Entscheidung, die da draußen auf dem Rollfeld getroffen wird. In ein paar Tagen werden ihre Protokolle ausgewertet und zusammengefasst vorliegen.
MANV 7 („Massenanfall von Verletzten“; in diesem Fall sieben) lautet die Alarmmeldung. Jetzt kommt’s aufs Zusammenspiel an. Die Flughafenfeuerwehr setzt sich aus Kräften der Werksfeuerwehr und der Berufsfeuerwehr zusammen. Maik Wermuth leitet den Technischen Dienst und die Werkfeuerwehr des Flughafens. „Bei Feuer müssen wir in drei Minuten am Ort sein, das üben wir häufiger“, sagt er. Großübungen wie die gestern, zu der auch die Ortsfeuerwehr Bienrode angerückt ist, sind aber eher selten. Hier geht es nicht nur um die exakte Kommandoübergabe der Einsatzleiter, darum, einen brennenden Hubschrauber zu löschen, die Verletzten zu bergen und zu versorgen. Mindestens ebenso wichtig ist die Arbeit des eilig gebildeten Krisenstabs im Flughafengebäude. Auch hier sorgen Komparsen für Störmanöver, spielen verzweifelte Angehörige, Manager, die es eilig haben, Pressevertreter, die keine Mühen scheuen, an jede erdenkliche Information zu gelangen.
Michael Blaumosers Idee mit der Ehefrau, die von außen zur Unglücksstelle eilt, ist fast noch wirksamer als die Nebelgranaten zuvor. Die Verwirrung ist gewollt. Zu früh ist der Einsatzleiter erleichtert, weil alle Verletzten und auch Toten gefunden sind, weil die Zahl mit der auf der Passagierliste übereinstimmt. In Wahrheit liegt da aber noch jemand auf dem Feld (eine Puppe stellvertretend für den getöteten Segelflugzeugpiloten). Dabei hatten zuvor Feuerwehrmänner das Gelände sondiert, auch von oben Ausschau gehalten. „Ich glaube, ich muss denen jetzt einmal einen Tipp geben“, sagt Wermuth. Wenig später ist der „Tote“ gefunden. Übung beendet.
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